Kai Diekmann: Ich habe Wirecard geglaubt

12.02.2021
 

Vor vierzehn Tagen hatten Reporter von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung berichtet, dass Kai Diekmann seine Kontakte für Wirecard genutzt haben soll. Im Gespräch mit Peter Turi hat sich Diekmann nun zu Wirecard geäußert.

"In meinem ganzen Leben habe ich mit keinem einzigen Investment so viel Geld verloren wie mit meinem Investment in Wirecard-Aktien, weil ich den Fehler gemacht habe, den viele andere auch gemacht haben. Ich habe Wirecard geglaubt. Ich habe der BaFin geglaubt. Ich habe der Bundesbank geglaubt. Ich habe den vielen deutschen Journalisten geglaubt, die auch an Wirecard geglaubt haben und möglicherweise auf den Leim gegangen sind. Möglicherweise hätte ich doch an der Stelle einfach mal der "Financial Times" mehr vertrauen sollen", sagt Kai Diekmann innerhalb der turi2-Veranstaltung "Clubabend" via Clubhouse.

Weiter sagt Diekmann zu seiner Beziehung zu Wirecard: "Ein guter Journalist gibt niemals seine Quellen preis. Ein guter Arzt spricht niemals über seine Patienten. Und ein guter Kommunikationsberater verrät nicht seine Mandanten."

Diekmann stellt auf der von turi2-Macher Peter Turi initiierten Community-Reihe klar, dass die von ihm mit-gegründete Agentur Storymachine mit der Wirecard-Sache gar nichts zu tun habe. Richtig sei, dass er damals für das Unternehmen Edelman tätig gewesen sei. "Aus der Retrospektive sieht alles immer ganz doof aus", gibt Diekmann zu. Er habe den Wirecard-"Experten", den Investmentbankern und Analysten vertraut, "wie viele tausende andere auch" - und er sei ihnen "auf den Leim gegangen". Kein anderes Investment habe ihn so viel Geld gekostet wie sein Investment in Wirecard. "Das ärgert mich die Hölle", sagt Diekmann u.a. auf die Fragen von Vice-Deutschland-Chefredakteur Felix Dachsel und Peter "Bulo" Böhling im turi2-"Clubabend".

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Kai Diekmann stand 17 Jahre an der Spitze von Bild. Zu seinen Nachfolgern bemerkt er gegenüber Peter Turi: "Sowohl Tanit Koch als auch Julian Reichelt sind Kollegen, von denen ich wahnsinnig viel halte und denen ich beiden viel zugetraut habe. Deswegen habe ich ja auch Julian Reichelt 2013/14 rum zum Chefredakteur von Bild-Online gemacht. Ich war häufig mit ihm unterwegs und bin immer wieder beeindruckt gewesen, wie souverän und bedächtig er in Situationen handelt. Tanit Koch kenne ich noch viel länger, sie war seit 2008 meine Büroleiterin. Deswegen habe ich beiden zugetraut, die Zeitung zu führen." Das sei aber nicht mehr sein Thema. Er sei jetzt im vierten Jahr nicht mehr bei Bild und insofern stehe es ihm auch nicht zu, dort irgendetwas über die Führung oder über das, was dort inhaltlich gemacht werde, zu sagen."

Seine Rolle bei Storymachine beschreibt Diekmann so: "Zur Frage, ob das mein Unternehmen ist: Es ist zu 40 Prozent mein Unternehmen. Ich bin hier tatsächlich nur Gesellschafter und habe nicht mal eine exekutive Funktion. Ich sage immer: Ich bin hier der Hausmeister."

Hintergrund: Wirecard ist nach Recherchen von WDR/NDR/SZ ein "Honigtopf für viele Berater" gewesen (kress.de berichtete). Mit Kai Diekmann sei offenbar auch ein ehemaliger Bildzeitungs-Chefredakteur für Wirecard tätig gewesen, heißt es bei der Recherchekooperation der öffentlich-rechtlichen Sender und der Tageszeitung aus dem Süddeutschen Verlag.

Diekmann und Co. hätten ihre lebenslang geknüpften, auch politischen Kontakte, für Wirecard genutzt. Und offenbar hätten viele bereitwillig das Narrativ von Wirecard als Opfer übler Machenschaften von Leerverkäufern und Verleumdungen unseriöser Journalisten geglaubt. Dies soll aus zahlreichen Emails hervorgehen, die WDR, NDR und SZ vorliegen.

Die SZ-Autoren Cerstin Gammelin, Lena Kampf, Klaus Ott, Katja Riedel und Jan Willmroth zitieren in ihrem ausführlichen Bericht Lieber Herr Dr. Braun, bleiben Sie stark! aus mehreren E-Mails, die Diekmann an den damaligen Wirecard-Verantwortlichen Markus Braun geschrieben haben soll.

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