Über den virtuellen Bauernhöfen von "Farmville" ziehen dunkle Wolken auf: Verbraucherschützer bemängeln die Daten-Gier beim "Farmville"-Anbieter Zynga. Bei ersten Nutzern soll es zudem zu unerlaubten Kontobelastungen gekommen sein; dubiose Abo-Attacken seitens einiger Zynga-Werbepartner hatten erst im Herbst in den USA eine Sammelklage provoziert.
Beim an sich kostenlosen Online-Spiel "Farmville", das sich seit Monaten seuchenartig über Facebook verbreitet, bewirtschaften die Nutzer einen Bauernhof, mit viel Liebe, Geduld und Fleiß. Eine kleine Real-Investition - etwa in ein neues Bauernhaus oder einen flotten Trecker - lässt das Gehöft allerdings deutlich schneller gedeihen. Abgerechnet werden die virtuellen Güter per Kreditkarte oder via Internet-Bezahldienst PayPal - die Nutzerdaten gibt's für Zynga frei Haus. Laut dpa soll es bei einigen Spielern zu unautorisierten Kontobewegungen gekommen sein. Zynga schweigt offenbar auf dpa-Nachfrage.
Mit dem Verkauf virtueller Güter verdient sich Zynga dabei hübsche Sümmchen: Einnahmen, auch aus anderen Spielen wie dem ebenfalls beliebten "Mafia Wars" oder "Fishville", sollen nach Schätzungen rund 250 Mio US-Dollar jährlich in die Zynga-Kassen spülen - Tendenz steigend.
Um zur heilen "Farmville"-Welt Zugang zu erhalten, müssen die Nutzer Zynga zudem Zugriff auf Profilbilder, Freundeslisten und zahlreiche persönliche Informationen gestatten, die sie bei Facebook eingestellt haben.
"Die Datenschutzerklärung ist teilweise sehr vage und der Anbieter behält sich vor, so gut wie alles abzurufen", sagt Henry Krasemann vom Unabhängigen Kandeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein gegenüber der dpa. Krasemann hält Zyngas Daten-Sammelwut, aus Quellen wie Zeitungen, Blogs, Kurznachrichten und den Zynga-Spielen, nach deutschem Recht zumindest für fragwürdig - ebenso die permanente Speicherung der Daten, die eine gezielte Werbeansprache ermöglichen.
Im Herbst vergangenen Jahres hatten die dubiosen Praktiken einiger Werbepartner Zyngas eine Sammelklage gegen Facebook und Zynga heraufbeschworen. Im Austausch für virtuelle Guthaben hatten die Werber versucht, den Online-Spielern etwa reale Handy-Abos anzudrehen. Temporär hatte Facebook das Spiel "Fishville" daher vom Netz genommen. Zynga will dem Treiben aber mittlerweile ein Ende bereitet haben.
"Farmville" eint als erfolgreichstes Zynga-Produkt derzeit annähernd 75 Mio Bauern-Fans über Facebook. Im Dezember steckte der russische Internet-Finanzier DST (ist auch an Facebook beteiligt) rund 180 Mio US-Dollar in das Unternehmen (kress.de vom 18. Dezember 2009). Zynga-Wettbewerber Playfish ("Gangster City") war jüngst vom angeschlagenen Spieleriesen Electronic Arts geschluckt worden - für satte 275 Mio US-Dollar, Nebenkosten und erfolgsabhängige Bonussummen noch nicht eingerechnet. Offenbar war EA auch an Zynga interessiert - doch das junge Unternehmen ist mittlerweile schlicht zu wertvoll.
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