Doppelspitze hat nicht funktioniert: Chefredakteurin Tanit Koch verlässt "Bild"

 

Nach Donata Hopfen verlässt die nächste prominente und eloquente Medienfrau Axel Springers "Rote Gruppe": Tanit Koch, seit Januar 2016 Chefredakteurin von "Bild", packt ihre Sachen und gibt die Redaktionsleitung von Axel Springers Boulevardzeitung ab. Vorstandschef Mathias Döpfner gehen die Frauen von der Fahne.

Nach Informationen von kress.de gab es zwischen Tanit Koch und Julian Reichelt, dem Vorsitzenden der Chefredakteure der "Bild"-Gruppe, regelmäßig Streit über die Ausrichtung. Die Doppelspitze hat nicht funktioniert.

Trotz des Disputs Reichelt-Koch war der finale Zeitpunkt für den Großteil der Redaktion selbst überraschend. In einer internen Email - die kress.de dokumentiert - schrieb Koch heute Morgen an die Redaktion: "Zunächst zum Abschied, der gleich offiziell um 9.30 Uhr im Produktionsraum verkündet wird: Ich gebe meine Position als 'Bild'-Chefredakteurin zum 1. März 2018 auf und verlasse den Verlag."

Koch macht keinen Hehl mehr daraus, was passiert ist: "Wenn zwei Menschen professionell nicht harmonieren, lässt sich das eine Zeitlang durch Kompromisse ausgleichen. 2017 war davon geprägt, bis meine Kompromissbereitschaft an ihre Grenzen gelangte. Hinzu kam die Gewissheit, dass sich 'Bild' nicht durch Kompromisse auszeichnet, sondern durch Klarheit. Deshalb habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen."

"Döpfner: 'Bild' braucht ganz klare Verhältnisse" 

Bis zuletzt hielt Koch die Entscheidung, wie sie in der Redaktion in Erinnerung behalten werden möchte, in den eigenen Händen: "Wie schwer er mir nach 13 großartigen Jahren im Haus gefallen ist, weiß jeder, der mich kennt. Die Liebeserklärung gelingt mir deshalb nicht in aller Kürze: Mein Herz schlägt 'Bild'-rot, es schlägt für Euch, für Eure Leidenschaft, Eure Professionalität, Eure Menschlichkeit und Euren so ausgeprägten Sinn für Unsinn. Ihr seid 'Bild' - und 'Bild' ist einzigartig. Einzigartig ist auch die Position, die ich nun nach zwei Jahren verlasse und für die ich dem Verlag, allen voran Kai Diekmann, unendlich dankbar bin", so Koch.

Bei dem Abschied, an dem Mathias Döpfner und Jan Bayer teilnahmen, wurde es emotional. Tanit Koch, die im Job stets kühl und analytisch auftritt, vergoss wie einige Redaktionsmitglieder Tränen, es gab Umarmungen.

"Tanit Koch ist es mit viel Leidenschaft und Kompetenz gelungen, eine beispiellose journalistische Karriere bei Axel Springer zu absolvieren. Ich selbst war dabei, als wir sie vor 13 Jahren beim Auswahlverfahren für unsere Journalistenschule für Axel Springer gewinnen konnten. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sie es von der Volontärin an die Spitze von Europas größter Tageszeitung geschafft. Für 'Bild' hat sie Großartiges geleistet, zuletzt als Chefredakteurin", betont Mathias Döpfner.

Zähneknirschend gibt Döpfner zu, dass der andauernde Streit in der "Bild"-Spitze dem Vorstand angelastet werden kann, der sich zu wenig um klare Verhältnisse geschert hat: "Die Verantwortungskonstellation in der Chefredaktion war zwar gut gemeint, hat aber in der Praxis nicht funktioniert, weil diese Aufstellung nicht zu 'Bild' passt. 'Bild' braucht ganz klare Verhältnisse. Wir bedauern das Ausscheiden von Tanit Koch sehr, verstehen und akzeptieren ihre Motivation für diesen Schritt und wünschen ihr Glück und Erfolg", so Mathias Döpfner.

Wie geht es weiter?

Tanit Koch verlässt Axel Springer bereits Ende dieses Monats. Mehrere Angebote in der Vergangenheit, unter anderem die Leitung der "Welt am Sonntag zu übernehmen, lehnte sie aus "Bild"-Treue ab. Dort übernahm dann Peter Huth das Ruder. Koch wird in Ruhe erst einmal Kraft sammeln und sich dann für eine neue Aufgabe entscheiden, Zeitdruck hat sie nicht.

Julian Reichelt übernimmt zukünftig die Aufgaben von Tanit Koch, führt damit "Bild" Print und Digital; zudem trägt Reichelt weiterhin die übergeordnete redaktionelle Verantwortung für die "Bild"-Marken.

Laut einer Unternehmenssprecherin wird es an den Spitzen von "Bild am Sonntag" und "BZ Berlin" keine Änderungen geben. Marion Horn führt die "Bild am Sonntag", Miriam Krekel die "BZ Berlin".

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