Doktor Döpfner: Wer hat ihn angeschwärzt?

 

Plagiatsgutacher Martin Heidingsfelder sagt im neuen kress pro, warum er Springer-Chef Mathias Döpfner ins Visier genommen hat und warum der Manager seinen Doktortitel verlieren sollte.

Auszug aus dem neuen kress pro, Magazin für Führungskräfte in Medien:

kress pro: Herr Heidingsfelder, Sie haben für ziemlich viel Aufruhr in der Medienszene gesorgt, weil Sie Springer-Chef Mathias Döpfner beschuldigt haben, in seiner Dissertation gemogelt zu haben. Warum haben Sie die Arbeit überhaupt untersucht?

Martin Heidingsfelder: In meiner Zunft ist es so, dass man einen Auftrag oder einen Hinweis bekommt. In diesem Fall habe ich einen anonymen Auftrag bekommen.

Ist das normal, dass solche Aufträge anonym abgewickelt werden?

Das kommt schon häufiger vor. Die meisten bedienen sich eines Rechtsanwalts. Ich kann Ihnen aber nicht sagen, ob das in diesem Fall auch so war oder nicht. Ich habe keinerlei Informationen über den Auftraggeber.

Entschuldigung, Herr Heidingsfelder, aber das klingt nicht sehr glaubhaft. Wollen Sie sagen, dass Sie einen Umschlag mit Bargeld bekommen haben?

Ja, ganz genau. Und meine Prüfungsergebnisse der Dissertation habe ich an eine anonyme E-Mail-Adresse geschickt.

Stört es Sie gar nicht, dass Sie nicht wissen, welche Interessen Ihr Auftraggeber verfolgt?

Nein, warum? Bild-Zeitung, Dutschke. Muss ich mehr sagen?

Aber vielleicht geht es ja einfach um eine Kampagne gegen Döpfner.

Nein! Das Ganze hatte keine kampagnenhaften Züge. Meine Ergebnisse wurden zunächst ja gar nicht publiziert.

Sie haben bereits 2020 die Dissertation geprüft. Warum haben Sie den Fall erst jetzt öffentlich gemacht?

Weil ich keinen Kontakt zum Auftraggeber herstellen konnte. Eine Rechnung ist offen geblieben und daher habe ich den Fall jetzt zu meinem gemacht. Ich habe jetzt ein Interesse.

Sie haben Ihre Erkenntnisse mit dem Material im Februar bei der Universität in Frankfurt angezeigt und Journalisten informiert. Auf Twitter haben Sie sich dann beklagt, dass niemand berichtet.

Medien haben dann einen Mitbewerber von mir mit der Prüfung beauftragt und der hat dann meine Funde bestätigt. Mein Name wurde kaum genannt, obwohl ich die Arbeit gemacht habe. Das war kein journalistisches Glanzstück.

Wird das, was Sie gefunden haben, Ihrer Meinung nach ausreichen, damit Döpfner der Doktortitel aberkannt wird? An einer anständigen Universität: ja.

Gehen Sie davon aus, dass er das wissentlich und systematisch gemacht hat?

Na klar. Ich kann doch nicht einen Nazi als Vorlage nehmen und das nicht kenntlich machen. Das ist ja lächerlich.

Als Laie gefragt: Warum sind Sie sich so sicher? Bisher geht es auf 334 Seiten doch nur um 30 Stellen.

Es geht dabei nicht um die Menge. Döpfner hat Grundregeln der Wissenschaft verletzt. Jede Generation steht auf den Schultern der vorherigen. Wir müssen uns darauf verlassen können, dass Wissenschaftler korrekt zitieren und sich nicht mit fremden Federn schmücken.

Interview: Markus Wiegand

Die Titelthemen im neuen kress pro:

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