kress-Startcheck: "Der Immobilienfürst/Rosins Restaurant" (kabel eins).

25.11.2009
 rs
 

kress-Startcheck: "Der Immobilienfürst/Rosins Restaurant" (kabel eins)Noch mehr porentiefe PenetranzWer sich auf Dokusoaps im deutschen Fernsehen einlässt, braucht sehr ruhiges Blut. Banalste Alltagsvorgänge werden so lange ausgewalzt und durch immer neue Rück- und Vorausblenden therapeutisch aufbereitet, dass entweder allerorten der Groschen fällt - oder Schockstarre einsetzt. Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein (Foto) kennt die Regeln des Genres und macht am neuen kabel eins-Dokusoap-Abend als "Der Immobilienfürst" daher zunächst wenig falsch. Wie ein Pferdedoktor auf das liebe Vieh spricht der ehemalige Stadionsprecher von 1860 München Hans-Martin und Patricia Rasquin ins Gewissen. Die überschuldeten Häuslebesitzer aus dem Westerwald stehen kurz vor dem Bankrott, jetzt muss der Fürst seinen wuchtigen Charme spielen lassen. Ähnlich die Lehrstunde, die Starkoch Frank Rosin den Pächtern der Alten Veste in "Rosins Restaurant - Ein Sternekoch räumt auf!", abhielt: Auch hier breitete sich breiartig die Redundanz aus. Nicht ganz überraschendes Fazit: Beide Neustarts wirken so unoriginell vertraut, dass sie weite Teile der Fernsehgemeinde schlicht übersah. Woran das liegt? Umblättern!

kress-Startcheck: "Der Immobilienfürst/Rosins Restaurant" (kabel eins)

Noch mehr porentiefe Penetranz

Wer sich auf Dokusoaps im deutschen Fernsehen einlässt, braucht sehr ruhiges Blut. Banalste Alltagsvorgänge werden so lange ausgewalzt und durch immer neue Rück- und Vorausblenden therapeutisch aufbereitet, dass entweder allerorten der Groschen fällt - oder Schockstarre einsetzt. Karl-Heinz Richard Fürst von Sayn-Wittgenstein (Foto) kennt die Regeln des Genres und macht als "Der Immobilienfürst" am neuen kabel eins-Dokusoap-Abend daher zunächst wenig falsch. Wie ein Pferdedoktor auf das liebe Vieh spricht der ehemalige Stadionsprecher von 1860 München Hans-Martin und Patricia Rasquin ins Gewissen. Die überschuldeten Häuslebesitzer aus dem Westerwald stehen kurz vor dem Bankrott, jetzt muss der Fürst seinen wuchtigen Charme spielen lassen. Ähnlich die Lehrstunde, die Starkoch Frank Rosin den Pächtern der Alten Veste in "Rosins Restaurant - Ein Sternekoch räumt auf!", abhielt: Auch hier breitete sich breiartig die Redundanz aus.

 

Die Entscheidung, die bisherige leidlich erfolgreiche Spielfilm-Programmierung am Dienstag (Marktanteil "Fletchers Visionen" aus der Vorwoche: 4,9%) aufzugeben, kam überraschend. Eingeleitet durch neue Folgen der Nesthocker-Soap "Schluss mit Hotel Mama!", die offenbar nur 1,01 Mio Gesamtzuschauer, darunter 710.000 Jüngere, vermisst hatten (Marktanteil: 5,0%), startete der Dokusoap-Dienstag auf kabel eins recht verhalten. "Der Immobilienfürst" bannte mit seinem bajuwarischen Rosstäuscher-Parlando 1,13 Mio Zuschauer ab drei Jahren, darunter 690.000 Werberelevante, vor den Schirm. Mit einem schwächlichen Marktanteil von 5,0% lag der adoptierte Aufsteigerprinz genauso weit unter dem derzeitigen kabel eins-Schnitt von 6,1%. Trotz frecher Sprüche und einer Statur vom Schlage Otti Fischer lässt sich Sayn-Wittgenstein nicht über Nacht als neues wiedererkennbares Original vermarkten. Trotzdem hat der Pfundskerl Potenzial: "Wenn's sein muss, spiel ich den Kasperl vor der Kamera", sagte er im Vorfeld. Bei Bedarf kann auch stilistisch noch nachgewürzt werden. "Manchmal sag ich ein paar Sprüche", posaunte er, "und schon wird der Redakteur blass." 

 

Der dritte Neustart, "Rosins Restaurant - Ein Sternekoch räumt auf!", verzeichnete mit nur 910.000 Gesamtzuschauern, darunter 450.000 Jüngeren, die schwächste Bilanz. Trotz vorgerückter Uhrzeit lag der Zielgruppen-Marktanteil nur bei versalzenen 5,0%. Dem mehrfach ausgezeichneten Erfolgskoch stehen vermutlich genau seine eigenen Meriten im Weg. Während der "Immobilienfürst" bereitwillig dampfplauderte, fehlte Frank Rosin häufig das Quentchen Einfühlungsvermögen in schlichtere Sachverhalte und Gemüter. War seine Kritik am schluffigen Service und den lieblos arrangierten Nachspeisen doch berechtigt, wirkte seine Kritik - anders als beim RTL-Starkoch Christian Rach, dessen augenzwinkernder Charme ihm fehlt - häufig herablassend und zu barsch.

 

Gebucht waren die Werbespots mit der üblichen Angebotspalette für die Haushaltsführenden - von Hundefutter bis Pralinen. Die Auslastung blieb damit Genre-typisch, schon bald werden Mediaplaner aber angesichts der unterdurchschnittlichen Performance nachhaken müssen. Auffällig war der breite Platz, der senderinternen Querverweisen, etwa auf die Musiksendung "Number One!", gewidmet wurde, so dass die Spotdichte ihre Obergrenze noch längst nicht erreicht haben dürfte.   

 

Fazit: Während Fürst Sayn-Wittgensteins Charme wenigstens ausbaufähig wirkt, bietet Frank Rosins viel beworbenes Konzept keine wirkliche Alternative zu den zahlreichen Koch-Konkurrenten.

Rupert Sommer

 rs

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