Ex-Antenne-Bayern-Chef Hörhammer: "Die großen Player müssen sich zusammenraufen"

 

Fast 30 Jahre lang hat Karlheinz Hörhammer in Spitzenpositionen für den Radiosender Antenne Bayern gearbeitet. Im Interview mit kresspro fordert "Mister Privatradio" große Veränderungen in der Branche. Wie sich Privatradios nach der Krise aufstellen müssen.

kress pro: Herr Hörhammer, fast 30 Jahre waren Sie in leitender Funktion bei Antenne Bayern tätig. Seit Juni 2019 befinden Sie sich im Ruhestand. Wie sehen Sie sich heute: als rüstiger Radio-Rentner oder als Elder Statesman der Branche?

Karlheinz Hörhammer: In gewisser Weise als beides. Einerseits verfolge ich natürlich, was im Radiomarkt passiert, und habe noch Kontakt zu vielen Kollegen wie Radio-Regenbogen-Chef Klaus Schunk oder Ex-FFH-Geschäftsführer Hans-Dieter Hillmoth. Mich interessiert aber auch, welche Auswirkungen die Corona-Krise für die Radiosender hat – und damit auch, was gerade auf der politischen Bühne und der Verbandsebene passiert.

kress pro: Die Corona-Krise hat vor allem das Privatradio hart getroffen. Sind Sie vor dem Hintergrund froh, keine operative Verantwortung mehr tragen zu müssen?

Hörhammer: Jein. Es ist immer schwierig, wenn man sieht, dass der Nachfolger das eigene Geschäft betreibt und die eine oder andere Entscheidung anders trifft, als ich sie vielleicht getroffen hätte. Aber ich leide und fiebere natürlich mit den Mitarbeitern der Antenne-Bayern-Gruppe, auch wenn ich nur noch in der Beobachterrolle bin. Viele haben sich auf ein Leben mit dem Sender eingerichtet. Mein Wunsch ist, dass die Bereiche, die wir im Unternehmen aufgebaut haben, aufrechterhalten werden können für die Menschen, die dort arbeiten. Natürlich dort, wo es sinnvoll ist.

kress pro: Im Zuge der Corona-Pandemie sind die Werbeerlöse der Privatradios erodiert. Wie tiefgreifend wird dieses Ereignis den Radiomarkt verändern?

Hörhammer: Die Umsatzrückgänge hängen sehr wesentlich von der Laufzeit der Einschränkungen ab. Auch wenn die Maßnahmen nun allerorten gelockert werden, stehen die Privatradios vor großen Herausforderungen bei der Liquiditätssicherung. Sie werden aber auch ihre Kosten senken müssen.

kress pro: Das Privatradio leidet hierzulande auch unter Reformstau. Geringe Formatvielfalt, fehlende Innovationen, verkrustete Eigentümerverhältnisse und zu viel Regulierung lauten die Stichworte. Bietet die Corona-Krise nun die Chance, die Missstände zu beseitigen?

Hörhammer: Das wird die große Herausforderung für die Eigentümer sein, wie sie sich neu aufstellen sollen, nach dieser Krise. In der föderalen Struktur lassen sich bundeseinheitliche Regelungen nicht umsetzen, dort werden Fachleute benötigt, die in der Lage sind, Top-Angebote zu entwickeln. Bei Antenne Bayern haben wir beispielsweise die Idee für den Datenspezialisten Quantyoo gehabt und mussten feststellen, dass wir allein zu klein sind, um die Firma zu entwickeln. Dazu brauchte es mehrere Partner.

kress pro: Viele Radioeigentümer sind nur deshalb bei den Sendern engagiert, um andere rauszuhalten. Werden solche widerwillig engagierten Gesellschafter nun diejenigen sein, die ihre Anteile als erste in der Krise abstoßen?

Hörhammer: Vielleicht. Es wäre aber fatal, wenn Eigentümer ihre Anteile aufgrund der kurzfristig sehr dramatischen Situation abgeben. Wäre ich Eigentümer, würde ich jetzt nicht aussteigen. Wenn die Corona-Krise irgendwann wieder überwunden ist, kann es durchaus wieder eine Normalität im Radio geben. Damit meine ich, dass ein Sender ausreichend Reichweite generiert, um das Geschäft weiter zu betreiben. Radio hat weiterhin eine sehr hohe Nutzung und hohe Akzeptanz im Markt, das hat sich gerade in der Zeit des Lockdowns gezeigt.

kress pro: Das klingt, als käme die Konsolidierung gar nicht.

Hörhammer: Doch, sie kommt, weil das private Radio nur so nach der Krise mittel- bis langfristig vernünftig weiterleben kann.

kress pro: Wer werden die treibenden Kräfte der Konsolidierung sein?

Hörhammer: Die großen Player, die viele Beteiligungen halten. Springer, Burda, RTL, Nordwest- Zeitung, Frank Otto, Regiocast und einige weitere im Hörfunk engagierte Gesellschafter wie zum Beispiel Medienpool müssen sich zusammenraufen.

kress pro: Davon war bislang wenig zu spüren. Fusionen im Privatradio wurden in der Vergangenheit zwar immer wieder gefordert, etwa vom Ex-RTL-Radio-Chef Gert Zimmer. Realisiert wurden sie aber bislang nicht. Werden wir bald welche sehen?

Hörhammer: Da bin ich vorsichtig, denn die Struktur des Marktes erschwert solche Fusionen nach wie vor. Für sie bedarf es der Zustimmung der lizenzierenden Medienanstalten, die immer noch Vorbehalte dagegen hegen. Im bayerischen Markt hat die BLM immer die Sorge, dass Antenne Bayern eine marktbeherrschende Stellung erlangen und damit die anderen Player in ihrer Entwicklung behindern könnte. An der Stelle müsste ein Umdenken in Gang kommen, damit größere Aktivitäten möglich werden.

Im großen kress pro-Interview gibt "Mister Privatradio" Hörhammer weitere Antworten auf drängende Fragen der Radiobranche: Wie sollen die Sender auf das Ausweichen der Nutzer auf nichtlineare Angebote reagieren? Wie muss der Staat dem Privatradio jetzt helfen? Drohen im bayerischen Lokalfunk Insolvenzen? Und wie beurteilt er eigentlich die Arbeit seines Nachfolgers bei Antenne Bayern, Felix Kovac?

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