Neues von Gabor Steingart: Die CDU steigt aus der Kernkraft aus, Grüne fordern ein Afrika-Korps für Libyen, ein Bahnhofsbau wird zur Schicksalsfrage – Tempora mutantur, und das so schnell wie nie zuvor. Gabor Steingart, früher Hauptstadtbüro-Leiter, dann Korrespondent in Washington für den „Spiegel“, inzwischen „Handelsblatt“-Chefredakteur, hat diesen schönen Essay darüber geschrieben, wie der Gesellschaft ihre traditionellen Regeln und Gewissheiten abhanden kommen – sich dafür aber ganz neue Freiheiten eröffnen. Und er macht das mit den für ihn typischen hübschen Formulierungen und Vergleichen. Ein Beispiel: Menschen bleiben ihrer Automarke heute im Durchschnitt länger treu (18 Jahre) als ihrem Ehepartner (14 Jahre). Auch diese Beobachtung ist es wert, zitiert zu werden: „Einst besaßen Matrosen, Prostituierte und Gefängnisinsassen eine Tätowierung, aber nicht die Frau des Bundespräsidenten. (…) Das Tattoo der alten Schule zierte den Arm und nicht den Po. So betrunken konnte kein Seemann sein.”
l Epochenanalyse mit wenig Missionarsabsichten
Piper , 16,95 Euro, 184 Seiten