Wie ein Verlag seine Mitarbeiter als Anteilseigner bestimmen lässt

13.08.2019
 

Der Bio Verlag mit seinem bekannten Magazin Schrot & Korn legt seit jeher Wert auf Mitarbeiterbeteiligung – und hat es bis zum Äußersten getrieben: Die Medienfirma gehört vollständig ihren Mitarbeitern. Ein kress pro-Case über ein seltenes Branchenmodell.

Erste verlegerische Aktivitäten beginnen 1979 mit der Zeitschrift "Nachbarschaft - Wege zur Ökologie im Alltag". Im April 1980 gründen fünf gleichberechtigte Gesellschafter - sie stellen zugleich die komplette Belegschaft - die Pala Verlag GmbH. Sie ist heute noch aktiv, als Buchverlag mit dem publizistischen Schwerpunkt "Bücher für ein gutes Leben". Bald nach dem Start von "Schrot & Korn" (1985) wird das Zeitschriftengeschäft im neuen Verlag Gesund essen, dem heutigen Bio Verlag, fortgeführt.

Als Mitgründer Ronald Steinmeyer, damals Hauptgesellschafter und Geschäftsführer, 2011 aus dem Verlag ausstieg, ging der Verlag in Mitarbeiterhand über. Steinmeyer und Sabine Kauffmann, ebenfalls Gründungsgesellschafterin und bis heute Geschäftsführerin, entwickelten einen Plan, um die Mitarbeiter zu Mitunternehmern zu machen. Die Belegschaft folgte dem Angebot, die "freundliche Übernahme" wurde vollzogen.

71 Mitarbeiter - der größte Teil sind Redakteure und Grafiker, daneben IT-Fachkräfte, Kundenbetreuer, Buchhalter, Servicemitarbeiter, Geschäftsführung - sind aktuell beim Bio Verlag beschäftigt, zahlreiche in Teilzeit. Der Anteil an Frauen in der Belegschaft beträgt 78 Prozent. Kein Zufall, denn ein Leitsatz im Bio Verlag lautet: "Familie ist genauso wichtig wie Arbeit", weshalb möglichst viel Freiraum für flexible Arbeitszeitgestaltung eingeräumt wird.

Über die Jahre zeigt sich ein stetiges Stellenwachstum, so zählte man 2005 erst 37 und 2011 rund 50 Mitarbeiter. Der Bio Verlag erwirtschaftete laut eigenen Angaben 2018 einen Umsatz von circa 8 Millionen Euro, stabil gegenüber dem Vorjahr. Laut Geschäftsbericht betrug der Jahresüberschuss 152.000 Euro, im Jahr zuvor waren es 299.000 Euro. Das Eigenkapital des Bio Verlags ist auf gut 4 Millionen Euro angewachsen.

Wirtschaftlichen Erfolg mit einem angenehmen Arbeitsklima zu verbinden, das will der Bio Verlag und es klappt offensichtlich ziemlich gut, wie ein Blick auf die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu bestätigt: Dort gibt es regelmäßig Bestnoten. So erzielt das Unternehmen eine maximale Weiterempfehlungsquote von 100 Prozent und die von 19 Mitarbeitern abgegebenen Urteile ergeben einen Durchschnittswert von 4,66 (von möglichen fünf) Punkten. Unter allen deutschen Medienunternehmen, die "kress pro" (1/2019) auf Basis des Kununu-Votings analysiert hat, war der Bio Verlag Klassenbester. Volle Punktzahl (5,0), was äußerst selten vorkommt, gab es in drei von 13 Kategorien: bei Gleichberechtigung, Umgang mit Kollegen 45plus sowie Umweltund Sozialbewusstsein.

Als Ronald Steinmeyer im Jahr 2011 den von ihm mitgegründeten Bio Verlag verlässt, hat sich zuvor ein lang gehegter Wunsch erfüllt: ein Unternehmen aufzubauen (und nun zu hinterlassen), über das seine Mitarbeiter selbst bestimmen. Bis dahin gehörten ihm und Mitgründerin Sabine Kauffmann die deutliche Mehrheit an der GmbH.

Angesichts des Wachstums in den zurückliegenden Jahren hätten beide im Fall eines externen Anteilsverkaufs finanziell entsprechend profitiert. Doch sie verzichten auf einen Großteil des erwirtschafteten Mehrwerts und ermöglichen somit, dass die Belegschaft den Verlag komplett übernehmen kann. Dahinter steht ein tief wurzelndes Motiv: Schon früh wurden Mitarbeiter in unternehmerische Entscheidungen eingebunden, am wirtschaftlichen Gewinn beteiligt und ab 1999 gab es das Angebot, durch Kapitalerwerb zum Mitinhaber zu werden. "Das gehört seit jeher zu unserem Selbstverständnis. Die Mitarbeiter nun vollständig teilhaben zu lassen, war genau das, was wir uns bei der Gründung des Verlags erträumt hatten", sagt Sabine Kauffmann.

Damit eine Firma für Kunden produzieren und Dienste anbieten kann, braucht es das Zusammenspiel des Unternehmens selbst, der Eigentümer (und somit Kapitalgeber) sowie der Mitarbeiter. "Die entstehende Wertschöpfung", so Kauffmanns Credo, "soll an alle drei Interessensgruppen fair verteilt werden".

Wie das Geschäftsmodell aussieht, wie die Mitarbeiter genau mitentscheiden, warum Kapital, Anteile und Stimmrechte getrennt sind und ob sich das Konzept des Bio Verlags leicht kopieren lässt.

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