"FAZ"-Korrespondent Patrick Bahners zerlegt Andrea Nahles: "Macht den Laden dicht, ihr Deppen"

 

Ein wütender "FAZ"-Korrespondent hat mit wenigen Tweets die SPD zerlegt. Grund für seinen Tobsuchtsanfall ist SPD-Vorsitzende Andrea Nahles, die im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" sagt: "Wir können nicht alle bei uns aufnehmen."

Nahles, seit dem 22. April 2018 SPD-Vorsitzende, wird in dem Interview mit den Worten zitiert: "Menschen, die weder geduldet noch als Asylbewerber anerkannt werden, müssen schneller Klarheit haben, dass sie nicht bleiben können und zurückgebracht werden. Das gehört unweigerlich zur Willkommenskultur dazu: sie funktioniert nur zusammen mit einem durchsetzungsstarken Rechtsstaat. Wer Schutz braucht, ist willkommen. Aber wir können nicht alle bei uns aufnehmen. Dazu müssen sich auch die Grünen im Bundesrat bewegen."

Patrick Bahners, seit dem 1. Januar 2018 Kulturkorrespndent der "FAZ" für Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Köln, mag Nahles Antworten nicht unkommentiert lassen: "Macht den Laden dicht, ihr Deppen", schreibt Bahners auf Twitter, als er auf den "PNP"-Artikel verlinkt. Bahners kritisiert bereits am Wochenende deutlich: "Niemand (n-i-e-m-a-n-d) fordert, "alle" aufzunehmen. Wer auf so etwas reagiert, wer fingiert, sich dazu zu verhalten, betreibt das Geschäft der Lügner und verabreicht Gift."

Der konservative Seeheimer Kreis widerspricht Bahners, nimmt die SPD-Chefin in Schutz: "Aber zu viele Menschen haben den Eindruck, dass "alle" aufgenommen werden - auch gegen Recht & Gesetz. Diesem Eindruck tritt Andrea Nahles offensiv entgegen. Gut so!"

Bahners widerspricht: "Wenn sie dem Eindruck offensiv entgegentreten wollte, müsste Sie erklären, dass der Eindruck falsch ist. Warum Verfahren ihre Zeit brauchen. Dass Rechtsanwälte, die für ein Minimum von Schutz sorgen, aus der Bundesregierung heraus denunziert werden. Laut Bahners macht Nahles einen schiefen, in der Konsequenz "demagogischen Gegensatz zwischen Willkommenskultur und Rechtsstaat" auf: "Schon die Idee, die Willkommenskultur müsse "funktionieren", könne also auch nicht funktionieren - und die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaats gefährden, ist falsch. Richtig ist: Die Willkommenskultur ist ein freiwilliger, nicht geschuldeter Beitrag der Zivilgesellschaft zum Funktionieren des Rechtsstaats."

Der "FAZ"-Korrespondent, Jahrgang 1967, ergänzt auf Twitter: "Dass nicht vollzogene Abschiebungen den Rechtsstaat gefährdeteten, ist Unsinn. Der Rechtsstaat sichert die Freiheit der Bürger gegen den Staat. Kein einziger Rechtsanspruch eines Bürgers ist beeinträchtigt durch einen Vollzugsstau bei Abschiebungen. "Wer Schutz braucht, ist willkommen"? Nein: Wer Schutz sucht, ist (zunächst einmal) willkommen. Die Willkommenskultur als Ausdruck der Tugenden der Gastfreundschaft und Höflichkeit kann nicht unter einen juristischen Vorbehalt gestellt werden."

Auch der stellvertretende "Zeit"-Chefredakteur Bernd Ulrich hält sich mit Kritik an der SPD nicht zurück: "Neues aus der Angstpartei: Thesen entgegentreten, die niemand aufgestellt hat. Oppermann: "Russland ist nicht unser Feind" Nahles: "Wir können nicht alle aufnehmen". Hoffentlich steckt die SPD niemanden an mit ihrer Angst vor allem und jedem", notiert er auf Twitter.

Nach den Publizisten kritisieren inzwischen auch einige SPD-Politiker die Äußerungen in der "PNP"; so erklärt Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert, dass die Parteien mit solchen Sätzen das Spiel der AfD mitspielten. Explizit erwähnte er den Namen Nahles in seiner Kritik allerdings nicht.

Patrick Bahners gehört seit dem 1. August 1989 der "FAZ"-Redaktion an; vom 1. März 2001 bis zum 31. Dezember 2011 war er Feuilletonchef, berichtete danach aus New York und München. Bahners schrieb Bücher über Helmut Kohl, die deutsche Angst vor dem Islam und die Wahrheit über Entenhausen; er ist Ehrenpräsidente der Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus.

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