Interview mit Carsten Kaiser vom Medienhaus Lensing über E-Reader.

 

Carsten Kaiser, Medienhaus Lensing, über E-Reader: "Geschäftsmodelle mitgestalten" Carsten Kaiser (Foto), Onlinechef beim Medienhaus Lensing, fordert die Zeitungsverlage auf, sich frühzeitig mit E-Publishing zu beschäftigen. Gemeinsam mit dpa-infocom, Sony, Libri und DuMont nehmen Lensings "Ruhr Nachrichten" an einem Feldversuch -Reader teil (kress.de vom 15. Oktober 2009). "Die Verlage müssen die Diskussion darüber führen, wie sie sich künftig in der Wertschöpfungskette E-Publishing positionieren könnten", sagt Kaiser im kress-Interview. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Plattformbetreiber und Telekommunikationsunternehmen die Bedingungen für zukünftige Geschäftsmodelle den Zeitungsverlagen diktieren." Auch eine Anspielung auf Amazon, die mit dem Kindle nicht nur die Preise für E-Abos setzen, sondern auch die Kundenbeziehungen verwalten. Und auf Apple, die der Musikindustrie gezeigt haben, dass ein Song genau 99 Cent kosten darf. Das gesamte Interview - bitte umblättern!

Carsten Kaiser, Medienhaus Lensing, über E-Reader:

"Geschäftsmodelle mitgestalten"

Carsten Kaiser (Foto), Onlinechef beim Medienhaus Lensing, fordert die Zeitungsverlage auf, sich frühzeitig mit E-Publishing zu beschäftigen. Gemeinsam mit dpa-infocom, Sony, Libri und DuMont nehmen Lensings "Ruhr Nachrichten" an einem Feldversuch -Reader teil (kress.de vom 15. Oktober 2009). "Die Verlage müssen die Diskussion darüber führen, wie sie sich künftig in der Wertschöpfungskette E-Publishing positionieren könnten", sagt Kaiser im kress-Interview. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Plattformbetreiber und Telekommunikationsunternehmen die Bedingungen für zukünftige Geschäftsmodelle den Zeitungsverlagen diktieren." Auch eine Anspielung auf Amazon, die mit dem Kindle nicht nur die Preise für E-Abos setzen, sondern auch die Kundenbeziehungen verwalten. Und auf Apple, die der Musikindustrie gezeigt haben, dass ein Song genau 99 Cent kosten darf.

 

kress: Was versprechen sich die "Ruhr Nachrichten" von einem Feldversuch E-Reader?

Carsten Kaiser: Für uns geht es darum, die mobile Mediennutzung besser zu verstehen. Wir machen bereits erste Gehversuche mit einem mobilen Portal. Der inhaltliche Aspekt steht dabei ganz vorne - welche Inhalte müssen wir wo anbieten und was will der Leser auf welchen Kanal? 

 

kress: Sie bereiten eigene Inhalte für den Test auf?

Kaiser: Ja. Eine separate Onlineredaktion haben wir aus Überzeugung nicht, wir organisieren alle Kanäle von unseren Desks aus. Von hier aus wird sich ein Kollege um die Inhalte für den E-Reader kümmern. Wir setzen dabei ganz klar auf tagesaktuelle lokale Geschichten und Informationen, denn hier haben regionale Zeitungshäuser ihre Kernkompetenz, die im Internet aber noch nicht voll ausgeschöpft wird. Es lohnt sich auch, über sublokale Inhalte nachzudenken, die in der gedruckten Zeitung keinen Platz finden, weil die jeweiligen Zielgruppen zu klein sind.

 

kress: Wie aktuell können, wollen und müssen Sie denn sein?

Kaiser: Wir aktualisieren ein Mal am Tag und werden Schwerpunkte setzen. Hier ergibt sich bereits ein zentrales Problem. Denn wenn die nächste Generation der E-Reader erst einmal Browser hat, stellt sich die Frage, warum man damit nicht gleich auf die Website der Zeitung surft. Diese Frage ist für mich entscheidend - wofür sind die Leser bereit, Geld zu bezahlen? Einfach ein vorhandenes Epaper auf einen Reader zu übertragen wird jedenfalls nicht funktionieren. Wir erleben gerade eine konsequente Erweiterung der mobilen Mediennutzung, für die unter Umständen bei den Nutzern eine Bezahl-Bereitschaft vorhanden ist.

 

kress: Ein Beispiel, für welche Inhalte diese Bereitschaft besonders hoch sein könnte?

Kaiser: Neben der tagesaktuellen E-Reader Ausgabe erstellen wir auch ein Spezial zum 100-jährigen Jubiläum von Borussia Dortmund. Eine Art Special Edition Ausgabe speziell für den E-Reader. Diese wird wie ein Magazin einmal erstellt und im Shop angeboten.

 

kress: Worauf müssen Zeitungsverlage jetzt achten?

Kaiser: Wir dürfen uns vor allem nicht vom technischen Fortschritt und den Geschäftsmodellen abkoppeln. Dann sind wir wie im Internet nur noch diejenigen, die die Inhalte zuliefern und stehen gleich wieder hintendran.

 

kress: Bedeutet was?

Kaiser: Es geht darum, unsere Kapazitäten und Stärken zu bündeln, um möglichst abgestimmt vorzugehen. Die Verlage müssen frühzeitig die Diskussion darüber führen, wie sie sich künftig in der Wertschöpfungskette E-Publishing positionieren könnten. Ansonsten besteht für uns die Gefahr, dass die Plattformbetreiber und Telekommunikationsunternehmen die Bedingungen für zukünftige Geschäftsmodelle den Zeitungsverlagen diktierten. Vor allem die Telekommunikationskonzerne werden ein hohes Interesse haben, wie beim Zugang zum Internet die Kundenbeziehungen zu betreuen und Ihre Datenpakete zu verkaufen. Da müssen wir als Branche frühzeitig mitreden und die Geschäftsmodelle mitgestalten. Kleinere und mittelgroße Verlagshäuser können in der Regel auf sich allein gestellt keinen Einfluss nehmen.

 

kress: Wie geht es weiter?

Kaiser: Wir suchen Ende Oktober 20 Leser, die beim Feldversuch mitmachen und werten die Ergebnisse danach aus. Klar ist: Die Marktdynamik ist unglaublich groß. Es werden viele Dinge passieren im nächsten Jahr.

 

Einen umfassenden E-Reader-Report mit den Strategien der Gerätehersteller und der Telekommunikationskonzerne und den Fragen, die Verlage von Zeitungen und Zeitschriften sich jetzt stellen müssen, lesen Abonnenten des kressreport in der aktuellen Ausgabe 21/2009. Sie können auch hier ein Einzelheft bestellen.  

 

Interview: Christian Meier

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