Warum zensiert das ZDF einen Beitrag über Axel Springer und den BDZV?

 

Ein "Heute Journal"-Beitrag vom November über die Turbulenzen bei Axel Springer und die Präsidiumssitzung des BDZV ist in der ZDF-Mediathek nicht mehr auffindbar, berichtet "kress pro" in der aktuellen Ausgabe.

Auszug aus der aktuellen Ausgabe von kress pro, dem Magazin für Führungskräfte in Medien:

Warum zensiert das ZDF einen Beitrag über Axel Springer und den BDZV?

Das ist eine sehr gute Frage, die wir aber leider nicht beantworten können. Unsere Anfrage dazu an die Kommunikationsabteilung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) lief leider ins Leere.

Aber der Reihe nach: Am 24. November berichtete das von Marietta Slomka moderierte "Heute Journal" in Wort und Bild über die Turbulenzen bei Axel Springer und die Präsidiumssitzung des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), der seinem Präsidenten Mathias Döpfner nach dessen umstrittenen Äußerungen den Rücken stärkte.

Dieser Beitrag, das bestätigt das ZDF, ist online nicht mehr abrufbar. "Aus rechtlichen Gründen kann der Beitrag leider nicht in der Mediathek bereitgestellt wer- den", teilte man mit und wehrte Nachfragen zu den Gründen entschieden ab.

Nun darf ich sagen, dass ich Augenzeuge des unter geheimnisvollen Umständen verschwundenen Beitrags bin und mir auf den ersten Blick nichts Justiziables aufgefallen wäre. Döpfner kam einfach nicht sehr gut weg, was auch damit zu tun haben könnte, dass Axel Springer bei ARD und ZDF wegen der scharfen Berichterstattung der "Bild" nicht wirklich viele Freunde hat. Springer allerdings hat gegen den Beitrag nicht geklagt, hält der Konzern fest und wundert sich ebenfalls, dass der Beitrag nicht mehr abrufbar ist.

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Wir sind noch unentschlossen, was wir eigentlich merkwürdiger finden sollen: Die klammheimliche Zensur eines Beitrags, den Millionen Menschen live gesehen haben. Oder die Weigerung dafür, einen Grund zu nennen. Wenn es in Teilen der Bevölkerung Vorbehalte gegen die öffentlich-rechtlichen Sender gibt, trägt so ein Verhalten sicher nicht dazu bei, das Vertrauen zu steigern. Ich meine: Was passiert als Nächstes? Schneidet man Politiker bald aus den "Heute"-Nachrichten?

Nachtrag: Nach der Veröffentlichung des "kress pro"-Berichts erreicht die kress-Redaktion über informelle Kanäle doch noch eine Begründung für die Löschung. Offenbar sind in dem fraglichen "Heute Journal"-Beitrag juristisch angreifbare Passagen, so dass das ZDF entschied, den Beitrag lieber offline zu nehmen. An der mangenden Kommunikation und fehlenden Transparenz zur Löschung gab es allerdings auch Sender-intern Kritik.

Update! Nach Veröffentlichung des Berichts auf kress.de teilte ein ZDF-Sprecher am Montag mit: "Der Beitrag ist aus rechtlichen Gründen nicht mehr in der ZDFmediathek verfügbar. Die zuständige Redaktion hat ihn wegen einer ungenauen Formulierung zurückgezogen. Der Springer-Verlag hat sich über den Beitrag weder beschwert noch die Veröffentlichung in der Mediathek verhindert. Die Entscheidung wurde innerhalb des ZDF getroffen."

[...] Aus der aktuellen kress pro-Kolumne "Aus unseren Kreisen". Chefredakteur Markus Wiegand befasst sich darin auch mit folgenden Fragen: Droht bei der SWMH ein Stellenabbau? Hat Mathias Döpfner eine große Entourage? Von welchen Medienprofis im Bundestag wird man noch hören? Wie läuft Bild TV? 

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