Madsack hat Option auf Oppermann-Anteile

Die Bande zwischen Madsack und der Druckerei Oppermann, die ab 2017 die Madsack-Zeitungen "Hannoversche Allgemeine" und "Neue Presse" sowie "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" drucken soll, ist noch viel enger als bislang gedacht. Madsack hat eine Option auf den Kauf von Anteilen an dem Traditionsunternehmen.

Bülend Ürük | 3. Juli 2015 um 08:58

Da schien die Welt noch in Ordnung zu sein: Madsack-Boss Thomas Düffert und Ministerpräsident Stephan Weil.

Die Bande zwischen Madsack und der Druckerei Oppermann, die ab 2017 die Madsack-Zeitungen "Hannoversche Allgemeine" und "Neue Presse" sowie "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" drucken soll, sind noch viel enger als bislang gedacht. Madsack hat eine Option auf den Kauf von Anteilen an dem Traditionsunternehmen. Entsprechende kress-Infos hat Madsack-Sprecherin Susanne Bömmel bestätigt.

DDVG auf Tauchstation

Bis zu 30 Millionen Euro will die mittelständische Oppermann Druck- und Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG in Rodenberg investieren, um den Madsack-Auftrag stemmen zu können. Die Entscheidung der Madsack-Geschäftsführung um Madsack-Boss Thomas Düffert, die Zeitungen zukünftig bei Oppermann zu drucken, beschäftigt seit Tagen auch die Landespolitik. Ministerpräsident Stephan Weil, Vorsitzender der niedersächsischen SPD, hatte Madsacks Entscheidung kritisiert, zukünftig bei einem Betrieb drucken zu wollen, dass sich nicht an den Tarif hält. Die SPD-Medienholding DDVG, größter Anteilseigner bei Madsack, hatte Weil ebenso heftig angegangen. In Hamburg, am Sitz der DDVG, ist die Aufregung groß, dass mit Weil erstmals ein mächtiger Landesfürst sich offen gegen die DDVG stellt. So etwas hat es in der SPD noch nicht gegeben! Eine kress-Anfrage wollte die DDVG (Geschäftsführer: Jens Berendsen, Matthias Linnekugel) aber nicht beantworten. Auch Madsack will die klaren Worte des SPD-Chefs Weil gegenüber kress nicht kommentieren. Schon seit Jahren druckt Oppermann bereits Madsack-eigene Titel im Berliner Format. "Oppermann ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher und hochprofessioneller Drucker", so Madsack-Sprecherin Susanne Bömmel zu kress. In die unternehmerische Führung bei Oppermann werde sich Madsack aber nicht einmischen und auch nicht fordern, dass Oppermann seine Mitarbeiter zukünftig nach Tarif bezahle, so Bömmel, die wie ein Oppermann-Sprecher zuvor betonte, dass Madsack Oppermann bei den Investitionen nicht unterstützen werde: "Oppermann wird die notwendigen Investitionen in Maschinenpark und Gebäude in zweistelliger Millionenhöhe selbst tragen.

"Option auf fünf Prozent"

"Madsack hat eine Option auf fünf Prozent an der Oppermann Druck & Verlag GmbH & Co. KG", bestätigte Susanne Bömmel gegenüber kress. Laut einem Sprecher von Oppermann würde diese Option "seit Jahren" bestehen: "Da Madsack hier in der Region marktbeherrschend ist, sind weitergehende Beteiligungen kartellrechtlich nicht möglich und stehen nicht zur Diskussion." Lutz Kokemüller, der bei Verdi in Hannover den Fachbereich Medien leitet, war am kress-Telefon am Freitagmorgen "sprachlos": "Meine Zweifel bestätigen sich, dass Madsack seine Zukunft in der Tarifflucht sieht." Am Samstag werden die in hoher Zahl organisierten Madsack-Drucker besprechen, wie sie weiter gegen die Schließung kämpfen wollen.

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