Burda Style Group Digital: Schwarze Zahlen bis 2011

 

Patrick Fischer (Foto), 34, und Patrick Wölke, 35, sollen die Motoren des Digital-Ablegers der von Burda-Vorstand Philipp Welte gegründeten Style Group sein. Ein schneller Erfolg wird erwartet: In nur 12 Monaten soll die Style Group im Netz ("bunte.de", "burda-style.de")  in die schwarzen Zahlen kommen. Bisher sorgte keine Website der Gruppe für Aufsehen. Eher im Gegenteil. Nun sollen es junge Themen bei "bunte.de" richten und eine iPhone-App, "instyle.de" bekommt einen Relaunch.

Patrick Fischer, 34, und Patrick Wölke, 35, sollen die Motoren des Digital-Ablegers der von Burda-Vorstand Philipp Welte gegründeten Style Group sein. Ein schneller Erfolg wird erwartet: In nur 12 Monaten soll die Style Group im Netz ("bunte.de", "burda-style.de")  in die schwarzen Zahlen kommen. Patrick Fischer ist Director Innovation, wobei "Innovation“ hier in erster Linie als das Suchen nach neuen Erlösmodellen und der möglichst schnellen Monetarisierung der Seiten zu verstehen ist. Fischer kam von Bild Digital und war zuvor u.a. beim Telekom-Vermarkter Interactive Media beschäftigt. Ihm zur Seite steht Patrick Wölke, 35, der seit dem 1. Dezember als Director Programming für die inhaltliche Steuerung der Sites verantwortlich ist. Zuvor war er acht Jahre bei AOL "Head of Programming & Marketing“. Das Ziel der beiden Patricks: eine deutliche Erhöhung der Reichweite von "bunte.de" & Co. Bisher sorgte keine Website der Burda Style Group für Aufsehen. Eher im Gegenteil. Nun sollen es junge Themen bei "bunte.de" richten und eine iPhone-App, "instyle.de" bekommt einen Relaunch.

Das Geschäft mit "Bunte“ läuft bestens. Nur im Netz nicht, denn für das hat sich Print- Chefredakteurin Patricia Riekel bisher allenfalls am Rande interessiert. Nicht gerade "die hippste“ Marke im Netz sei "Bunte.de“, sagte selbst Philipp Welte neulich. Was Berlin lange Zeit den Münchner Gesellschaftslöwen galt, nämlich nicht viel, das beschreibt auch das Verhältnis "Bunte“ und Internet. Das Zusammenziehen der Frauentitel in der Style Group und die Gründung einer Online-Zentralredaktion für alle Webseiten vor einem halben Jahr schaffte dann die Voraussetzungen, "Bunte. de“ schneller und netzgemäßer zu positionieren.

"Wir setzen bei ,Bunte.de‘ extrem auf junge Themen"

"Der größte Mangel von ,Bunte.de‘ war die Nicht-Weiterentwickung der Seite“, sagt Patrick Fischer. "Die stand so zwei Jahre online.“ Fischer und "bunte.de"-Redaktionsleiter Jürgen Bruckmeier haben in den vergangenen Monaten viel dafür getan, die Seite technisch und inhaltlich auf einen neuen Stand zu bringen. Große und vor allem viele Fotos, Videos und Features wie "StarsLive“, das die Twitter-Feeds von Celebrities wie Ashton Kutcher, Ricky Martin und Paris Hilton "anzapft“ (O-Ton "Bunte.de“), lassen die gesamte Anmutung mehr auf der Höhe der Zeit erscheinen als bisher. Die Auswahl der Promis, über die berichtet wird, ist genau abgezirkelt. Star unter 40, international, möglichst aus Hollywood, so sieht das Beuteschema aus. Auch "Bild.de“ hat schon erfolgreich diesen Weg zum Reichweitenerfolg genommen (kressreport 25/2009). "Wir setzen bei ,Bunte.de‘ extrem auf junge Themen“, sagt Jürgen Bruckmeier. "Zsa Zsa Gabor, Marie-Luise Marjan und André Rieu kommen bei uns nicht vor.“

"Man soll bei uns mehr tratschen können"

Auch die Denke ist fortschrittlicher als bisher. ",Bunte.de‘ ist kein abgeschirmter Bereich“, sagt Patrick Fischer. "Wir müssen unsere Marke ins Web transportieren.“ Links, die von "Bunte.de“ wegführen, gehören dazu. Und die Erkenntnis, dass man auch mit Bloggern und anderen Netz-Multiplikatoren zusammenarbeiten kann, um sowohl Inhalte von "Bunte.de“ im Netz bekannter zu machen, als auch die eigene Website um Beiträge von außen anzureichern. "Wir müssen die journalistischen, hochqualitativen People-News um nutzergenerierte Inhalte und Blogs ergänzen“, sagt Patrick Wölke. "Ehrlich gesagt: Man soll bei uns mehr tratschen können.“ Denn wer Nutzer sprechen lässt, über den wird im besten Fall auch gesprochen.

"Es geht jetzt um die Wurst"

Trotzdem mochte sich Welte nicht allein auf die eigen Kraft der Marke verlassen. Darum hat der Burda-Manager eine strategische Allianz mit der Deutschen Telekom geschmiedet (kress.de vom 30. November 2009). Bunte.de“ beliefert das T-Online-Portal mit People- und Lifestyle-Themen, im Gegenzug sorgt die reichweitenstärkste deutsche Website für Traffic und die Vermarktung. Kritiker in- und außerhalb von Burda bezeichnen die erneute Kooperation als "Bankrotterklärung“. Burda sei es nicht gelungen, die Marke "Bunte“ im Netz so zu positionieren, dass junge Frauen von selbst auf die Webseite gehen. Dass darüber hinaus auch die Vermarktung von "Bunte. de“ (die anderen Sites bleiben bei Tomorrow Focus) wieder an Interactive Media abgegeben wird, spricht ebenfalls nicht für Vertrauen in die eigene Stärke. Dafür ist es vielleicht auch schon zu spät. "Es geht jetzt um die Wurst“, sagt ein Kenner des Hauses über das extrem wichtige Projekt.

Redakteure müssen die "Distributionskette hinter den Inhalten“ kennen

Während "Bunte.de“ intern als der "Attraktor“ gilt, der Reichweite ziehen soll, können die anderen Sites leichter Geld verdienen. Ist einmal eine Leserin auf eine der Seiten gelangt, soll sie möglichst elegant durch die Schwesterseiten geschleust werden. Jedem Redakteur müsse die "Distributionskette hinter den Inhalten“ bekannt sein, sagt Wölke. Ein Geschichten-Recycling nach dem Prinzip. "Eine Story für fünf Websites“ soll es aber nicht geben, beteuern die Macher. Trotzdem erschien Welte eine Online- Zentralredaktion sinnvoll. Warum? Effizienz, lautet die erwartbare Antwort. Mit rund 30 Mitarbeitern, davon sieben im Innovationsteam und dem Rest für Redaktionsarbeit, lassen sich nun die bisher acht Websites kostengünstiger bespielen als vorher. Und, so erfordert es die neue Welt des Journalismus in Zeiten neuer Organisationsformen zumindest in der Theorie, auch inhaltlich besser. Vor der Zusammenlegung hätten sich die Online-Redakteure der verschiedenen Titel teilweise gar nicht gekannt.

iPhone-App für "bunte.de"

"Auch der Start neuer Projekte ist kostengünstiger möglich“, sagt Patrick Wölke. Bei den acht Sites soll es nicht bleiben. Für das neue Jahr haben Fischer und Wölke einiges auf dem Zettel. Für "Bunte. de“ ist ein mobiles Portal in Vorbereitung, das von der Yoc AG entwickelt wird. Eine kostenfreie iPhone-App steht schon bald zum Abruf bereit. "instyle.de“, bisher nur eine bessere Visitenkarte im Netz, bekommt einen Relaunch. Auch über den Start eines Frauen-Verticals denkt man nach, wobei diesen Themenbereich ja eigentlich die Burda-Beteiligung Glam besetzt hat.

Den kompletten Artikel zur Aufholjagd der Burda Style Group im Netz lesen Abonnente des gedruckten kressreport in Ausgabe 01/2010. Hier geht es zur Einzelheftbestellung, hier kann man ein kostenloses Testabo abschließen.  

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