Gekauftes Lob? "SZ"-Kampagne für App ging daneben

18.01.2010
 

Die "Süddeutsche Zeitung" hat versucht, sich Blogposts über ihre iPhone-App zu kaufen. Das berichtet Jan Tißler in dem Blog "Upload-Magazin". Die "SZ" habe den Schweizer Dienstleister Trigami damit beauftragt, "Advertorials" bei Bloggern unter zu bringen. Peter Bilz-Wohlgemuth, Marketingleiter bei "sueddeutsche.de",bestätigt in einem Kommentar bei "Upload", Trigami beauftragt zu haben - allerdings habe man keine "lobenden" Blogbeiträge gekauft. Das Ganze sei als Viral-Kampagne gedacht gewesen.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat versucht, sich Blogposts über ihre iPhone-App zu kaufen. Das berichtet Jan Tißler in dem Blog "Upload-Magazin". Die "SZ" habe den Schweizer Dienstleister Trigami damit beauftragt, "Advertorials" bei Bloggern unter zu bringen.

Peter Bilz-Wohlgemuth
, Marketingleiter bei "sueddeutsche.de", bestätigt in einem Kommentar bei "Upload", Trigami beauftragt zu haben - allerdings habe man keine "lobenden" Blogbeiträge gekauft. Das Ganze sei als Viral-Kampagne gedacht gewesen - positive Inhalte sollten eigentlich nicht vorgeschrieben werden.

"Das war ein Fehler", räumt Bilz-Wohlgemuth weiter ein. Zukünftig werde man von solchen Marketing-Maßnahmen Abstand nehmen - die aktuelle Kampagne sei gestoppt, die Zusammenarbeit mit Trigami beendet.

Der Marketingleiter versucht mit seinem Kommentar, die Entrüstung über die Kampagne von der "SZ" auf Trigami umzulenken. Trigami hat sowohl "Advertorials" mit "100% positiven Berichten" als auch objektive "Test Reviews" im Angebot, bei denen Blogger Produkte testen und ihre eigene Meinung dazu abgeben.

"Upload"-Autor Tißler gibt an, die Angebotsunterlagen von Trigami für ein "Advertorial" zur SZ-App vorliegen zu haben. Auf Bilz-Wohlgemuth entgegnet er: "Hat sich dann also jemand bei Ihnen verklickt, als er sich für Inhaltskontrolle entschieden hat? Dann wäre es ja nur konsequent, die Kampagne erneut zu starten und diesmal als Text-Review, damit die Blogger ihre ehrliche Meinung schreiben können – was sie ja nach Ihren Worten von Anfang an sollten."

Inzwischen hat sich auch Trigami-Geschäftsführer Remo Uherek zu Wort gemeldet - ebenfalls in Form eines Kommentars bei "Upload": "Wir als Trigami haben grossen (sic!) Mist gebaut! Punkt." Interne Fehler hätten dazu geführt, dass aus der Kampagne eine "Advertorial"- und keine "Text Review"-Kampagne geworden ist.

Er gibt sich zerknirscht und gelobt Besserung: "Ich bedaure diese Situation und ich entschuldige mich bei allen Beteiligten (insbesondere der Süddeutschen Zeitung) für diese massiven Fehler unsererseits. Wir haben nun nicht nur einen renommierten Kunden verloren, sondern wir haben vielen Menschen unnötigen Stress und Kummer verursacht. Das tut mir sehr Leid!"

Einige Blogger haben das Trigami-Angebot zur SZ-App angenommen, darunter "PaderSolutions" und "Zweinullig". Die Texte sind jedoch immer mit dem Hinweis "Trigami-Anzeige" gekennzeichnet.

Update: Trigami hat die Kosten für die Kampagne der "SZ" komplett zurück erstattet. In ihrem Blog verfolgt die Agentur die Geschichte sowie die Berichterstattung in einer chronologischen Auflistung.

Ihre Kommentare
Kopf

J-Love

18.01.2010
!

Naja, die Blogger kann man nicht angreifen, sie haben ja fleißig "Anzeige" drüber geschrieben. Ich frage mich bei dem Beitrag zur SZ-App auf dem Blog www.zweinullig.de ob er oder sie da die Erwähnung des Bild Apps genehmigt bekommen hat. Im Nachhineinlöschen wäre für SZ ja total mies.
Die SZ hat da einfach einen Fehler gemacht, man hätte den Bloggern die App einfach testen lassen sollen (Trigami-Review) anstatt eine Anzeige zu schalten.


Arno Nym

18.01.2010
!

"grossen (sic!)"
... in der Schweiz gibts halt kein ß. :-)


Christian Faltin

18.01.2010
!

Es gibt sinnvollere und weniger kritische Wege, Blogger zum Testen einer neuen App zu bewegen. Zumal für eine Premium-Medienmarke wie die Süddeutsche Zeitung. Fehler können immer passieren, in diesem Fall lag der Fehler wohl im grundsätzlichen Ansatz der Kampagne.
Das Beispiel zeigt eindringlich, wie wichtig es ist, einen Bloggerkodex zu entwickeln, der berücksichtigt, dass Blogger für ihren Aufwand,das Schreiben, gelegentlich entlohnt werden wollen und wie sie ihre Leistung kennzeichnen.


Joh Keller

19.01.2010
!

Ob sich die Besser-Journalisten der Süddeutschen Zeitung auf ihrer Medienseite dem Thema wohl auch so investigativ annehmen, wie sie das bei ihren Wettbewerbern immer tun?


Marc Bartl

Marc Bartl

Johann Oberauer GmbH
Chefredakteur kress.de

19.01.2010
!

@Joh Die "SZ" berichtet morgen unter dem Titel "Missglücktes Marketing - Viral, letal" über das Thema. Der Artikel ist bereits online http://www.sueddeutsche.de/computer/412/500676/text/


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