"Mannheimer Morgen"-Chefredakteur Dirk Lübke zu Petry-Vorwürfen im MDR: "Lächerlich und widerwärtig"

 

Hat der "Mannheimer Morgen" der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry Worte in den Mund gelegt? Sie sei zu ihrer umstrittenen Aussage über den möglichen Gebrauch von Schusswaffen an der Grenze im Interview getrieben worden. Chefredakteur Dirk Lübke hält dagegen.

Dem "Mannheimer Morgen" hatte Petry gesagt, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte verhindern und "notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen". Dem MDR sagte Petry nun: "Keiner will schießen - gerade jemand wie ich nicht, der hinter Mauern und Stacheldraht aufgewachsen ist". Und sie fügte hinzu: "Wir erleben in den Medien das, was so häufig passiert: Dass der Kontext dessen, was gesagt wird, sträflich missachtet wird und dass sich dann die politische Konkurrenz auf verkürzte Zitate wirft."

Nachfrage bei Dirk Lübke, Chefredakteur vom "Mannheimer Morgen". Haben Sie Frauke Petry Worte in den Mund gelegt, Sie dazu getrieben, diese Aussage zu machen, sie vielleicht sogar zu ihrer Aussage gezwungen?

Klartext aus Mannheim in Richtung AfD: "Was ist daran nötigend, wenn Frauke Petry uns selber das Interview angeboten hat, sie und ihr Sprecher jedes Wort zur Autorisierung vorgelegt bekommen haben, jedes Wort und jeden Satz mehrmals gelesen und schließlich zur Veröffentlichung freigegeben haben? Die perfide Tabu-Brecherin Petry stilisiert sich gerade zum kleinen, ahnungslosen Mädchen, was nicht wusste, was es gesagt hat", so Dirk Lübke zu kress.de.

Der erfahrene Journalist macht klar: "Der Mannheimer Morgen hat nach den professionellsten Regeln und fairsten Bedingungen ein Interview wie Tausende vorher geführt. Es ist lächerlich und widerwärtig zugleich, wenn AfD-Spitzen sich zum Volkssport machen, menschenverachtende und erniedrigende Thesen in die Welt zu setzen - und es hinterher doch nicht ganz so gemeint haben wollen. Damit zersetzt die AfD-Vorsitzende willkürlich Demokratie, Politik, Parlamente und die Verlässlichkeit des geschriebenen und gesprochenen Wortes."

Dirk Lübke: "Die einzige Nötigung im Zusammenhang mit diesem Interview ist, dass Frau Petry mich zwingt, das bei Ihnen auf kress.de auch noch erklären zu müssen."

Hintergrund "Mannheimer Morgen"

Der "Mannheimer Morgen", gegründet 1946, gehört zur Mediengruppe Dr. Haas GmbH (Geschäftsführer: Björn Jansen, Jörg Röver) - wie der "Bergsträßer Anzeiger", der "Südhessen Morgen", die "Schwetzinger/Hockenheimer Tageszeitung" und die "Fränkischen Nachrichten". Chefredakteur ist Dirk Lübke, stellvertretende Chefredakteurin Melanie Ahlemeier; als Chef vom Dienst gehört zudem Irmgard Piorkowski-Wühr der Chefredaktion an. Die Gruppe hält zudem Beteiligungen an privaten Radiosendern und betreibt mehrere Nachrichtenportale.

Ihre Kommentare
Kopf

Jens Spahn

02.02.2016
!

Sorry, wenn ich mir die Berichterstattung rund um die AFD anschaue liegt die Vermutung nahe das Petry hier in die Ecke gestellt wurde. Anscheinend wird es von den Journalisten überhaupt nicht mehr wahrgenommen wenn sie selbst die AFD mit Attributen wie: geistige Brandstifter, brauner Bodensatz, rechtsradikal, abscheulich, keine normalen Menschen, Pack, Ratten usw. betiteln.
Vor wenigen Wochen wurde auf einen Mann scharf geschossen der AFD Plakate aufhing. Wer zündelt hier?


i. oppel

02.02.2016
!

Du meine Güte. Sobald sich linksorientierte Journalisten mit der AfD befassen, senken sich die ideologischen Scheuklappen und ihre journalistische Objektivitätspflicht geht den Bach runter. Diese künstlich herbeigeführte Hysterie um das Aussprechen einer Gesetzeslage, die es so überall auf der Welt in ähnlicher Form zur Grenzsicherung gibt, soll doch nur vom eigentlichen Übel ablenken. Nämlich dem Totalversagen der Regierung in der Einwanderungspolitik und dem Verlust der Staatsgewalt.


TschiTschi

02.02.2016
!

Jens Spahn und I. Opel - Sie wissen schon was es heißt, ein Interview zu autorisieren?


Hart Mut

02.02.2016
!

Zur Veröffentlichung freigegeben - ja; aber darin wurde das Wort Schießbefehl nicht von Frau Petry ausgesprochen. Das hat erst der Chefredakteur Herr Lübke ins Spiel gebracht!
Dieses Äußerung Frau Petry zu unterstellen ist eine Diffamierung ihrer Person. Jeder kann ihre Äußerung nachlesen: "Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt."


Mannheimer44

03.02.2016
!

Seit Jahren kann ich Woche für Woche die völlig einseitigen Links Kommentare des Herrn Serif (Interviewer) im MM lesen, deshalb fällt es mir nicht schwer zu Glauben das er das Gespräch absichtlich in diese Richtung getrieben hat!


Krissian

03.02.2016
!

So stelle ich mir Qualitätsjournalismus vor - anno 1933:

"Die perfide Tabu-Brecherin Petry stilisiert sich gerade zum kleinen, ahnungslosen Mädchen, was nicht wusste, was es gesagt hat."


Angelika G.

03.02.2016
!

Wenn Frau Petry auf die Frage "Wie soll ein Grenzpolizist in diesem Fall reagieren?" antwortet: "Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.", dann interessiert es mich tatsächlich, was die AfD in letzter Konsequenz bereit ist, zu tun, um die Forderung "Grenzen dicht machen", durchzusetzen. Das ist für mich kein "in die Ecke treiben", sondern lediglich konsequent nachgefragt.


Hwk

03.02.2016
!

Wenn Petry sich selbst für ein Interview anbietet, kann sie davon ausgehen, das Journalisten ( und das ist ihr Job ) nachfragen. Sie ist Parteivorsitzende u Fraktionsvorsitzende in einem deut. Parlament, ich muss davon ausgehen, das sie ganz genau weiss was sie tut dafür ist sie zu kalkuliert, Dieses immer wieder zurückziehen, kennt man ja auch von Höcke, der bei seinen Reden grundsätzlich abliest - es kann also nicht zu Irrtümern kommen.Geht der Verlag rechtlich gegen Petrys Vorwürfe vor?


Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

03.02.2016
!

Gewiss handelt es sich beim Kommentator "Jens Spahn" nicht um DEN Jens Spahn.

Dass hier die AfD-Schönredner aufkreuzen würden, war klar. Was Petry sagt: Wir wollen nicht schießen (wer macht sich gerne die Hände blutig?), ABER...
Dann kommt sie auf die angebliche Ultima ratio, die "letzte Vernunft", also eine unvermeidliche Konsequenz, die ein verständiger Mensch hinnehmen muss, egal was er selbst gefühlsmäßig für richtig hält. Kann man nur so lesen: Schießen muss leider sein. I'm SO sorry.


Gerechtigkeit und Unabhängig

05.02.2016
!

Wo kann man das vollständige Interview nachlesen.
Wenn das je so ist wie beschrieben, warum wird dies in den Medien nicht kommuniziert.


W. Kraus

05.02.2016
!

Hat jemand von Ihnen die entscheidenden Sätze in dem Gesetz über den unmittelbaren Zwang bei Ausübung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Bundes (UZwG) gelesen?
Von dem Mainstream der Politiker und Journalisten kann man so etwas heutzutage leider nicht mehr erwarten. Die Meute fällt lieber über einzelne Personen her und schreibt voneinander ab.
Deshalb mein Versuch, Sie zu informieren. Machen Sie sich bitte die Mühe und lesen Sie die §§ 11 und 12 des Gesetzestextes.


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