Neue DPRG-Berlin-Chefin Sabine Clausecker: "Wir müssen weg vom Silo-Denken"

 

"PR ist nicht besser oder schlechter als andere Kommunikationsdisziplinen. In Zeiten, in denen wir alle total communication manager sind, kann es kein Silo-Denken mehr geben", sagt Sabine Clausecker, neue Chefin des DPRG-Landesverbandes Berlin-Brandenburg.

kress.de: Frau Clausecker, Sie sind neue Vorsitzende des DPRG Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Mit welchen Chancen und Herausforderungen haben Sie es in der Hauptstadt zu tun?

Sabine Clausecker: Berlin wächst derzeit jährlich um knapp 100.000 Einwohner und zeichnet sich durch eine große Nähe zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Forschung aus. Das inspiriert uns natürlich und fordert uns gleichermaßen heraus, stets auf Augenhöhe zu operieren und unseren Mitgliedern anspruchsvolle Themen und Events anzubieten.

kress.de: Pro Tag gibt es in Berlin etwa 3200 Veranstaltungen. Was tun gegen ein übersättigtes Publikum?

Sabine Clausecker: Bei dieser Menge an Angeboten ist es in der Tat nicht immer leicht, sich sein Publikum zu akquirieren. In keiner anderen Stadt ist die No-Show-Rate so hoch wie hier. Man meldet sich für mehrere interessante Veranstaltungen gleichzeitig an und schaut mal, wo es einen hintreibt. Deshalb ist es für uns als Landesgruppe Berlin-Brandenburg auch wichtig, nicht nur auf Berlin fixiert zu sein. Ich würde gerne auch Präsenz in Potsdam zeigen.

kress.de: Ihr neuer Vorstand ist weiblicher, jünger, digitaler und mit der ehemaligen Integrationsministerin Bilkay Öney auch diverser. Ist das ein gesellschaftspolitisches Statement? 

Sabine Clausecker: Auf alle Fälle. Der neue Vorstand spiegelt die Realitäten unsere Branche und unserer Gesellschaft wider. Wir brauchen ein modernes Verständnis von Kommunikation und digitales Know-how. Das bekommen wir am besten durch Digital Natives. Das sind in aller Regel keine 40-Jährigen. 

kress.de: Was die Verjüngung erklärt. Wie sieht es mit den anderen Punkten aus? 

Sabine Clausecker: Fast 60 Prozent unserer Mitglieder sind Frauen, dementsprechend war unser Vorstand auch vorher schon ausgeprägt weiblich. Die Nominierung von Bilkay Öney ist hingegen tatsächlich ein Novum, über das ich mich sehr freue. Wir können und sollten es uns nicht leisten, Menschen mit Migrationshintergrund außen vor zu lassen. Nicht nur vor dem Hintergrund des Fachkräftemangelns, sondern vor allem, weil Vielfalt gut und wichtig ist. 

kress.de: Ein prominentes Gesicht wie das von Frau Öney tut der Sache sicher gut. 

Sabine Clausecker: Absolut! Ihr Bekanntheitsgrad tut nicht nur der Sichtbarkeit unseres Verbandes gut, sie repräsentiert als Migrantin auch eine Gruppe von Menschen in unserer Gesellschaft, die in der PR-Branche nach wie vor unterrepräsentiert ist und die ich gerne für uns begeistern würde. Zusätzlich habe ich mit Claudia von Löwenthal und André Puchta vom Friedrichstadtpalast zwei sehr engagierte Stellvertreter gewinnen können, die diese Themen mit mir und dem gesamten Vorstand nach vorne treiben können und wollen.

kress.de: Vor welchen Herausforderungen steht die PR-Branche? 

Sabine Clausecker: Die Instrumente und Kanäle unserer Branche werden nicht nur digitaler, sondern vor allem auch technischer. Um verstehen zu lernen, wie Social Bots funktionieren und wie Googles Algorithmen unseren Content bewerten, ist Digital Maturity gefragt. Allerdings sind wir Getriebene und Treiber zugleich, denn als Kommunikatoren werden wir auch diejenigen sein, die die digitale Transformation aktiv begleiten. Wir haben es mit einem immensen Kulturwandel zu tun und der braucht Kommunikation, um erfolgreich zu sein.

kress.de: Was bedeutet das konkret für Berlin? 

Sabine Clausecker: Auch hier wächst das Feld der politischen Kommunikation stark. Dabei geht es nicht mehr nur um Lobbying, vielmehr wird Public Affairs zunehmend ein gesamtstrategisches Thema für Organisationen und Unternehmen werden. Um dem Bedarf und der Komplexität der Themen gerecht zu werden, sind echte Spezialisten gefragt. Und zwar nicht mehr nur von den großen Unternehmen, sondern gerade auch vom Mittelstand.

kress.de: Welche Ideen möchten Sie in nächster Zeit umsetzen?

Sabine Clausecker: Vor allem möchte ich junge Menschen dafür begeistern, die DPRG als Heimat zu sehen - ihnen die Themen und Netzwerke bieten, die sie brauchen, damit sie den Verband als relevant für sich und ihre Karriere erachten. Dazu wollen wir die traditionellen DPRG'ler mit den jungen zusammenbringen. Beide sollen voneinander lernen. Wenn wir das schaffen, entstehen Innovationen und Inspirationen. 

kress.de: Wie könnte eine derartige Zusammenführung aussehen? 

Sabine Clausecker: Ein schöner Beleg dafür, wie wir als neuer Vorstand wirken wollen, war unsere Auftaktveranstaltung beim "Tagesspiegel". Für das Thema "Kommunikationsstrategien der Volksparteien in Zeiten von Politikverdrossenheit und Populismus" interessierten sich über 150 Gäste. Solche Events wünschen wir uns: Aktuelle Themen, prominente Gäste und die Möglichkeit, sich mit vielen interessanten Kollegen auszutauschen. 

kress.de: Haben Sie einen Wunsch an die Branche? 

Sabine Clausecker: Ich wünsche mir, dass unsere Branche erkennt, dass PR nicht besser oder schlechter ist als andere Kommunikationsdisziplinen. In Zeiten, in denen wir alle total communication manager sind, kann es  kein Silo-Denken mehr geben. Außerdem wünsche ich mir, dass die klugen Köpfe unserer Branche maßgeblicher in die Diskussion über die ethischen Herausforderungen unserer Zeit einsteigen.

Die Fragen an Sabine Clausecker stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Hintergrund: Die DPRG - Deutsche Public Relations Gesellschaft ist der Berufsverband der Public-Relations-Fachleute in Deutschland. Dem Vorstand der Landesgruppe Berlin Brandenburg gehören: Dr. Carsten Kolbe (Beisitzer), Claudia Sünder (Beisitzerin), Gerhard Mahnken (Beisitzer), Claudia von Löwenthal (stv. Vorsitzende), Sabine Clausecker (Vorsitzende), André Puchta (stv. Vorsitzender), Bilkay Öney (Beisitzerin), Giovanni Bruno (Beisitzer) an. Berlin-Brandenburg-Chefin Sabine Clausecker, Vorstand der Kommunikationsagentur CB.e AG mit über 100 Mitarbeitern an drei Standorten in Deutschland, ist zudem Schatzmeisterin im Bundesvorstand; den Bundesvorstand führt als Präsident Norbert Minwegen, Chef der Unternehmenskommunikation der Sparkasse Köln-Bonn, an.

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