Interne Anweisung von AfD-Chefin Frauke Petry legt Medienstrategie offen: "Provokante Aussagen unerlässlich, sie sorgen für notwendige Aufmerksamkeit"

 

Im Aufwind befindet sich nach der Kommunalwahl in Hessen die rechts-populistische "Alternative für Deutschland". In einer Nachricht an ihre Parteifreunde, die kress.de vorliegt, legt Parteichefin Frauke Petry erstmals ihre Medienstrategie offen. Provozieren um jeden Preis, um in den Medien vorzukommen.

Wir erinnern uns - es war Frauke Petry, die dem "Mannheimer Morgen" gesagt hatte, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte verhindern und "notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen". Dem MDR sagte Petry im Anschluss: "Keiner will schießen - gerade jemand wie ich nicht, der hinter Mauern und Stacheldraht aufgewachsen ist". Und sie fügte hinzu: "Wir erleben in den Medien das, was so häufig passiert: Dass der Kontext dessen, was gesagt wird, sträflich missachtet wird und dass sich dann die politische Konkurrenz auf verkürzte Zitate wirft."

"MM"-Chefredakteur Dirk Lübke wehrte sich im kress.de-Interview gegen Petrys Vorhaltungen: "Der Mannheimer Morgen hat nach den professionellsten Regeln und fairsten Bedingungen ein Interview wie Tausende vorher geführt. Es ist lächerlich und widerwärtig zugleich, wenn AfD-Spitzen sich zum Volkssport machen, menschenverachtende und erniedrigende Thesen in die Welt zu setzen - und es hinterher doch nicht ganz so gemeint haben wollen. Damit zersetzt die AfD-Vorsitzende willkürlich Demokratie, Politik, Parlamente und die Verlässlichkeit des geschriebenen und gesprochenen Wortes."

Im Anschluss machte die "Rhein-Zeitung" Frauke Petrys falsches Spiel öffentlich. "RZ"-Chefredakteur Christian Lindner und Redakteur Hartmut Wagner warfen Petry ein "gespaltenes Verhältnis zur Wahrheit" vor. Dass es der Alternative für Deutschland (AfD) um die "Wahrheit" geht, wird zwar immer wieder versprochen, aber - wie vielfach dokumentiert - nimmt diese Partei es mit der Wahrheit nicht so genau.

Wie die doppelbödige Medienstrategie der AfD in der Praxis aussieht, hat die Parteisprecherin Petry heute in einer internen Mail an die Mitglieder kommuniziert: "In vielen Wahlkampfveranstaltungen werde ich immer wieder von Mitgliedern und Sympathisanten gefragt, warum es zwischen der veröffentlichten Meinung zur AfD und unserem Auftreten bei Vorträgen und an Informationsständen Diskrepanzen gebe und ob es nicht ohne verbale Provokation einfacher wäre beim Bürger anzukommen. Diese Fragen nehme ich persönlich sehr ernst und möchte wie folgt antworten: In einer auf Zuspitzungen und Verkürzungen angelegten Medienlandschaft gehen differenzierte und sachlich formulierte Aussagen leicht unter. Dies trifft umso mehr zu, wenn der Platz, den uns die "Noch-Inhaber" politischer Mehrheiten in diesen Medien zugestehen, nach wie vor limitiert ist. Um sich medial Gehör zu verschaffen, sind daher pointierte, teilweise provokante Aussagen unerlässlich. Sie erst räumen uns die notwendige Aufmerksamkeit und das mediale Zeitfenster ein, um uns in Folge sachkundig und ausführlicher darzustellen. Oder um es mit Konrad Adenauer zu sagen: "Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernstgenommen."

Die Mail wurde am 7. März 2016 um 00:42:08 MEZ mit dem Betreff: "Glückwunsch nach Hessen und "Weiter geht's" an die "lieben Mitglieder und Förderer" verschickt. In der Nachricht verkündet Petry unter anderem auch, dass sie am kommenden Sonntag, 13. März 2016, an der Maybrit Illner-Sendung um 22.15 Uhr in Berlin teilnehmen werde. Thema dann - das Wahlergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

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