Neuer Vermarktungsverbund in Baden-Württemberg: Lokale und regionale Zeitungsverlage gründen Regio Smart

 

In der südwestdeutschen Zeitungslandschaft wächst ein neues Pflänzchen: Zehn kleine und mittelgroße Verlage aus Baden-Württemberg haben nach kress.de-Infos Mitte Februar den Verein Regio Smart mit Sitz in Ulm gegründet. Ziel ist gemeinsames Marketing und gemeinsame Vermarktung. Die Federführung liegt bei den Verlagen der "Südwest-Presse" (Ulm) und der "Schwäbischen Zeitung" (Ravensburg) bzw. deren Geschäftsführern Thomas Brackvogel und Kurt Sabathil.

Brackvogel bestätigte das Vorhaben auf Anfrage von kress.de. Zum Regio-Smart-Kreis gehören neben den Verlagen aus Ulm und Ravensburg die "Badische Zeitung" (Freiburg), die "Rhein-Neckar-Zeitung" (Heidelberg), der "Reutlinger General-Anzeiger", die "Heilbronner Stimme", die "Pforzheimer Zeitung" und die "Badischen Neuesten Nachrichten" (Karlsruhe). Zusammen kommen sie auf eine Auflage von knapp einer Million verkauften Exemplaren.

Noch im ersten Halbjahr 2017 wollen die beteiligten Verlage laut Brackvogel Produkte entwickeln und auf potenzielle Werbekunden zugehen. Gedacht ist an Crossmedia-Pakete, die neben Zeitungsanzeigen etwa auch Bewegtbildwerbung auf den Websites der beteiligten Verlage oder Prospekte umfassen können. Die Regio-Smart-Verlage wollen zudem ihre Stärken als Werbeträger kommunizieren, gemeinsam Marktforschung betreiben und Instrumente für die Werbeerfolgskontrolle entwickeln.

Brackvogel betont, dass Regio Smart keine Konkurrenz zum nationalen Zeitungsvermarkter Score Media Group sein soll, der im vergangenen Jahr unter Schmerzen entstanden ist (kress.de vom 23. Februar 2016). Der Geschäftsführer der "Südwest-Presse" gibt sich offen für eine Kooperation mit Score Media. "Südwest-Presse", "Schwäbische Zeitung" und "Badische Zeitung" sind dem Groß-Vermarkter zwar ferngeblieben, doch prinzipiell können Regio-Smart-Verlage sich parallel auch über Score Media vermarkten lassen. So handhabt es schon die "Heilbronner Stimme".

Anders als Score Media hätten die baden-württembergischen Verlage es nicht auf national agierende Werbekunden abgesehen, sondern wollten durch ihre Zusammenarbeit das lokale und regionale Anzeigengeschäft stärken, sagt Brackvogel. Kunden in spe seien etwa "Mittelständler aus Baden-Württemberg, die ihren zentralen Markt bei uns sehen".

In Kreisen der Regio-Smart-Verlage ist allerdings eine deutliche Skepsis gegenüber dem von Score Media verfolgten Ansatz zu spüren, die zur Gründung der auf Baden-Württemberg beschränkten Vermarktungsallianz beigetragen hat: Man befürchtet, dass die eigenen Interessen bei einem national agierenden Vermarkter nicht gut aufgehoben wären, weil der mit übergroßen Rabatten agiert und die Preise für Print-Werbung kaputt macht. Hintergrund: Vielen süddeutschen Verlagen geht es wirtschaftlich vergleichsweise gut, sie treten Anzeigenkunden noch mit breiter Brust gegenüber und betrachten Score Media daher mit Misstrauen. Überlegungen, einen eigenen regional begrenzten Vermarktungsverbund zu schaffen, gibt es offenbar auch in Bayern.

Anders als bei Score Media spielen im Regio-Smart-Konstrukt zudem die Verlagsbüros eine wichtige Rolle - die zehn Verlage wollen deren Kompetenz und Kontakte nicht missen. Vertreter der Verlagsbüros sind daher an der Produktentwicklung beteiligt, sitzen in den Arbeitsgruppen von Regio Smart und sind autorisiert, über den Verkauf des gesamten Werbeinventars der beteiligten Verlage zu verfügen.

Hintergrund: Score Media ist im April 2016 mit 23 Verlagen, darunter Madsack, Funke, DuMont und Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), gestartet. Mittlerweile sind 29 Verlage mit 130 Zeitungen beteiligt. Die Gruppe hat die bis dahin existierenden Vermarkter Medienhaus Deutschland und NBRZ ersetzt. In Baden-Württemberg gehören die Titel der SWMH (u.a. "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten") sowie der "Mannheimer Morgen", die "Heilbronner Stimme" und der "Südkurier" zum Score-Lager. Ihre Gesamtauflage im Ländle beträgt gut 790.000 verkaufte Exemplare.

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