Pimp my Farmville:
MTV Networks drängt ins Social-Games-Biz

Die US-TV-Kette MTV Networks drängt ins Geschäft mit Social Games. Die Viacom-Tochter hat die relativ unbekannte kalifornische Entwicklerbude Social Express gekauft, wie MTV-Manager David Williams im Interview mit "VentureBeat" lancierte. Sie soll MTV-Formate in Social Games verbraten. Verwertbar sind aber nicht nur MTV-Perlen wie "Dismissed" oder "Pimp my ride", sondern auch das Universum von Schwestersendern wie Comedy Central ("South Park") und Nickelodeon, das mit "Spongebob" Kids und Familien anlockt.

Erste Ergüsse der neuen Social-Games-Einheit will die Senderkette bereits im Herbst vorlegen - welches Format den Anfang macht, verriet Williams noch nicht. Ebenso wenig Details zum Kaufpreis oder weiteren Geschäftsmodell. Die beiden Social-Express-Gründer Tony Espinoza und Neil Souza arbeiteten bisher mit rund 10 Angestellten, sie rücken in Positionen bei Viacom auf.

Auf der Erfolgswelle reiten Social Games seit der Einbindung bei sozialen Netzwerken wie Facebook. Vor allem Platzhirsch Zynga hat dem blauen Bruder viel zu verdanken. Derzeit ist Znygas Hit "Farmville", mit dem das Unternehmen den Markt aufgerollt hat, aber auf dem absteigenden Ast. Zyngas neue große Nummer soll "Frontierville" werden.

Auch MTV wird nicht auf Facebook verzichten, daneben die Spiele aber auch übers herkömmliche Web vertreiben. Mit Angeboten wie "mtv.com" kann die Gruppe auf hohe eigene Reichweiten bauen, auch deren nationale Ableger ("mtv.de") schlagen sich gut. Hinzu kommen Games-Sites wie "addictinggames", eine Plattform, auf der Produzenten kleiner Web-Spielchen Kohle via Werbung machen können, vor allem aber auch über den Verkauf virtueller Güter. Eine Einnahme-Quelle, die nicht zuletzt Zynga reich macht (kress.de vom 21. April 2010).

Darüber hinaus hat MTV eine eigene Publishing-Plattform für Social Games angekündigt, auf der sich auch externe Entwickler breit machen dürfen. Ähnliche Ambitionen wurden Zynga einst auch nachgesagt, als Drohgebärde gegen Facebook. Bislang blieb "Zynga Live", so der kolportierte Name des Social-Games-Portals, allerdings ein Gerücht.

Ein großer Strategiewechsel ist die Social-Games-Idee für MTV indes nicht. Der Musiksender hat längst erkannt, dass mit Musik-Fernsehen alleine kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Seit Jahren strickt der Sender daran, sich als Jugendmarke zu etablieren und das starre Korsett "Musik-TV" abzustreifen, unlängst verbannte der Sender den Zusatz "Music Television" aus dem Logo. Vermehrt zapft MTV die Zielgruppe über digitale Kanäle, Events und Kooperationen an und besetzt jugendaffine Themen jenseits der Musik - wie Games. MTV Deutschland hat bereits länger mit "Game One" ein erfolgreiches TV-Format im Programm, das inzwischen auch im Netz seinen festen Platz hat.

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