Die neue digitale Zeitung der "Frankfurter Allgemeinen": "FAZ plus" im kress-Check

 

Die "Frankfurter Allgemeine" um Digitalchef Mathias Müller von Blumencron  bietet seit Ende Januar eine zusätzliche multimediale Variante zum klassischen E-Paper. kress.de hat "FAZ plus" unter die Lupe genommen: Was uns gefällt, was nicht, und wie sich "FAZ plus" im Vergleich mit der "SZ"-Konkurrenz schlägt.

Was bekommt man?

Eine "FAZ" in modern und sogar ziemlich chic. Mit allem, was man neudeutsch state of the art nennt. Videos natürlich ganz massiv, daneben aber auch alles, was man in eine multimediale App so packen kann. Bei der "FAZ" nennen sie das irgendwie modern und denken dabei vor allem an das jüngere Publikum, das erstens seine klugen Köpfe lieber hinter ein Smartphone als eine Zeitung steckt. Und das zweitens Blei- und Textwüsten nicht wirklich sexy findet, dennoch aber auch auf dem Smartphone gute, anspruchsvolle Texte lesen will. Allerdings: Es gibt eben "nur" die tagesaktuelle, angereicherte "FAZ". Das ist natürlich in Ordnung so, aber man könnte den Titel "FAZ plus" ja auch irgendwie anders verstehen. Auf der anderen Seite: Die "FAZ" nennt das Ding selbst die "neue digitale Zeitung". Und so muss man das wohl auch sehen. Eine Zeitung in hübsch.

Wie funktioniert das?

Die App "FAZ plus" gibt es kostenlos in den entsprechenden App-Stores. Gekauft wird dann "In-App". Möglich sind dabei sowohl Einzelkäufe als auch Abos. Die Einzelausgabe kostet 1,99 Euro. Für ein Wochenabo werden 10,99 Euro fällig, für ein Monatsabo 39,90 Euro. Print-Abonnenten zahlen nochmal zusätzlich 10 Euro. Verfügbar ist die aktuelle Ausgabe jeweils ab ca. 20 Uhr des Vorabends. Zum Vergleich: Die "Süddeutsche Zeitung" ist im Monatsabo rund 10 Euro billiger. Gemessen daran, dass es sich ja in der Tat "nur" um eine gepimpte Ausgabe der Zeitung handelt, darf man die "FAZ" also sicher hochpreisig nennen. Dass die "FAZ" eine Zielgruppe hat, die nicht auf den Euro schauen muss, darf man voraussetzen. Ob dieses potentiell hochmobile, digitalaffine und bestens informierte Publikum monatlich 40 Euro für eine Smartphone-"FAZ" hinlegt, kann man trotzdem mal leise in Zweifel ziehen.

Was ist gut, was ist nicht ganz so gut?

Übersichtliche, gute Navigation, klares, ansprechendes Layout, scrollen statt wischen - die "FAZ" hat vieles richtig gemacht. Man merkt: Sie meinen es ernst mit der jüngeren Zielgruppe, die App hat mit der oberstudienratfreundlichen Anmutung der Zeitung nicht sehr viel zu tun. Einschränkungen: Dass die App nicht im Querformat funktioniert, ist ein echter Wermutstropfen und auch nach mehrfachem Drübernachdenken nicht nachvollziehbar. Ebenfalls etwas störend: Man bekommt zwar als Käufer/Abonnent von "FAZ plus" auch das E-Paper dazu, kann das aber nur in einer eigenen App lesen. Komischer Gedanke. Auf der anderen Seite: Wer wühlt sich auf dem Smartphone schon durch ein dröges E-Paper, wenn er ein multimediales Magazin bekommen kann? Insofern: eine halbwegs lässliche Sünde.

"SZ plus" oder "FAZ plus"?

Der Vergleich kann sich naturgemäß am ehesten auf Äußerlichkeiten beziehen - überzeugte Leser des einen werden vermutlich kaum wegen einer App zum anderen wechseln. Den optisch ansprechenderen Eindruck macht die "FAZ", bei der smartphonegerechten Navigation gewinnt ebenfalls die "FAZ". Sie setzt sicher keine neuen Maßstäbe, ist aber eben so, wie eine zeitgemäße App eben aussehen muss. Für die "SZ" wäre das übrigens eine schöne Gelegenheit, die eigene App mal gründlich zu überarbeiten. Gemessen an der "FAZ" sieht sie dann eben doch ziemlich alt, etwas angestaubt und reichlich bieder aus. Aber gut, wer "SZ" liest, hat das vermutlich schon immer trotz und nicht wegen der Optik gemacht.

Eine kurze Bilanz

Alles ist relativ. Natürlich ist die App, die die "FAZ" mit Unterstützung von Jung von Matt und AGFA Grahips entwickelte, einigermaßen gelungen. Dass es allerdings Januar 2016 (!) wurde, bis man so etwas auf den Markt brachte, zeigt, dass man sich zwar mit Mathias Müller von Blumencron endlich eine ausgewiesene Online-Koryphäe an Bord holte, die Uhren in Frankfurt aber trotzdem noch immer, nunja, gemächlich ticken.

Ihre Kommentare
Kopf
Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

04.02.2016
!

Sehr treffend: "Aber gut, wer "SZ" liest, hat das vermutlich schon immer trotz und nicht wegen der Optik gemacht."
Also, liebe SZ: Mich ärgert, dass in der App nicht alle Printtexte stehen. Außerdem nerven die Ladezeiten und dass man nicht einstellen kann, dass alle heruntergeladen Ausgaben lokal gespeichert bleiben. Man muss das für jeden Tag einzeln anklicken. Eine Volltextsuche in den archivierten Ausgaben fehlt ebenfalls. Ich brauche also leider immer noch das Epaper. Gut wäre Push-Download.


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