Apple-Boss Steve Jobs' neues Baby: Es ist ein iPad!

27.01.2010
 

Genug der Halbwahrheiten: Lässig vom schwarzen Ledersessel aus landete Apple-Boss Steve Jobs am Mittwoch-Vormittag (Ortszeit) in Kalifornien seinen jüngsten Coup. Wie erwartet kommt das Apple iPad - so der offizielle Name - als überdimensionales iPhone daher. Facebook, Youtube, Office- und Entertainment-Spielereien sind Standard. Mit einem Lächeln dürften weltweit Verleger beobachtet haben, wie leichtfüßig Jobs sich durch eine digitale Ausgabe der "New York Times" blätterte.

Genug der Halbwahrheiten: Lässig vom schwarzen Ledersessel aus landete Apple-Boss Steve Jobs am Mittwoch-Vormittag (Ortszeit) in Kalifornien seinen jüngsten Coup. Wie erwartet kommt das Apple iPad - so der offizielle Name - als überdimensionales iPhone daher. Facebook, Youtube, Office- und Entertainment-Spielereien sind Standard. Mit einem Lächeln dürften weltweit Verleger beobachtet haben, wie leichtfüßig Jobs sich durch eine digitale Ausgabe der "New York Times" blätterte.

Durch die Zeitung lässt sich komplett via Gestentechnik manövrieren, statt Bildern sind teils Videos enthalten, kleine Sub-Menüs liefern Zusatzinformationen.

Ein großes iPhone

Die iPad-Navigation erinnert an das iPhone. Drehen, Wischen, Doppel-Tippen mit dem Finger - und der Bildschirm-Inhalt folgt aufs Kommando. Der Screen misst knapp 30 cm in der Diagonale, das ganze Gerät wiegt anderthalb Pfund und ist kaum 13 mm tief - weniger als herkömmliche Netbooks. Laut Jobs hält der Akku unter Vollbetrieb rund 10 Stunden, im Standby-Modus sogar einen ganzen Monat.

Für das iPad greift Apple auf das gleiche Betriebssystem wie für iPhone und iPod Touch zurück - entsprechend laufen alle Apps (entweder im Vollbild oder im schwarzen Rahmen) auch auf dem Neuling. Die Anbindung zu iTunes und dem App Store versteht sich von selbst. Das Thema Multi-Tasking - immer wieder Kritikpunkt am iPhone - sparte Jobs aus.

Apple will erste iPads bis zum Quartalsende ausliefern, in drei Varianten mit Speicherkapazität zwischen 16 und 64 GB. Für die schlankste Version werden 499 US-Dollar fällig, für die jeweils nächste höhere Speicherausstattung kommen 100 US-Dollar hinzu. Wer neben dem WiFi-Zugang eine 3G-Anbindung haben will, muss zusätzlich 130 US-Dollar hinblättern.

In den USA hat sich Apple für das iPad wieder mit den Telekom-Riesen AT&T verbandelt, der auch schon exklusiv das iPhone in den Regalen hatte. Bis zu 250 MB Download sollen monatlich für 14,99 US-Dollar zu haben sein, die Flatrate kostet 29,99 US-Dollar - eine Vertragsbindung ist nicht zwingend. Bis Mitte des Jahres will Apple auch international die Verträge mit den Telekom-Firmen unter Dach und Fach haben. Wer in Deutschland zum Zug kommt, ist noch unklar.

Neben Spieleentwicklern wie Gameloft, (55 Mio App-Store-Verkäufe) und Electronic Arts, die kurz den Rennhit "Need for Speed" auf dem iPad anspielten, hat Apple eine Reihe von US-Verlagen an Bord: Penguin, HarperCollins, Simon & Schulster, Macmillan und Hachette Book Group - die auf das iPad als E-Reader setzen.

Virtueller Buchladen eingebaut

Über eine neue App namens iBook lassen sich virtuelle Schriften beziehen, iTunes wird für Bücher außen vor bleiben. Der neue Store mutet wie ein virtuelles Bücheregal an, die Bücher können in Farbe dargestellt werden und auch Videos enthalten. Clou: Wie beim App Store können die Urheber/Verleger den Endpreis selbst bestimmen. In Anspielung auf den Kindle sagte Jobs: "Amazon hat gute Vorarbeit geleistet" - jetzt werde man sich aber auf deren Schultern stellen und noch ein wenig weiter gehen. Apple nutzt das weltweit verbreitete Format ePub, das auch der Sony Reader verwendet.

Neben der "NYT" surfte Jobs auch die "Times" und "National Geographic" an: Kein Geheimnis, dass Apple und die US-amerikanischen Printverlage seit Monaten die Köpfe zusammenstecken, um komfortable Lösungen für digitale Magazine auf dem iPad auszutüfteln.

Jüngst verplapperte sich McGraw-Hill-Boss Terry McGraw im Interview mit dem US-Wirtschaftssender CNBC: Man sei schon länger in Kontakt und habe bereits rund 95% der Verlagsportfolios für das iPad vorbereitet. Wenn auch der deutsche Markt im Apple-Hauptquartier noch nicht höchste Priorität genießt, so dürften die Verlage hierzulande den ein oder anderen Euro beiseite gelegt haben, um sich auf die kommende Revolution einzustellen - sie verheißt nicht weniger als endlich Geld mit digitalen Inhalten zu verdienen.

Wie die Abwicklung für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage für digitale Abos etwa ablaufen wird, steht noch in den Sternen. Der Musikindustrie konnte Jobs damals seinen Willen aufzwingen. Immherin sagte die "NYT" Jobs kürzlich nach, dass er die traditionelle Medienhäuser sehr schätze - die Presse sei eine tragende Säule der Demokratie.

Obwohl die Welt sehenden Auges aufs iPad zusteuerte, gelang Jobs erneut ein Wow-Effekt. Gekonnt hatte der Marketing-Profi über Monate Info-Häppchen ausgelegt und so die Manie geschürt. Das iPad scheint auf den ersten Blick potent genug, zum "Must-Have" zu werden und den darbenden E-Reader-Markt aufzurollen - und so den Medienkonsum grundlegend zu verändern.

Bei CNBC schloss die McGraw-Interviewerin noch mit einem Lächeln und den Worten: "I like to smell my textbooks" - auch sie dürfte jetzt erkennen, dass sich die digitale Wende nicht mehr aufhalten lässt.

Ihre Kommentare
Kopf

Reyk Gronauer

28.01.2010
!

Hehe, der Amazon-Screenshot in der Bilderstrecke! Typisch kress ...


Anni Kollmann

28.01.2010
!

Wird das Gerät in der Lage sein, die guten alten Printmedien abzulösen?
Kommt nun die schon seit Jahrzehnten prophezeite Wende im Printsektor?

Das IPad ist zwar nicht schwer, aber durch seine Größe doch nicht so portabel (und faltbar) wie eine Zeitung, die ich entsorgen kann, wenn ich sie ausgelesen habe...

Ich bin gespannt, wie sich diese neue Gerätegeneration auf die deutsche Verlagswelt auswirken wird.


Hanno Reitschmidt

Hanno Reitschmidt

HANNO REITSCHMIDT || Agentur für veritable Kommunikation
Inhaber, Werbeexperte, Ideengeber

28.01.2010
!

Ja, es war mal wieder eine gut vorbereitete und typisch inszenierte "Apple-Show".

Denke auch, dass die Trendwende im Printsektor schon lange eingeläutet ist,
aber das ist ja auch die Chance für die Verlage dort jetzt ihren Profit zu sehen.

Übrigens, ein wenig mehr als nur "Zeitung lesen" kann man mit dem iPad ja auch.


Jörg   Peter

Jörg Peter

TEXTARCHITEKT
Texter, Autor, Redakteur

28.01.2010
!

@Anni Kollmann:

Ein faltbares IPad wäre sicherlich ein (ohne Frage schon heute technisch machbares) besseres Produkt gewesen. Ich gehe davon aus, dass es direkt folgen wird. Apple will ja weiterverdienen ...


Anni Kollmann

28.01.2010
!

Ich glaube, wenn die falt-/rollbare "E-Zeitung" eingeführt wird, könnte dies die Generation der Printmedien "ablösen". Wenn ich es rollen oder falten kann und morgens per Update meine Tageszeitung lesen oder per Online-Auswahl eine Zeitschrift "herunterladen" könnte, könnte dies eine ernstzunehmende "Konkurrenz" zum Printmedium sein.
Was allerdings ernstzunehmende Folgen für den Presse-Vertrieb und Einzelhandel hätte, da sich dieser quasi als "überflüssig" erwiese...?


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