Facebook und Zynga machen mit virtuellen Schweinchen und digitalem Saatgut den großen Reibach: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Mücke Sturm & Company erwirtschaften beteiligte Unternehmen mit dem Verkauf virtueller Güter rund 680 Mio Euro im laufenden Jahr. Binnen der kommenden fünf Jahre könne das Potenzial auf rund 3,9 Mrd Euro Umsatz wachsen.
Das Prinzip heißt "Freemium": Die Masse der User spielt kostenlos, aber eine kleine Gruppe von Ehrgeizlingen versucht schneller als andere nach vorne zu kommen - und ist daher bereit für ergänzende Premium-Inhalte ("Items") zu bezahlen. "Dieses Item Selling ist das Herzstück der Monetarisierung von Social Games", sagt Achim Himmelreich, Manager bei Mücke Sturm & Company.
Bei einer konservativen Schätzung geht die Beratung von 2% aller Social Gamer aus, die zahlungbereit sind. Das Potenzial ist immens; allein für den Social-Games-Gassenfeger "Farmville" werden mehr als 72 Mio Nutzer weltweit kolportiert.
Das Geld wandert hauptsächlich in die Kassen der Spielehersteller wie Zynga ("Farmville", "Mafia Wars"), Playdom ("Mobsters") oder Playfish ("Restaurant City","Gangster City"), das im November vom Games-Riesen Electronic Arts für geschätzte 300 Mio US-Dollar übernommen wurde. Daneben verdienen die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook und MySpace. Der deutsche Wettbewerber VZ Netzwerke (studiVZ, meinVZ, schülerVZ) steigt nur langsam ins App-/Social Gaming-Geschäft ein (kress.de vom 4. März 2010).
An den Erlösen partizipieren allerdings auch die Anbieter von Bezahlsystemen, also Kreditkartenunternehmen oder PayPal, über das Facebook neuerdings seine Transaktionen abwickeln lässt (kress.de vom 18. Februar 2010) - ihnen fällt je nach Spiel ein Anteil zwischen 3% und 20% zu. Profiteure sind zudem Werbekunden, die via In-Game-Werbung ihre Botschaften in den Spielen platzieren können oder diese eben direkt selbst anbieten.
Laut Mücke Sturm und Company verzeichnet die Social-Gaming-Szene derzeit Wachstumsraten von bis zu 35%. Daher werde die Wettbewerbssitatuion mit neuen Anbietern zunehmen. Zudem rechnet die Beratung damit, dass sich sukzessive Plattformen für Dritt-Entwickler öffnen werden und Social Gaming sich zunehmend auch auf Mobil- und weitere Onlineportal ausweiten wird.
Immer wieder gerät die Branche rund um Shooting-Star Zynga ob ihres Datenhungers auch in die Kritik: Im vergangenen Jahr gelangten private Daten der Spieler in fremde Hände, auch dank der laxen Datenschutzauffassung von Daten-Gastgeber Facebook (kress.de vom 1. Februar 2010). In Deutschland gelten strengere Vorschriften, denen sich Facebook aber nicht zu unterwerfen braucht. Sie schützen die Nutzer, bremsen allerdings auch das Tempo von deutschen Marktteilnehmern wie studiVZ im Umgang mit Drittanbietern wie Zynga.
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