Oliver Welter

Oliver Welter

Geschäftsführer
HanXX Media GmbH i.Gr.

Aachener Straße 1053 - 1055
50858 Köln
Deutschland
Mobil:
+49 160 949 00071
Fon:
+49 221
Fax:
+49 221
E-Mail:
Nur für eingeloggte Benutzer sichtbar
Website:
http://www.HanXX.de

Geburtstag
19.4.1963
 

Berufsweg
Biografie Oliver Welter

1981 brach er die Schule ab und wurde Einkaufswagenschieber im Supermarkt und Bühnenhelfer. Mit 17 machte er sich selbständig und als Bonns führender Wildplakatierer für Musikveranstaltungen ständig Bekanntschaft mit der Polizei. Mit 20 kehrte er zur Schule zurück, war beim Mittlere-Reife-Abschluss Jahrgangsbester und wechselte aufs Abendgymnasium, indem er die Klasse 11 übersprang. Trotz guter Noten kam ein Jahr später schon wieder der Verweis – wegen zu vieler Fehlstunden. Zu oft hatte er seinen Nebenjob als Mit-Organisator großer Musikveranstaltungen dem Besuch des Bonner Abendgymnasiums vorgezogen.

Wer einen solchen Lebenslauf seinen Bewerbungsunterlagen beilegt, kann sich normalerweise nur wenig Hoffnung auf eine Anstellung bei wem und wo auch immer machen. Nicht so der Bonner Selfmademan Oliver Welter. Noch im Jahr des Schulverweises wurde er Repräsentant und Technischer Leiter der Concert Cooperation Bonn GmbH und brachte Künstler wie Pink Floyd, Genesis, Level 42 oder Kool & The Gang auf die Bühnen. Schon als Kind hatte Oliver Welter in seiner Heimatstadt Bonn Musikveranstaltungen mit lokalen Bands organisiert. 1978 veranstaltete der 15-jährige Schüler am Bonner Konrad-Adenauer-Gymnasium sein erstes Rock-Festival – mit 10 Bands und 2000 Besuchern in der ausverkauften Aula.

„Musik-Events mit allem, was dazu gehört, waren schon immer meine Leidenschaft“, sagt Oliver Welter heute, als Vorstandsvorsitzender der TownTalker Media AG, die ihn Mitte der Neunzigerjahre engagierte. Das Kölner Unternehmen ist seitdem Spezialist für kreative Außenwerbung und Marktführer für Kulturveranstaltungen. Nicht zuletzt dank des TownTalker-Tamtams für das neue Album der Hard-Rock-Band AC/DC wurden hierzulande in den ersten 48 Stunden 170.000 CD´s verkauft. Die Plakate mit Kultkünstlern von James Dean bis Sid Vicious mit den legendären Chucks von Converse an den Füßen waren so begehrt, dass nicht selten abgetrennt und mitgenommen wurden.

Mit ihren bis zu 100 Meter langen Werbebannern heben sich die TownTalker deutlich sichtbar von der Konkurrenz ab. Alljährlich schaltet die Firma für ihre Kunden mehr als 2,5 Millionen Plakate in den Zentren von Deutschlands Großstädten.

Keine Frage: Oliver Welters Berufserfahrung reicht zurück bis ins Kindesalter. „Doch schön wurde mein Leben erst ab 20, davor gab es doch einige schwarze Löcher“, sagt er heute und nennt schmunzelnd noch einen weiteren Unterschied: „Im Gegensatz zu früher hängen die Plakate heute legal.“

Biografie in Stichworten


1963: geboren am 19. April in Bonn-Bad Godesberg.

1968: Grundschule in Niederbachem (1. und 2. Klasse), Lannesdorf (3. Kl.) und Mehlem (4. Kl.).

1972: Hauptschule Mehlem (5.Kl.), im selben Jahr Wechsel aufs Konrad-Adenauer-Gymnasium Bad Godesberg.

1977: Als 14-Jähriger Organisator von Musikveranstaltungen mit lokalen Bands.

1978: Organisation seines ersten Rock-Festivals am Konrad-Adenauer-Gymnasium - 10 Bands, mit 2000 Besuchern ausverkauft.

Einstieg als „wilder“ Plakatkleber für Musikveranstaltungen in Bonn – bis zu 10.000 Plakate pro Konzert in Hand- und Soloarbeit. Da Wildplakatierung auch damals verboten war, kam es zu etlichen Festnahmen durch die Polizei – aber nie zu einer Verurteilung.

Nach Nicht-Versetzung Wechsel aufs Heinrich-Hertz-Gymnasium in Plittersdorf (heute: Nicolaus-Cusanus-Gymnasium).

1981: Schulabbruch in der 10. Klasse. Danach Jobs als Einkaufswagenschieber im Supermarkt.

Plakatierer für den größten Veranstalter in NRW bei Events in den Bonner Rheinterrassen (ca. 20 Gigs pro Monat) bis Mitte der achtziger Jahre (u.a. mit Chris de Burgh, Pat Metheney und BAP).

1982: Leiter der Getränkeabteilung im Supermarkt. Ein Angebot als Assistent des Geschäftsführers wurde ausgeschlagen; stattdessen Privattour zu mehreren Europakonzerten der Rolling Stones.

Rätselhafte Viruserkrankung mit Lähmungen in Armen und Beinen. Fast ein Jahr Rekonvaleszenz.

1983: Rückkehr zur Schule – Abendrealschule in Bonn-Tannenbusch.

1984: Abschluss mit Mittlerer Reife als Jahrgangsbester und Wechsel aufs Abendgymnasium direkt in Klasse 12 (Klasse 11 übersprungen) mit Schwerpunkt Mathematik und Physik.

1985: Trotz guter Noten Verweis vom Abendgymnasium wegen zu vieler Fehlstunden.

Von 1985 bis 1993 Repräsentant und Technischer Leiter der Concert Cooperation Bonn GmbH (Pink Floyd, Genesis, Level 42, Kool & The Gang usw.)

Parallel dazu Side Coordinator bei der Kölner Philharmonie für Veranstaltungen auf dem Roncalli-Platz (mit Luciano Pavarotti, José Carreras oder Frank Sinatra).

1994: Geschäftsführer der City Billboard GmbH nach Zusammenschluss der Geschäftsbereiche Köln und Bonn. Im Herbst Wechsel zu HGM Neue Medien nach Düsseldorf.

1995: Geschäftsführer der HGM Neue Medien GmbH.

1996: Vorstandsvorsitzender der zur AG umfirmierten HGM Neue Medien AG.

2001: Umfirmierung zur TownTalker Media AG als deren Vorstandsvorsitzender.


 

Ausbildung

20. Oktober 2008, Köln
Interview: Dennis Plauk | Foto: Thomas Rabsch
Oliver Welter

Oliver Welter wurde aufgehalten. Seine Tochter brauchte für ein Musikreferat akut Hilfe –
in Form von Papas liebsten Disco-Platten aus den 70ern. So etwas will wohl gewählt sein.
Als er sein Büro im Kölner MediaPark betritt, liegen auf dem Boden ausgebreitet
gut zwei Dutzend Konzertplakate, die auf sein Redegat warten.
„Der beliebteste Verschreiber: Falscher Preis!“

20.10.2008
Galore: Herr Welter, können Sie sich an das erste Plakat erinnern, das
Ihre Aufmerksamkeit auf sich zog?
Oliver Welter: 1977, da war ich gerade 14 Jahre alt, spielten Yes in
der Kölner Sporthalle. Die Tour hieß wie das Album, „Going For The One“,
und zeigte einen nackten Mann vor einer Hochhausfassade. Meine Mutter
ließ mich nicht zu dem Konzert, da wollte ich wenigstens das Poster haben.
Also habe ich es kurzerhand abgerissen und eingesteckt. Es war gewissermaßen
der Startschuss für meine Plakatleidenschaft.
Galore: Heute werden Sie sich kaum wünschen, dass jemand Ihrem Beispiel von
damals folgt und abreißt, was gut aussieht – immerhin leiten Sie mit
TownTalker ein Unternehmen für Plakate und Außenwerbung.
Es gibt durchaus Kampagnen, die den Diebstahl von Plakaten gleich mit
einkalkulieren, gerade im Jugendbereich. Und man kann es ja auch positiv
sehen: Wenn die Kids mit Teppichmessern anrücken und unsere Plakate
abtrennen, ist das im Zweifelsfall ein Beleg für gute Arbeit, für gelungene
Motive. Wir waren damals ja nicht anders. Ich erinnere mich, wie ich damals
mit 16 oder 17 mit meinen Freunden durch Südfrankreich gezogen bin und
an den Bushaltestellen die Poster der Punk- und New-Wave-Bands herausgeschnitten
habe, die in Deutschland selten oder gar nicht auf Tour gingen:
The Clash, Devo, The Stranglers... Zu Hause habe ich sie dann in der Badewanne
einweichen lasen, bis ich sie Schicht um Schicht abtragen konnte. Es
war immer eine Überraschung, welche anderen Plakate überklebt worden
waren und zum Vorschein kamen. Danach habe ich sie getrocknet und
gebügelt, um sie verkaufen oder tauschen zu können.
Was macht ein gutes Plakat aus?
Es muss Aufmerksamkeit durch seine Farben und das Motiv erregen und die
Botschaft so knapp wie präzise herüberbringen. Wie eine gute Schlagzeile –
aber nicht mehr! Wir selbst bekommen die Plakate in der Regel fertig
geliefert und sorgen dann dafür, dass sie am besten wirken können: Wann ist
der richtige Zeitpunkt, sie aufzuhängen? An welchen Orten sind sie am
besten aufgehoben? Gerade bei offensiven Kampagnen besteht im Vorfeld
viel Rede- und Abstimmungsbedarf. Nehmen wir zum Beispiel die Werbung
für „Studio 54“ mit Mike Myers, ein Film über einen Nachtclub im New York
der ausgehenden 70er Jahre – im Grunde reines Special-Interest-Kino. Der
Verleiher hatte Angst, der Film könnte floppen und wählte daher eine
extrem offensive Kampagne: Auf einem Plakat sieht man eine Frau, die sich
lasziv nach hinten lehnt, während zwischen ihren Beinen ein Männerkopf
steckt. Dazu kam der Text: „Nur ein Kuss im Studio 54...“ (lacht) Das gab
natürlich einen Riesenaufstand, kaum dass wir die Plakate aufgehängt
H
GALORE - Das Buch Welter.indd 4 15.06.2009 14:47:47 Uhr
5
Oliver Welter
20.10.2008
hatten. Werberat, Kirchenrat, Staatsschutz – alle stiegen sie uns aufs Dach.
Doch das war gewollt. Ich nehme manchen Ärger in Kauf, um zu zeigen, wie
viel Aufmerksamkeit unsere Flächen auf sich ziehen können.
Gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen?
Wir müssen moralisch schon vertreten können, wofür wir werben. Indizierte
Spiele zum Beispiel sind ein No-go. Und manchmal ist auch einfach das
Timing schlecht. Viva hatte mal eine Kampagne mit einem zweigeteilten
Poster vorgeschlagen: auf der einen Seite ein älterer Mann mit einer Puppe
in der Hand, auf der anderen ein leeres Bett mit einem Kreuz darüber. Just zu
der Zeit kam die Geschichte des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux
ans Licht. Das wäre mir zu viel Gedankenspiel gewesen – wir haben uns für
ein anderes Motiv entschieden.
Was ist der beste Ort für ein gutes Plakat?
Der beste Ort ist dort, wo die größte Chance besteht, die Zielgruppe anzusprechen,
und die kleinsten Streuverluste entstehen. Musikplakate zum
Beispiel hängen bevorzugt zusammen, unter ihresgleichen, fast nie allein.
Würde ein einzelnes Plakat nicht stärker wirken?
Theoretisch schon, aber dann wäre die Ablenkung durch andere Elemente
des Straßenbildes viel größer. So hingegen, als Teil eines großen Ganzen,
wird das einzelne Plakat viel eher wahrgenommen. Hinzu kommt, dass die
Leute sich geballt informieren möchten, statt sich alles mühsam zusammensuchen
zu müssen – allerdings nur so lange, wie es nicht in einer totalen
Reizüberflutung endet. Das ist der große Unterschied zwischen einem
Straßenplakat und dem Angebot im Internet: Während man im Netz von der
Masse an Informationen regelrecht erschlagen wird, weil alles auf einmal
auf einen niedergeht, gelangt man als Passant an einem Bauzaun oder in
einer Unterführung von einem Plakat zum nächsten und hat genügend Zeit
zu rekapitulieren.
Unterführungen, Bauzäune, Straßenränder – Plakate hängen oft an
Orten, die etwas Schmuddeliges an sich haben, an denen man eher
notgedrungen vorbeikommt. Spielt Prestige keine Rolle bei der Außenwerbung?
In der Regel nicht, für Prestige wäre auch selten Platz. Gerade im Zentrum
gehen die Städte sehr restriktiv mit ihren Werbeflächen um: Es gibt immer
weniger Stellen zum Plakatieren, und die verbliebenen werden immer teurer
– auch weil sie plötzlich Extras wie Verglasungen oder Beleuchtungen
aufweisen, die der durchschnittliche Konzertveranstalter für seine Poster gar
nicht braucht. Ab einem gewissen Punkt findet man einfach nicht mehr
genügend Flächen zu vernünftigen Preisen und muss somit auf Bauzäune
GALORE - Das Buch Welter.indd 5 15.06.2009 14:47:47 Uhr
6
Oliver Welter
20.10.2008
oder Unterführungen ausweichen. Gerade die örtlichen Konzertveranstalter
stellt das vor große Probleme, denn ihre Leistung und damit ihr Honorar
wird daran bemessen, wie sich der Vorverkauf gestaltet – und ob Band und
Management am Tag ihres Auftritts Plakate von sich in der Stadt sehen. Ist
das nicht der Fall, wird schnell argumentiert: „Da hing nichts, also zahlen
wir nichts!“ Die Folge ist, dass viele Konzertveranstalter vor allem dafür
sorgen, dass entlang der Zufahrtswege zum Auftrittsort alles mit Plakaten
zugekleistert wird – und sei es wild, also ohne Genehmigung. Da wirkt dann
nichts mehr.
Was wäre ein effektiverer Weg?
Sofern es die Zeit und das Geld zulassen, sollte man die Plakatierung individuell
auf Künstler oder Produkt zuschneiden. Kreativ werden. Mit den
Ärzten hatten wir für ihr Live-Album „Wir wollen nur deine Seele“ gemeinsam
etwas ausbaldowert: Es wurde ausschließlich vor Kirchen plakatiert.
Oder aktuell beim neuen AC/DC-Album: Das Plakat zeigt ihren Gitarristen
Angus Young in Lebensgröße – allerdings nur seine Lockenpracht und die
Teufelshörner; der Rest des Körpers ist ausradiert. Du kannst dich also davor
stellen, Angus’ Pose einnehmen und, wenn du dich dabei fotografieren lässt,
an einem Gewinnspiel teilnehmen. Dabei kamen kuriose Einsendungen
herum. Teilweise haben sich die Leute, mitten im Herbst und auf offener
Straße, halbnackt vor dem Plakat ablichten lassen.
Bis man solche Kampagnen entwickeln kann, hat man wahrscheinlich
einen langen Weg hinter sich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen,
ausgerechnet mit Plakaten Ihr Geld zu verdienen?
Das war kein Vorsatz, sondern eine unausweichliche Entwicklung. (lacht)
Solange ich denken kann, bin ich ein Musikfreak. Schon mit acht Jahren war
ich den Rolling Stones verfallen. Da kommt man irgendwann zwangsläufig
an einen Punkt, an dem man selbst etwas zum Rock’n’Roll beitragen wollte.
Also brauchte ich eine Band. Erst habe ich Gitarre gelernt, dann – mit etwas
größerem Erfolg und bis vor zwei Jahren aktiv – Schlagzeug. Über die eigene
Band lernt man andere Bands kennen, man ist praktisch permanent auf
Konzerten. Die kann man dann einfach besuchen, so wie meisten Leute,
oder aber mit organisieren. Und genau das habe ich getan. Zunächst als
Bühnenhelfer, später zunehmend als Plakatierer. Eine Genehmigung hatte
ich nicht dafür, aber immerhin wurde es ganz gut bezahlt. Das war 1978. Bei
uns in Bonn gab es diesen Club, Rheinterrassen hieß der. Im Monat stiegen
dort durchschnittlich 20 Shows, die beworben werden mussten. Ich hatte
also alle Hände voll zu tun – anfangs allein, später mit der Unterstützung
von Freunden und Bekannten. So habe ich mir allmählich einen Namen als
GALORE - Das Buch Welter.indd 6 15.06.2009 14:47:47 Uhr
7
Oliver Welter
20.10.2008
Bonns führender Wildplakatierer gemacht.
Konflikte mit dem Gesetz haben Sie dabei in Kauf genommen?
Das kann man wohl sagen. Ich habe damals viel Zeit auf Polizeiwachen
verbracht. Bonn war ja noch Bundeshauptstadt, da herrschte ein besonders
strenges Klima. Beschlagnahmungen, Komplettdurchsuchungen – ich habe
kaum etwas ausgelassen. Über die Jahre wurde es dann aber entspannter. Bei
der Polizei war man inzwischen bekannt und... ich möchte nicht sagen
geschätzt – aber es kam durchaus vor, dass man dem einen oder anderen
Beamten einfach ein Plakat oder Konzertticket abgab, und damit war die
Sache erledigt. Was sich hingegen lange Zeit nicht besserte, war das Verhältnis
zu anderen Plakatierern. Wir haben große Kriege geführt.
Kriege?
So muss man das wohl nennen. Besonders schlimm war es mit meinem
größten Konkurrenten. Fünf Jahre lang haben wir uns ohne Unterbrechung
bekämpft, 365 Tage im Jahr, inklusive Heiligabend und Silvester. Fünf Jahre
führte man ständig einen Baseballschläger mit sich; fünf Jahre kam man auf
immer neue Ideen, um den anderen zu sabotieren: Man legte sich auf die
Lauer, während die Konkurrenz plakatierte, und kaum war sie weitergezogen,
riss man die frisch geklebten Plakate wieder herunter. Man schlich sich,
während sie gerade zugange waren, zu ihrem Auto und kippte einen Eimer
Kleister über die Plakate im Kofferraum. Man mengte Scherben unter seinen
eigenen Kleister, brachte damit die Plakate an und hoffte, dass sich die
anderen beim Überkleben die Hände aufreißen würden. Oder auch sehr
beliebt: gezielt die Plakate jeweils der Band zu zerstören, die gerade in die
Stadt kam. Musiker und Management suchten dann vergeblich nach
Werbung für ihre Show, und das gab, wie schon erwähnt, hinterher bei der
Abrechnung ein großes Theater.
Haben Sie irgendwann Frieden geschlossen?
Ostermontag 1985 haben sich besagter Konkurrent und ich vor einem
Bonner Bauzaun getroffen und einen Waffenstillstand vereinbart. Er sagte,
er sei müde und zermürbt – was ich übrigens auch war, doch er hat es zuerst
gesagt. Das kam einer Kapitulation gleich, und ich war froh, dass es endlich
vorbei war. Die Aussicht, beim Plakatieren wieder allein auf weiter Flur zu
sein, war einer der beiden Gründe, warum ich mich dazu entschloss, meinen
Job zu einem professionellen Beruf zu machen. Dazu kam die rechtliche
Grundlage, die ich jetzt hatte: Mit einem städtischen Außenwerbungsunternehmen
hatte ich einen Vertrag abgeschlossen, der mir Rechte zusicherte,
die weit und breit kein anderer Plakatierer genoss: Ich durfte auf öffentlichem
Grund und Boden kleben.
GALORE - Das Buch Welter.indd 7 15.06.2009 14:47:47 Uhr
8
Oliver Welter
20.10.2008
Welche Vorteile versprach sich die Stadt davon?
Nun, ich hatte sie davon überzeugt, dass es mehr bringen würde, mich zu
integrieren statt zu bekämpfen. Auf diese Art würden sie einerseits Überblick
und Kontrolle über mein Tun erlangen, andererseits einen Ansprechpartner
in der Szene haben. So habe ich meinen Beruf legitimiert – indem
ich begann, eng und enger mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Das ging so
weit, dass ich und mein Team vor Staatsbesuchen in den Bannmeilen Bonns
patrouillierten, um sie von politischen Plakaten freizuhalten.
1994 stiegen Sie bei TownTalker ein. Wie kam das?
Mit 30 Jahren gelangte ich an einen Punkt, an dem ich keine Perspektive
mehr im klassischen Konzertveranstaltungsgeschäft, wie ich es bis dato
ausgeübt hatte, sah. Auf dem Markt hatte sich eine regelrechte Billig-Mentalität
durchgesetzt – Masse statt Klasse. Also fokussierte ich mich neu und
bekam bald das Angebot, TownTalker zu leiten. Das wollte ich machen! Es
hatte Zukunft, man konnte etwas aufbauen: Know-how und Vertrauen zu
Beispiel. Im Konzertsektor fängst du praktisch mit jeder Band, mit jeder
Show von vorne an. Hier dagegen bauen Verträge aufeinander auf, es
existiert eine ganz andere Form der Kundenbindung. Wir arbeiten professioneller
– und kreativer. Erst neulich haben wir das Konzept „TownInside“
entwickelt, als Ergänzung bewährter Werbeträger wie Bauzaun- oder
Großflächen-Plakatierungen: Wir nutzen die Fenster leerer Ladenlokale, um
dahinter zu plakatieren oder lebendige Schaufenster zu kreieren.
Das klingt nicht nur kreativ, sondern auch diebstahlsicher. Werden Sie
eigentlich oft überklebt?
Nein, und wenn, dann meist nur einmalig. Das Überkleben unserer Plakate ist
mit einer Verwarnung verbunden, die wiederum juristisch untermauert ist.
Bringt Sie das nicht in Gewissenskonflikte, wo Sie doch selbst als
Wildplakatierer in den Beruf gefunden haben?
Es würde mich in Gewissenskonflikte bringen, wenn wir sofort zu drastischen
Strafen griffen. Das tun wir aber nicht. Wer uns überklebt, erhält in
aller Regel ein Schreiben mit dem Hinweis: „Zukünftig ist das zu unterlassen!“
Dabei bleibt es dann meist auch. Hinzu kommt, dass wir in den 14
Tagen, die unsere Plakate durchschnittlich aushängen, mehrfach kontrollieren
und sie, falls nötig, erneuern. Das liegt ja auch in der Natur des Bauzauns:
Der wird versetzt, weil zum Beispiel eine Betonlieferung ansteht, danach
falsch herum zusammengesetzt, und plötzlich befindet sich unser Plakat
nicht auf der Außen-, sondern Innenseite, wo nur die Bauarbeiter was davon
haben. Oder es steht außen, aber auf dem Kopf – alles schon passiert. (lacht)
Macht es für Sie einen Unterschied, für wen Sie gerade werben?
GALORE - Das Buch Welter.indd 8 15.06.2009 14:47:47 Uhr
9
Oliver Welter, Jahrgang
1963, wuchs im heutigen
Bonner Stadtteil Bad
Godesberg auf und infizierte
sich früh mit dem
Rock’n’Roll. Er spielte in
lokalen Bands, arbeitete
als Stagehand für diverse
Bonner Clubs und wurde
darüber hinaus bald
berüchtigt für seinen
unermüdlichen Einsatz
als Plakatierer. Mit 17
machte er sich selbständig
und engagierte sich mit
einem Freund in einer
zwischenzeitlich florierenden
Konzertagentur.
1994 übernahm er die
Leitung von TownTalker in
Düsseldorf (inzwischen
Köln). Heute beschäftigt
die Firma deutschlandweit
100 Mitarbeiter und
erwirtschaftet Millionengewinne.
Zu ihren Aktionären
zählt Welter trotzdem
nicht: „Das gibt mir die
Freiheit, die richtigen
Entscheidungen für das
Unternehmen zu treffen,
ohne dass sie von meiner
persönlichen finanziellen
Lage beeinflusst würden.“
Oliver Welter ist geschieden
und hat drei Kinder. Er
lebt in Bad Godesberg.
Kaum. Ob man für Konzerte, Plattenfirmen, Filmverleiher, Zeitschriften oder Zur Person
Spielkonsolen wirbt, ob für Apple, Converse oder Levi’s – der einzige Weg,
seine Arbeit gut zu machen, ist zu wissen, wer seine Kunden sind. Zu
begreifen, worauf sie mit ihrer Kampagne hinauswollen und wie ihre
Zielgruppe tickt. Ich höre nicht jede CD, ich spiele nicht jedes Spiel, das wir
bewerben; dafür fehlt die Zeit. Aber ich bin viel unterwegs, ich gehe auf viele
Konzerte – sehr zum Leidwesen meiner Ex-Frauen. Und zur Verärgerung
meiner Kinder: Die regen sich nämlich immer wieder auf, wenn ich schon
alles kenne, was sie neu anschleppen. (lacht)
Können Sie schätzen, wie viele Plakate in Ihrem Leben durch Ihre
Hände gegangen sind?
Nein, aber ich habe sie alle archiviert. Sowohl die, mit denen ich beruflich zu
tun habe – hier bei TownTalker sind das bis zu 800 pro Jahr –, als auch die,
die ich privat kaufe oder tausche. Meine Sammlung daheim mag es auf eine
halbe Million Plakate bringen, aber ich habe bereits begonnen, mich von
Stücken zu trennen. Ich verschenke sie oder gebe sie an Museen weiter. Ich
wüsste sonst gar nicht mehr, wohin damit.
Welches ist Ihr Lieblingsplakat?
Mit das tollste ist sicherlich das Rolling Stones-Tourplakat zum ’76er-Konzert
im englischen Knebworth. Es ist nämlich rund! So etwas sieht man – zumal
in Deutschland, wo das Papier, die Maschinen, einfach alles der Industrienorm
folgen – sehr selten.
Wo die Stones Sie fast Ihr ganzes Leben lang begleiten: War es Ihr
Traum, einmal mit ihnen zusammenzuarbeiten?
Überhaupt nicht, ich habe mich sogar lange Zeit dagegen gewehrt. Ich
wollte mir nicht meinen eigenen Mythos dadurch zerstören, dass sich die
Band am Ende als uncool erweisen könnte. Bei ihrer letzten Tour habe ich
mir aber doch einen Ruck gegeben, mir von Kollegen Mut zusprechen lassen
und sie im Rahmen einer Kampagne getroffen. Und was soll ich sagen: Super
war’s! Es ist am Ende ja doch so, dass die meisten Künstler viel zugänglicher
sind, als man vermuten mag. Auch deswegen suchen wir bei TownTalker die
Nähe zu den Musikern, wann immer möglich und wo immer erwünscht.
Herbert Grönemeyer hat seine Buchungen damals persönlich bei uns
gemacht, und die Toten Hosen hatten in unserem Lager ihr Studio und ihren
Proberaum – bis wir vor drei Jahren von Düsseldorf nach Köln gezogen sind.
Da wollten sie dann doch nicht mit. (lacht) :::
GALORE - Das Buch Welter.indd 9 15.06.2009 14:47:47 Uhr

 

Hobbys

Oliver Welter arbeitet hier:

Noch kein Kopf?

Sie arbeiten in der Medienbranche und sind nicht in kressköpfe vertreten? Das müssen Sie schnell ändern — geht ganz einfach: