"Wir stehen vor großen Herausforderungen": Wolfgang Büchner leitet bei dpa den Wachwechsel ein

 

Wolfgang Büchner, 43, ist neuer Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa. Am Mittwoch abend wurde Wilm Herlyn, der in wenigen Tagen seinen 65. Geburtstag feiert, in Berlin verabschiedet. Der alte und der neue Chef hatten nur Gutes übereinander zu sagen. Gemeinsam sehen sie eine multimediale Zukunft für dpa voraus. "Wir stehen vor großen Herausforderungen", sagte Büchner. Die Agentur zieht im Sommer von Hamburg nach Berlin. Büchner kündigte an, nicht nur der Standort, sondern auch Arbeitsweise und Angebote von dpa änderten sich.

Wolfgang Büchner, 43, ist neuer Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa. Am Mittwoch abend wurde Wilm Herlyn, der in wenigen Tagen seinen 65. Geburtstag feiert, in Berlin verabschiedet. Der alte und der neue Chef hatten nur Gutes übereinander zu sagen. Gemeinsam sehen sie eine multimediale Zukunft für dpa voraus. "Wir stehen vor großen Herausforderungen", sagte Büchner. Die Agentur zieht im Sommer von Hamburg nach Berlin. Büchner kündigte an, nicht nur der Standort, sondern auch Arbeitsweise und Angebote von dpa änderten sich.

Büchner sagte, er empfände "Demut angesichts der Leistungen" seines Vorgängers, der 19 Jahre Chef von dpa war. Herlyn habe ihm gleich bei seinem Antritt vor einem halben Jahr angeboten, ein Büro zu teilen. "Fröhlich und tatkräftig" sei man gemeinsam zur Sache gegangen, der bevorstehende "Relaunch" von dpa sei auch ein Verdienst Herlyns, der die Voraussetzungen dafür geschaffen habe.

"Wir wollen uns wandeln"

"Wir wollen uns wandeln und unsere Dienste noch besser machen", versprach Büchner den Gästen, ein Großteil von ihnen Chefredakteure und Verlagsmanager, und damit Kunden und Gesellschafter der Nachrichtenagnetur zugleich. Büchner kündigte eine "neue multimediale Plattform" für Kunden mit neuen Angeboten an. Ebenso werde dpa zur "ersten Agentur mit Rückkanal". Die dpa-Kunden könnten sich in Zukunft "direkt in den Produktionsprozess einschalten" und den Dialog mit den dpa-Redakteuren und Korrespondenten suchen.

"Wir werden vieles ändern", bekräftigte der ehemalige AP und Reuters-Journalist Büchner, der zuletzt Co-Chefredakteur von "Spiegel Online" war. Die Grundsätze der Agentur - Unabhängigkeit, Überparteilichkeit, Gründlichkeit, Glaubwürdigkeit - werde man weiter hoch halten.

Karlheinz Röthemeier, Chef des Aufsichtsrates von dpa und bis 2005 fast 20 Jahre Geschäftsführer der Verlagsgruppe Rhein Main, hatte dieselbe Botschaft. Die Deutsche Presse-Agentur sei als "Deutschlands einzige Vollagentur" - dies freilich ein Seitenhieb in Richtung des Konkurrenten ddp, der kürzlich AP Deutschland hinzugekauft hatte - ein "verlässlicher Partner". Weder werde dpa "von Finanzinvestoren gelenkt" (auch dies ein Verweis auf ddp), noch lasse man sich politisch lenken (dies wirft man gerne der französischen Agentur AFP vor, die vom Staat mitfinanziert wird).

Umzugspläne nach Berlin schon 2001 gewälzt

Seinen Abschied bei dpa habe sich Wilm Herlyn, der erst der vierte Chefredakteur in der 60jährigen Geschichte von dpa war, immer in Berlin vorgestellt. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die selber keine Rede hielt, bezeichnete Herlyn den Abend als den Höhepunkt seiner Karriere. Zu den Höhepunkten zähle auch die Entscheidung im Mai vergangenen Jahres, mit der Redaktion von dpa nach Berlin zu ziehen. Die erste Skizze zu diesem Plan habe er im September 2001 entworfen, verriet Herlyn, der bei der "Welt" volontierte und später bei "Bunte" und "Rheinischer Post" arbeitete.

Als eine Großtat von Herlyn, der Kunst mag und es auch in seinem Büro gerne farbenfroh hat, gilt die Einführung des Ressorts Vermischtes im Jahr 1998. In einem Interview mit der "Süddeutschen" sagte er im Februar vergangenen Jahres, viele dpa-Schreiber verharrten in einer "schrecklich altbackenen Nachrichtensprache": "Ich komme von der Zeitung, mir sträuben sich auch oft die Haare." Kritiker wenden ein, Herlyn habe es offenbar in den fast 20 Jahren seiner Amtszeit nicht geschafft, eben dieses zu ändern.

Als Geschenk gab´s von den Mitarbeitern eine Galeonsfigur

Herlyn, der laut Röthemeier "herausragende Arbeit", z.B. beim schnellen Aufbau von dpa-Büros in Ostdeutschland, geleistet und "viele kluge Entscheidungen" getroffen habe, pflegt bei öffentlichen Auftritten immer auch eine nonchalante Note. Einen Fauxpas leistete er sich im September 2006, als er ein Foto des befreundeten Heiner Bremer mit nacktem Oberkörper als "Bild"-Leserreporter einschickte. Prompt wurde der Pinup-Boy in "Bild" veröffentlicht (das Foto ist nicht mehr online). Die 500 Euro Honorar werde er in der Toskana für gutes Essen ausgeben, wo er mit Bremer und den Ehefrauen urlaube, kündigte Herlyn zunächst an. Dann spendete er das Honorar doch lieber. Von seinen Mitarbeitern hat Herlyn übrigens eine Galeonsfigur aus Holz geschenkt bekommen, die ihn dem Vernehmen nach spontan begeistert habe.

Die "multimediale Neuausrichtung der Redaktion" (Röthemeier) hat trotz des reibungsfreien Chefwechsels ihre Schattenseiten für die Mitarbeiter. Wie viele der vom Umzug betroffenen 270 Redakteure von Hamburg nach Berlin ziehen, ist unklar. Ende Januar soll die Zahl feststehen. Klar ist hingegen, dass das Nachrichtenunternehmen sparen muss. Das Kerngeschäft, der Verkauf von Nachrichten, bröckelt mit der sinkenden Auflage der Hauptkunden von Regionalzeitungsverlagen. Neue, multimediale Angebote und damit Erlösquellen, müssen her. Er wünsche ihm viel "Stehvermögen", bereitete Aufsichtsrat Röthemeier den neuen Chef Büchner auf die Zukunft vor.

Unter den Gästen bei der Verabschiedung Herlyns im Berliner "Römischen Hof" waren u.a. Springer-Chef Mathias Döpfner, Gruner+Jahr-Boss Bernd Buchholz, Konstantin Neven DuMont, Helmut Markwort und Patricia Riekel sowie zahlreiche weitere hochrangige Medienpromis.

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