Mit der Bewegungssteuerung der Wii hat Nintendo vor fünf Jahren die Spielewelt revolutioniert und die Konkurrenz auf dem falschen Fuß erwischt. Nun will Big N das nächste große Ding vorlegen. Es heißt Wii U. Doch nicht nur der Name der neuen Spielkonsole ist sperrig. In den sozialen Netzen wird geunkt, der Controller sähe aus wie eine Kreuzung aus Apples iPad und Amazons Kindle.
Der Controller der Wii U ähnelt tatsächlich einem der gängigen Tablet-Rechner. Er soll mit einem berührungsempfindlichen 6,2-Zoll-Bildschirm daherkommen, enthält Bewegungssensoren, ein Mikrofon und eine Kamera. Um den Touchscreen sind die Nintendo-typischen Steuerkreuze und -knöpfe platziert.
Also ein iPad mit Knöpfen, was uns Nintendo da präsentiert. Nicht ganz. Das weiße Brett kann zwar ohne Fernseher verwendet werden, aber es braucht den Kontakt zur Konsole - sie muss immer eingeschaltet sein. Sonst funktioniert das Streaming nicht. Mit dem Stream-Monitor will Nintendo den Kampf um die Fernbedienung entschärfen: Wer weiterzocken möchte, kann sich so in ein anderes Zimmer oder in den Garten verdrücken.
Im Normalfall laufen die Spiele aber auf dem Controller und dem Bildschirm gleichzeitig. Hier will Nintendo damit punkten, dass auf den Ausgabegeräten verschiedene Inhalte gezeigt werden können. Auf der Spielemesse E3 in Los Angeles präsentierte Nintendo eine Demo, bei dem Wurfsterne vom Controller-Bildschirm aus geschmissen wurden und dann im einem Baum auf dem Fernsehbildschirm landeten.
Wer schon ein Wii besitzt, soll seine Spielesammlung weiterverwenden dürfen, auch das Zubehör soll weiter einsetzbar sein (siehe Video).
Bei der Technik hinkte Nintendo bislang den Spielerivalen Sony (PlayStation 3) und Microsoft (XBox 360) hinterher. Mit der Wii U soll das anders werden. Nintendo verspricht ordentliches Futter für HD-Fernseher (Auflösung von bis zu 1080p). Auf der E3 blieben die Super-Mario-Macher den Beweis allerdings schuldig: Man zeigte zwar wunderschönes, hochauflösendes Material, doch das stammte von den aktuellen Konsolen der Konkurrenz, wie Amerika-Chef Reggie Filis-Aime auf einer PK eingestand. Da die Wii U erst irgendwann im nächsten Jahr erscheinen soll, könnten die dann technisch weiter aufgemotzten Nachfolger der Konkurrenz schon in den Startlöchern stehen.
Und da wäre dann ja auch noch Apple, dessen iPad vorzüglich zum Spielen geeignet ist und mit seinen kleinen Spielepreisen nicht nur Gelegenheits-Gamer in Scharen anlockt. Dazu drängen auch die Android-Flunderrechner auf den Spielemarkt. All das wissen auch die Anleger. Sie schickten die Nintendo-Aktie am Mittwoch auf Talfahrt. Zeitweise erreichte das Papier ein neues Fünf-Jahres-Tief.
Twitter-Schmäh: "The Wii U controller is like an iPad with buttons"
Auch auf Twitter fiel die erste Reaktion auf die Wii U verhalten aus. Hier eine (nicht repräsentative) Auswahl:
- "Wii u ist der perfekte Beweis dafür, dass Nintendo keine Ahnung hat, wie sie gegen Tablets und Smartphones vorgehen soll."
- "Was kommt raus wenn man Apple iPad und Amazon Kindle kreuzt?"
- "Aha, #Nintendo stellt das WiiPad (Wii U) vor."
- "Zocken wenn der Fernseher anderweitig genutzt wird. Also früher nannte man das Handheld."
- "The Wii U controller is like an iPad with buttons."
- "Mit der Wii hat Nintendo Computerspiele revolutioniert. Mit der Wii U wirft der Hersteller wieder vieles um."
- "Klobiges Monsterpad, Remake-Lineup und veraltete Stiftbedienung? Check! Sehe ich das richtig, dass Nintendos WiiU Controller einen Rückschritt darstellt?"
Experten-Lob: "Perfekt zum Spielen"
Experten, die den Controller aber schon in der Hand gehalten haben, geben Entwarnung: Das Steuergerät der Wii U fühle sich viel besser an, als es aussehe, schreibt Konrad Lischka von "Spiegel Online". Er sei "perfekt zum Spielen". Die Steuerung habe man nach einer Minute verinnerlicht, die Sensoren arbeiteten präzise. Paul Kautz von den "4players" lobt den erstaunlich scharfen und kontrastreichen Bildschirm. "Die viel wichtigere Frage ist natürlich, ob Nintendo mal wieder die Standards definiert, denen die Konkurrenz hinterher hechelt", bemerkt Kautz. Diese wird sich erst im kommenden Jahr beantworten lassen - aber Zweifel sind angebracht.
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