Wehende Regenbogenflagge: Mächtig Gegenwind für FAZ-Korrespondent nach Manipulations-Vorwurf

26.07.2022
 

FAZ-Korrespondent Philip Plickert hat die Medienszene im Netz mit einem Manipulationsvorwurf gegen das ZDF in Aufruhr versetzt. Froben Homburger, Stefan Niggemeier, Daniel Bouhs, Oliver Klein, Anja Pasquay melden sich u.a. zu Wort. Es geht um eine wehende Regenbogenflagge vor dem Kanzleramt.

FAZ-Korrespondent Philip Plickert hat das ZDF wegen eines Foto zu der Meldung "Reichstag und Kanzleramt: Bund hisst Regenbogenflaggen zum CSD" angegriffen:

"Physikalisches Wunder oder Photoshop? Zwei Flaggen hängen schlapp, nur eine flattert im starken Wind". Plickert belegt das mit einem Screenshot der ZDF heute-Meldung. Plickert zieht daraus den Schluss: "Unser geliebter ÖRR würde doch niemals Bilder manipulieren, oder doch?"

SWR-Journalist Daniel Bouhs schreibt zurück: "Meine Güte. Das Foto kommt von einer Agentur. Nicht nur (wie das hinterfragte Bild) @dpa, auch andere haben das ähnlich eingefangen, siehe etwa imago-images.de/st/0163400477 Aber Hauptsache, mal flott einen Manipulationsvorwurf Richtung ÖRR platziert."

Die Replik von Stefan Niggemeier, Gründer von Übermedien, fällt deutlich härter aus: "Wenn du als einschlägig bekannter FAZ-Redakteur weißt, dass es sich viel mehr lohnt, so eine Verschwörungstheorie für deine rechten Follower rauszuhauen, als 10 Sekunden in eine Recherche zu investieren."

ZDF-Factchecker Oliver Klein stellt klar:

"Physikalisches Wunder, Photoshop ODER: FAZ-Redakteur @PhilipPlickert hat keine Ahnung und versucht krampfhaft, dem ZDF Manipulation zu unterstellen. Das ist peinlich, Kollege. Das verwendete Bild wurde nicht bearbeitet, es kam am Samstag genau so - als eines von vielen - über die dpa. Auch auf anderen Fotos wehen die Flaggen unterschiedlich. Soll vorkommen. Sieht man sogar im Video - danke @WegenerTino. Hat nix mit einem physikalischem Wunder zu tun."

Auch die dpa äußert sich zum Tweet von Philip Plickert:

"Es handelt sich um eines von mehreren Original-Fotomotiven aus dem @dpa-Bildfunk zur Regenbogenflagge vor dem Kanzleramt (und dem Reichstag). Selbstverständlich manipuliert dpa keine Bilder."

dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger macht an Plickert zugleich eine Ansage:

"Es wäre schön, wenn Sie den durch Ihren zweiteiligen Thread entstandenen falschen Eindruck transparent korrigieren könnten, lieber @PhilipPlickert."

Philip Plickert nimmt den Ball auf - und macht ihn zugleich wieder scharf: "Froben Homburger verweist auf diese Videoaufnahme. Die dpa hat das Bild nicht gefälscht. Das hab ich auch nicht behauptet. Beim ÖRR gab es allerdings schon mehrfach Fälle von Photoshop, daher ist deren Empörung etwas künstlich."

Der inzwischen gelöschte Tweet von Philip Plickert schaffte es zwischenzeitlich sogar in die Top-Trends von Twitter.

BDZV-Sprecherin Anja Pasquay zieht daraus ein ernüchterndes Fazit: "Empörung ist berechtigt. Mit etwas Recherche im Vorfeld wäre es ja zu dieser Frage gar nicht erst gekommen. Und die munter geteilten Verschwörungstheorien schaden am Ende allen Medien, auch @faznet. Man muss schnell, direkt und klar widersprechen. Das haben @dpa, @fhomburger getan. Hilft leider nur sehr begrenzt gegen die begeistert geteilten Verschwörungstheorien."

Zur Person: Philip Plickert, geboren 1979 in München. Nach Abitur und Wehrdienst Studium der Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte und Geschichte in München und London, Abschluss Master of Science. Anschließend 2007 Promotion an der Universität Tübingen mit einer ideengeschichtlichen Arbeit. Graduiertenstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung. Neben dem Studium freie Mitarbeit und Praktika bei verschiedenen Zeitungen und dem Bayerischen Rundfunk. Seit April 2007 ist Plickert Mitglied der FAZ-Wirtschaftsredaktion. Er erhielt den Ludwig-Erhard-Förderpreis für Wirtschaftspublizistik der Erhard-Stiftung und den Bruckhaus-Förderpreis der Schleyer-Stiftung. Plickert betreute zehn Jahre lang die Seite "Der Volkswirt" im FAZ-Wirtschaftsteil, außerdem war er Lehrbeauftragter an den Universitäten Frankfurt und Siegen. Buchveröffentlichungen unter anderen "Die VWL auf Sinnsuche" (2016) und "Merkel: Eine kritische Bilanz" (2017). Seit Mitte 2019 ist er Wirtschaftskorrespondent für Großbritannien und Irland mit Sitz in London. 

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