Wie Frauen-Netzwerkerin Tijen Onaran mit einer Amazon-Prime-Doku ihre Reichweite befeuert

 

Neues Medium, weltweites Sendungsbewusstsein: Die Doku "Yes She Can - Frauen verändern die Welt" von Digital-Expertin und Netzwerkerin Tijen Onaran ist ab 1. Mai exklusiv auf der Streaming-Plattform zu sehen. Im kress.de-Interview erklärt sie die Hintergründe - und wie herausfordernd die Dreh-Erfahrung für sie war.

kress.de: Frau Onaran, beeindruckend, mit welcher Energie Sie Ihre wichtigen Themen vorantreiben und immer wieder in die Öffentlichkeit bringen. Trotzdem: Eine Dokumentation bei Amazon Prime ist ja keine Selbstverständlichkeit. Wie kam denn diese neue Zusammenarbeit zustande?

Tijen Onaran: Die Krise hat uns noch kreativer gemacht! Denn die Dokumentation "Yes She Can - Frauen verändern die Welt" wurde tatsächlich aus der Coronasituation geboren. Seit 2018 veranstalten wir erfolgreich den Digital Female Leader Award (DFLA), mit dem wir Frauen in der Digitalwirtschaft, ihre Geschichten und Errungenschaften sichtbar machen. Als dann letztes Jahr absehbar war, dass die Award-Veranstaltung im Herbst nicht stattfinden kann, haben wir kurzerhand nach neuen Möglichkeiten gesucht, diesen großartigen Frauen eine Bühne zu bieten. Und so entstand die Idee zur Dokumentation. Viele der Protagonist*innen sind aktuelle oder ehemalige Preisträgerinnen bzw. Nominierte des DLFA und sie alle waren sofort begeistert von unserer Idee. Mit dieser sind wir dann an Amazon Deutschland herangetreten und konnten sie schnell als Partner gewinnen.

"Sollte ich eines Tages mein Lampenfieber verlieren, muss ich den Job wechseln. Denn die Aufregung führt dazu, dass ich konzentriert und fokussiert bei der Sache bin."

kress.de: Wer Sie aus der öffentlichen Diskussion, von Konferenzen oder aus Talks kennt, weiß nur gut, dass Scheu vor einer Kamera sicher kein Thema für Sie sein dürfte. Wie hat es sich aber trotzdem angefühlt, einmal den Film als Medium und Bühne zu nützen?

Tijen Onaran: Ich bin immer aufgeregt. Sollte ich eines Tages mein Lampenfieber verlieren, muss ich den Job wechseln. Denn die Aufregung führt dazu, dass ich konzentriert und fokussiert bei der Sache bin, außerdem zeigt es, dass alles was ich mache voller Leidenschaft ist. Der Film war in der Tat absolutes Neuland für mein Team und mich. Nicht weil eine Kamera unsere Arbeit begleitet hat, sondern weil wir wollten, dass die Geschichten der Frauen bestmöglich erzählt werden. Das ist uns gelungen! Während der Dreharbeiten habe ich selbst gar nicht begriffen, welchen Meilenstein wir da mit Global Digital Women gehen, aber als ich die Dokumentation das erste Mal sah, war ich einfach nur extrem stolz und glücklich. Diversität. Mein Ziel ist es Frauen und ihre Geschichten auf die Bildschirme dieser Welt zu bringen. Jetzt fangen wir mit einer deutschsprachigen Dokumentation auf Amazon Prime Video an und überlegen schon wieder was als Nächstes kommen kann.

kress.de: Im Digitalen stricken Sie bekanntlich schon lange sehr verlässliche, belastbare Netze. Wie viel mehr Öffentlichkeit schafft dann aber doch das Medium TV oder Streaming - und das auch weltweit?

Tijen Onaran: Mit der Dokumentation geht es uns darum, Menschen zu erreichen, die wir sonst nicht erreichen würden. Und genau darum geht es uns: Themen rund um Gleichberechtigung, Geschlechtergerechtigkeit, gleiche Bezahlung, Vereinbarkeit Familie und Beruf in die Breite der Gesellschaft zu tragen! Ich bin mir sicher es werden sich diese Dokumentation ganz viele Menschen anschauen, die uns sowieso schon folgen und von Geschlechtervielfalt überzeugt sind. Aber genauso sicher bin ich mir, dass auch Menschen die Dokumentation anschauen, weil sie zufällig auf Amazon Prime Video surfen und dann sich denken: Was hat es dann mit diesen knalligen Farben und der Aufschrift: "Yes she can – Frauen verändern die Welt" zu tun? Dann werden sie sich die Dokumentation anschauen, nachdenken, mit anderen diskutieren, sie weiterempfehlen oder eben auch in Frage stellen. Genau darum es uns mit der Dokumentation: nicht über Frauen zu sprechen, sondern sie selbst zu Wort kommen zu lassen! Diversität geht uns alle an, nicht nur einen elitären Kreis von Menschen, die es sowieso schon verstanden haben!

"Wenn uns die Pandemie eines lehrt, dann sind es Flexibilität und Anpassungsfähigkeit."

kress.de: Wie kniffelig war es, die Protagonistinnen für die Dokumentation zusammenzutrommeln und für Auftritte vor der Kamera zu bewegen - auch mit Blick auf nicht ganz leichtes Arbeiten im Corona-Modus?

Tijen Onaran: Die Protagonist*innen waren von Anfang an begeistert von der Idee. Natürlich war das Arbeiten unter Corona-Bedingungen nicht immer ganz einfach, wir mussten mehrfach unsere Drehpläne umwerfen und uns immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen. Die Drehs fanden natürlich immer unter Einhaltung strenger Sicherheitsmaßnahmen statt, und am Ende hat alles geklappt. Wenn uns die Pandemie eines lehrt, dann sind es Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, das haben wir auch bei diesem Projekt gelernt. Unsere große Stärke ist immer: wir erfinden uns jeden Tag neu. Genau das braucht es in Zeiten in denen Planbarkeit die Ausnahme bleibt.

kress.de: Nach welchen Kriterien haben Sie die Gründerinnen, Medienpersönlichkeiten, Geschäftsführerinnen und Expertinnen ausgewählt?

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Tijen Onaran: Die meisten Protagonist*innen sind Teil unserer Digital Female Leader Award Community, und wir wollten hier eine möglichst große Bandbreite an verschiedenen persönlichen Geschichten, Sichtweisen und Karrieren zeigen. Und zusätzlich haben wir noch Expertinnen und Fürsprecherinnen für Diversität und Chancengleichheit vor die Kamera gebeten. Eines kann ich aber sagen: Wir haben noch Geschichten und Gesichter für mindestens 20 Folgen.

"Wir haben uns bewusst für Amazon Prime Video entschieden, da es uns auch wichtig war, dass sich das Unternehmen selbst im Diversity-Bereich engagiert."

kress.de: Wie viel können deutsche Medienschaffende eigentlich von US-geprägten Unternehmen lernen, in wie fern nimmt Amazon das Thema Diversity in der täglichen Praxis ernster?

Tijen Onaran: Ich merke immer wieder, dass wir in Deutschland noch weit hinten dran sind was das Thema Diversity betrifft. Erst seit letztem Jahr, auch durch die Diskussion rund um die Frauenquote, sehe ich auch, dass deutsche Unternehmen echte Veränderung anstoßen – ehrlich gesagt auch, weil sie es müssen. Nicht nur, weil es im Bereich der DAX-Unternehmen politische Rahmenbedingungen gibt, die sie einhalten müssen, sondern weil gerade junge Talente nur bei Unternehmen möchten, die auch divers und inklusiv sind. Diese Tatsache haben die meisten US-Konzerne schon längst begriffen und gehen das Thema Diversity auch anders und viel breiter an. Übrigens auch was das Thema Filme, Dokumentationen, Regieführung und Cast Besetzung betrifft. Weil sie wissen, dass nur das geschaut wird, was auch eine breite Zielgruppe anspricht! Wir haben uns mit Global Digital Women bewusst für Amazon Prime Video entschieden, da es uns auch wichtig war, dass sich das Unternehmen selbst im Diversity-Bereich engagiert. Den Praxistest hatten wir mit Global Digital Women schon einige Jahre, da Amazon ein langer Partner von uns ist. Ob Equal Pay, Anteil von Frauen in Führungspositionen, aber auch "he for she": also Männer, die sich für das Thema einsetzen. Übrigens: Gerade Letzteres ist so wichtig. Nicht nur Frauen sollten für Frauenrechte stark machen, sondern auch Männer. Denn Frauenrechte sind Menschenrechte!

kress.de: "Yes she Can" ist nicht nur ein sehr positiver, sondern auch ein aufmunternder, appellativer Titel für die Doku: Der stammt doch sicher von Ihnen?

Tijen Onaran: Der Titel ist im Teamwork entstanden. Wir haben nach einem Titel für die Doku gesucht, der auf den Punkt bringt, worum es hier geht: Frauen können alles schaffen, und sie verändern jeden Tag die Welt, im großen wie im kleinen. Weibliche Role Models spielen dabei eine ganz wichtige Rolle, denn sie beweisen: alles ist möglich! Und das wollen wir mir dieser Dokumentation zeigen: "Yes She Can" – das gilt für jede Frau.

Zur Person: Tijen Onaran ist Unternehmerin, Autorin, Speakerin und Moderatorin. Mit ihrem Unternehmen Global Digital Women berät sie Unternehmen in Diversitätsfragen, vernetzt Frauen aus der Digitalbranche und macht diese sichtbar.

Zum Filmprojekt "Yes She Can - Frauen verändern die Welt": In der rund einstündigen Dokumentation sprechen unter anderem Tijen Onaran, Wiebke Ankersen (Geschäftsführerin AllBright Stiftung), Judith Gerlach (Bayerische Staatsministerin für Digitales), Susan Arndt, (Kulturwissenschaftlerin und Erfolgsautorin) sowie zahlreiche Gründerinnen, Geschäftsführerinnen und Expert*innen über Wege, wie Gender Equality von der Theorie zur Praxis gebracht werden kann. Der Film ist ab 1. Mai exklusiv bei Amazon Prime Video zu sehen.

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