Wie Jürgen Klopp dem Manager Magazin hilft

 

Martin Noé und Sven Clausen sind die neuen Chefredakteure des "Manager Magazin". Im Exklusiv-Interview mit dem "Wirtschaftsjournalist" sprechen sie auch über ihre Digital-Strategie und erklären, inwiefern der Champions-League-König Jürgen Klopp ein Vorbild für Manager ist.

"Wirtschaftsjournalist": Das Geschäftsmodell von "MM" ist all die Jahre gleich geblieben mehr oder weniger, Managementfehler aller Art aufdecken, gewürzt mit jeder Menge Gossip. Bleibt das so?

Sven Clausen: Gossip wollen wir nicht verbreiten, sondern schon das, was wir recherchiert haben und wo wir der Meinung sind oder das Rechercheergebnis uns sagt: Das ist so. Das ist häufig unterhaltsam und dagegen haben wir überhaupt nichts. Wirtschaft ist ja sehr unterhaltsam, weil es da um Menschen und häufig viel Geld geht. Das war und ist der Kern dessen, was wir tun. Was sich geändert hat, sind die Gebinde, in denen wir unsere Recherchen und Erkenntnisse anbieten. Früher war "MM" ein reines Printmagazin. Vor einem guten halben Jahr haben wir damit begonnen, das ernsthaft auch digital zu vertreiben. Wir machen Videos und auch Podcasts ...

"Wirtschaftsjournalist": ... aber keiner weiß davon.

Sven Clausen: Podcast machen wir ja auch erst seit ein paar Wochen und einige Tausend Abonnenten sind schon an Bord.

"Wirtschaftsjournalist": Die Werbung dafür scheint an uns vorbeigegangen zu sein.

Sven Clausen: Wir sind bislang ganz gut damit gefahren, uns anzuschleichen. Wir sind damit einfach mal gestartet, um zu sehen, wie es angenommen wird und was wir dabei lernen können. Demnächst werden wir damit auch lauter werden.

"Wirtschaftsjournalist": Ähnlich sieht es bei den Videos aus.

Sven Clausen: Da sind wir schon deutlich weiter und etablierter mit verschiedenen Formaten.

"Wirtschaftsjournalist": Warum?

Sven Clausen: Wir haben früher angefangen. Wir haben zwar bislang noch kein Videoformat gefunden, wofür die Menschen bereit sind zu zahlen. Aber es gibt viele Jüngere , die den Einstieg in eine unserer großen Recherchen über das Bewegtbild suchen und finden. Das spielen wir aus bei Linkedin, Xing, Facebook oder unserer eigenen Webseite. Zum Beispiel das Making-off unserer Jürgen-Klopp-Titelgeschichte.

"Wirtschaftsjournalist": Jürgen Klopp? Möchte "MM" ein Fußballmagazin werden?

Martin Noé: Wir haben vor mehr als zehn Jahren schon mal Hoeneß als Titelgeschichte gehabt. Der lief damals super. Und jetzt haben wir es gemacht, weil wir das Gefühl hatten, dass Jürgen Klopp sehr viele interessiert. Tatsächlich ist es dieses Jahr unser bisher bestverkaufter Titel. Ein großer Teil unserer Zielgruppe mag Fußball. Und es ist ein Milliardenbusiness, das ständig wächst.

"Wirtschaftsjournalist": Ist Klopp ein Vorbild für Manager?

Martin Noè: Klar. Der Mann hat Charisma und dominiert sehr leicht jedes Gespräch, ohne dass er einem dabei unangenehm wird. Ich glaube nicht, dass man ein perfekter Finanzchef wird, wenn man unsere Jürgen-Klopp-Story gelesen hat. Aber ich denke, man kann sich von ihm ein paar Sachen abgucken: wie man motiviert, wie man ein Team führt und auch wie man sich selbst inszeniert.

"Wirtschaftsjournalist": Versuchen Sie künftig mehr solche Geschichten zu machen, die in die Breite wirken?

Sven Clausen: Was wir schon machen, ist, dass wir sehr genau nachschauen, welche Geschichten digital eine große Wirkung bei MM Premium erzielen.

"Wirtschaftjournalist": Was ist die Zielgruppe von MM-Digital?

Sven Clausen: Bei MM Premium ist der Anspruch inhaltlich exakt derselbe wie mit dem Heft, nur eben mit möglichst allen Schikanen aufbereitet für den digitalen Nutzer. Bei unserem frei zugänglichen Angebot, das sich um Premium herumlegt, ist der Anspruch Best of Business. Wenn ich mich informieren möchte über das, was in der Wirtschaft täglich los ist, dann ist man bei uns ganz gut aufgehoben. Wir haben nicht die Breite des Angebots, wie es zum Beispiel "Handelsblatt Online" hat, wir selektieren mehr. Das wird gut angenommen, was wir auch durch Umfragen so bestätigt bekommen.

"Wirtschaftsjournalist": Kannibalisiert sich "MM" damit nicht selbst?

Martin Noé: Theoretisch vielleicht, praktisch sehen wir es anders. Manche Leser erreichen wir mit einem abgeschlossenen Produkt wie dem Heft oder in digitaler Form als ePaper nicht mehr, weil sie ein anderes Leseverhalten haben. Sie werden über soziale Netzwerke angestoßen, müssen dann aber auch digital ein erstklassiges Produkt finden, leicht zugänglich, überall konsumierbar – und auch leicht wieder zu kündigen, wie bei Netflix.

Warum gleich zwei Leute die kleine "MM"-Redaktion führen müssen, wer eigentlich der Boss ist, wer den Spitznamen "Dr. Nö" trägt und welcher Ex-Kollege mal dringend ein Beruhigungsmittel braucht?

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Der "Wirtschaftsjournalist" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Wolfgang Messner.

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