Wolfram Weimer und Uli Baur bilden "Focus"-Doppelspitze.

 

Neue Ära beim "Focus": Weimer beerbt Markwort Der "Cicero"-Gründer und ehemalige "Welt"-Chefredakteur Wolfram Weimer, 44 (Foto l.), wird ab Herbst  2010 "Focus"-Chef. Er löst Helmut Markwort (r.) an der Spitze des von ihm gegründeten Nachrichtenmagazins ab. Weimer leitet die Redaktion gemeinsam mit Uli Baur, Markworts Co-Chef. Markwort selbst zieht sich ganz auf den Posten des Herausgebers zurück. Der "Erste Journalist" des Hauses Burda werde seinen Vertrag als Vorstandsmitglied bis Ende 2010 erfüllen, heißt es in einer Pressemitteilung. Was danach mit seinem Verantwortungsbereich geschieht - umblättern!

Neue Ära beim "Focus":

 

Weimer beerbt Markwort

Der "Cicero"-Gründer und ehemalige "Welt"-Chefredakteur Wolfram Weimer, 44 (Foto l.), wird ab Herbst  2010 "Focus"-Chef. Er löst Helmut Markwort (r.) an der Spitze des von ihm gegründeten Nachrichtenmagazins ab. Weimer leitet die Redaktion gemeinsam mit Uli Baur, Markworts Co-Chef. Markwort selbst zieht sich ganz auf den Posten des Herausgebers zurück. Der "Erste Journalist" des Hauses Burda werde seinen Vertrag als Vorstandsmitglied bis Ende 2010 erfüllen, heißt es in einer Pressemitteilung.

 

Ab 2011 fallen der Focus Magazin Verlag, die Verlagsgruppe Milchstrasse und der Playboy-Verlag in die Verantwortung von Vorstand Philipp Welte. Welte, ohnehin schon seit seiner Rückkehr zu Burda mit allerlei Macht ausgestattet, vergrößert damit seinen Einflussbereich noch einmal deutlich. Die Radio- und TV-Beteiligungen übernimmt Weltes Vorstandskollege Paul-Bernhard Kallen. Einen Nachfolger als "Ersten Journalisten" im Burda-Vorstand hat Helmut Markwort damit nicht. 

 

Mit der Ernennung Weimers durch Verlagschef Hubert Burda und Markwort selbst ist eine jahrelange Lieblingsspekulation der Branche, wie lange Markwort noch an der Spitze "seines" Magazins bleibt, endlich beantwortet. Der "Focus" war die Krönung des Lebenswerks Markworts und brachte ihm den ewigen Dank von Hubert Burda ein.

 

"Focus"-Auflage auf Rekordtief

 

Allerdings hat das als "Spiegel"-Konkurrent gestartete Magazin in letzter Zeit schwer zu kämpfen. Die Auflage sank deutlich, zuletzt um 22% auf 614.032 durchschnittlich verkaufte Exemplare (IVW III/2009). Vor sechs Jahren verkaufte Burda noch rund 200.000 Exemplare mehr, was zu einem Teil aber auch einer exorbitant hohen Bordauflage zu verdanken war. Die Anzeigenkrise macht dem Verlag zudem finanziell schwer zu schaffen. Es ist fraglich, ob der personell üppig ausgestattete "Focus" aktuell überhaupt profitabel arbeitet. Markwort, der als exzellenter Chef gilt, hat sich immer schützend vor seine Mitarbeiter gestellt und so sicherlich die ein oder andere Entlassung aus Kostengründen verhindert. Auch das Magazin "Focus Money" dürfte es nur noch geben, weil Markwort es gegen den ehemaligen Vorstand Jürgen Todenhöfer mit allen Mitteln verteidigte.

 

Abkehr vom Nutzwert-Journalismus 

 

Auf Weimer kommt nun ein großer Berg Arbeit zu. Auch inhaltlich, denn die "Focus"-Formel scheint bei immer weniger Lesern anzukommen. Nach kress-Informationen wünscht sich Burda von Weimer eine Neuausrichtung des Wochenmagazins - hin zu mehr "harten" Geschichten, weg vom Nutzwert. "Mehr 'Spiegel', weniger 'Guter Rat'", heißt es hinter den Kulissen. Der Ansatz, den Lesern "Fakten, Fakten, Fakten" zu geben, die für das tägliche Leben hilfreich sein sollen - Wo sind die besten Ärzte? Wie nehme ich schnell ab? Wie werde ich glücklich? - verfängt nicht mehr. Den scheidenden Chefredakteur Markwort dürfte diese Tatsache besonders schmerzen.   

 

Der "Focus" hat bei seinem Start 1993 die Zeitschriftenbranche belebt: Die im Verhältnis zum "Spiegel" kurzen Artikel und die ausgiebige Verwendung von Infografiken wirkte wie ein Energiestoß, auch auf den bis Mitte der 90er optisch langweiligen "Spiegel".  Markwort selbst hatte im vergangenen Jahr noch einmal einen Veränderungskurs eingeschlagen und die interne "Initiative Z" gestartet - eine Entwicklungsredaktion für eine Überarbeitung des "Focus" (kress.de vom 15. Mai 2009). Erste Ergebnisse sollten 2010 zu sehen sein. Doch die müsste der neue Chef natürlich mittragen. 

 

Weimer hat sich mit "Cicero" neu erfunden

 

Wolfram Weimer hatte in den vergangenen Jahren seit seinem Abschied bei Springer eines der wenigen anspruchsvollen Zeitschriftenprojekte gestartet, das sich als tragfähig erwies. Das Debattenmagazin "Cicero", für das nun ein neuer Chefredakteur an der Spitze gefunden werden muss, wird für den Ringier-Verlag sicher keine Gelddruckmaschine sein, doch es steigerte den Ruf des Boulevardverlegers und gewinnt kontinuierlich an Auflage. Hubert Burda dürfte gefallen haben, dass Weimer sich mit "Cicero" quasi neu erfunden hat. Weimers liberal-konservative Ausrichtung passt zudem zum Hause Burda. 

Christian Meier

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