Warum sich Medien Hunde ins Haus holen müssen

20.01.2020
 

Haustiere in der Firma waren früher fast überall verboten. Inzwischen gehören Bürohunde auch in Medienunternehmen zum gewohnten Bild. Das nutzt dem Arbeitsklima, dem Kollegendialog und sogar der Personalgewinnung, wie kress pro in einem Case zeigt.

Manchmal wird auf der Vorstandsetage von Axel Springer kräftig gebellt. Wer dahinter vermutet, dass im Management ein rauer Ton herrscht, kennt nicht den wahren Grund: Der Medienkonzern hat sich Hunde ins Haus geholt. Und der Chef ist schuld daran. Mathias Döpfner, selbst Herrchen von Plüsch und Plum, einem Königspudel-Paar, brachte die Sache ins Rollen. Er ist überzeugt: "Hunde im Büro sind für den Umgang miteinander eher förderlich als hinderlich."

Zu dieser Einschätzung passt die Kampagne "Dog-in statt Burnout", die der Bundesverband Bürohund (BVBH) gestartet hat. Auf seiner Website (www.bv-bürohund.de) verweist der 2014 gegründete Verband auf mehrere Studien, die eine positive Wirkung auf die Psyche von Mitarbeitern und das Arbeitsklima in Unternehmen belegen: Kollegen kommen über ihre Vierbeiner schnell ins Gespräch. Außerdem sind Mitarbeiter leistungsfähiger, wenn sie ihren Hund in der Nähe und gut versorgt wissen.

Bei Axel Springer ging's vor rund zehn Jahren los. Auf einer Betriebsversammlung machte sich Döpfner für Hunde im Büro stark  - zuvor waren Haustiere in der Firma verboten. Inzwischen gehören Bello & Co. zum gewohnten Bild bei Axel Springer, und sie werden immer mehr. Als Kerstin Drobniewski am 3. September dieses Jahres Carlo Ortmann in der Redaktion von "Sport Bild" einen Besuch abstattete, hatte sie Urkunde, Luftballons, Leckerli dabei - für Kobe, den 150. Bürohund bei Axel Springer. Laut BVBH ist das Unternehmen in dieser Hinsicht bundesweit führend.

An Drobniewski, im Hauptberuf für die Logistik der Gebäudereinigung zuständig, kommt keiner vorbei. Sie ist zentrale Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund um den Bürohund und trägt den vom Verband vergebenen Titel eines "Chief Dog Officer". "Es gibt feste Regeln, die für jeden verbindlich sind", sagt sie. Grundsätzlich gilt: Wer seinen Hund mit zur Arbeit bringen will, muss zuvor einen Antrag stellen. Neben Name und Abteilung des Hundehalters wird festgehalten, wie der Hund heißt, wie alt er ist, daneben Rasse, Geschlecht und die Nummer der Hundesteuermarke. Weitere Verpflichtungen werden in einem eigens entworfenen Erfassungsbogen festgehalten und durch die Hundebesitzer bestätigt.

Bei Axel Springer gibt es sogar extra einen Hundeausweis mit Foto. "Ohne den geht nichts", sagt Kerstin Drobniewski. Was spaßig klingt, ist wohlüberlegt: Die Chief Dog Officer macht bei jedem Tier einen Wesenstest. Zum Beispiel geht sie unvermittelt auf den Hund zu, nimmt ihm sein Lieblingsspielzeug weg, spannt plötzlich einen Regenschirm auf. "Das sind Schrecksekunden und ungewohnte Situationen. Wenn die Hunde ruhig und umgänglich bleiben, ist alles okay", so Drobniewski. Die Hunde, auch das gehört zum Tier-TÜV, müssen den Befehlen ihrer Halter ("Sitz", "Bleib") folgen. "Nur ein einziges Mal musste ich einen Hund ablehnen, in den meisten Fällen läuft die Kommunikation zwischen Hund und Halter hervorragend." ´

Auch in anderen Medienunternehmen sind "Office-Dogs" willkommen. "Bei uns gibt es sie schon seit vielen Jahren", sagt Ina Bauer, Senior PR-Manager bei Hubert Burda Media. "Sie gehören zum Büroalltag." Ähnlich wie bei Axel Springer sprechen sie bei Burda davon, dass Hunde "wahre Eisbrecher" seien, "und ein lockerer Anlass, um mit Kollegen aus anderen Abteilungen ins Gespräch zu kommen, ob im Aufzug, im Flur oder bei Meetings", so Bauer. Außerdem, diese Erfahrung hat Matthäus Hose gemacht, tragen Kobe und seine Artverwandten in den Unternehmen dazu bei, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern. "Hunde sind empathische Lebewesen, loyale Partner und begeisterte Teamplayer. Davon kann man nicht genug haben", sagt der Verlagsleiter von Weka Fachmedien. Redaktionsschluss, Meeting, Kundentermin, und das alles zur gleichen Zeit: Im Mediengeschäft sei das Tempo hoch. "Das kann stressen. Und Tiere reduzieren Stress. Wer bei uns als Bürohund integriert ist, fördert eine produktive Arbeitsatmosphäre", resümiert Hose.

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kress pro präsentiert in einem aktuellen Case die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Hunde im Büro. Beteiligt waren die hundeerfahrenen Medienunternehmen Axel Springer, Hubert Burda Media und Weka. Sie können die 124-seitige kress pro/Ausgabe 10/2019 in unserem Shop kaufen.

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