Ein Lokalmatador als Investor: "Abendzeitung" verkauft Nürnberg-Ausgabe an Oschmann

02.02.2010
 

Land in Sicht: Die etwas klamme Münchner "Abendzeitung" hat einen Käufer für ihre Nürnberger Ausgabe gefunden. Sofern die Kartellis einverstanden sind, geht die "Abendzeitung Nürnberg - Das 8 Uhr Blatt" an den fränkischen Telefonbuch-Verleger Gunther Oschmann, 69. "Oschmann wird die Mehrheit der Gesellschaftsanteile in Nürnberg übernehmen", bestätigte "AZ"-Geschäftsführer Dieter Schmitt am Dienstagabend gegenüber kress. "Wir stellen damit den Standort Nürnberg in den wirtschaftlich schweren Zeiten auf stabile Füße", so Schmitt weiter.

Land in Sicht: Die etwas klamme Münchner "Abendzeitung" hat einen Käufer für ihre Nürnberger Ausgabe gefunden. Sofern die Kartellis einverstanden sind, geht die "Abendzeitung Nürnberg - Das 8 Uhr Blatt" an den fränkischen Telefonbuch-Verleger Gunther Oschmann, 69. "Oschmann wird die Mehrheit der Gesellschaftsanteile in Nürnberg übernehmen", bestätigte "AZ"-Geschäftsführer Dieter Schmitt am Dienstagabend gegenüber kress. "Wir stellen damit den Standort Nürnberg in den wirtschaftlich schweren Zeiten auf stabile Füße", so Schmitt weiter.

In Nürnberg werde sich nicht viel ändern, so Schmitt: Den Mantel für Nürnberg liefert weiter die Münchner Redaktion zu, ebenso wird die nationale Anzeigenvermarktung von der bayerischen Landeshauptstadt aus besorgt. Für die Redaktion in Nürnberg, gut 20 Leute, soll ebenfalls alles beim Alten bleiben. Zum Deal gehört auch die "AZ Nürnberg"-Anzeigenblatt-Tochter "Frankenreport".

Welche Strategie Oschmann aber tatsächlich verfolgt, darüber kann auch Schmitt nur spekulieren. Der Nürnberger Medienmann habe eine starke Stellung in der Region und "eine Zeitung zu verlegen, macht ja auch Spaß", so Schmitt.

Oschmann selbst war für eine Stellungnahme bis Dienstagabend nicht verfügbar, ein Kriterium dürfte aber für ihn sprechen: "Er hat besseren Zugang zu lokalen und regionalen Werbekunden als wir", so Schmitt.

Oschmann ist Senior-Verleger bei Müller Medien in Nürnberg. Die Gruppe druckt als eine von mehreren Verlagen in Deutschland Telefonbücher und die "Gelben Seiten", zudem ist das Haus stark mit Beteiligungen in der regionalen Radio- und TV-Landschaft verwurzelt (u.a. Radio Charivari). Zu Müller Medien gehören daneben der Tessloff-Verlag ("Was ist Was") und diverse Anzeigenblätter. Entsprechend gut besetzt sind die Vertriebsteams vor Ort.

Wieviel sich Oschmann den Deal kosten lässt, ist unklar - allerdings dürften die Einnahmen der "Abendzeitung" wieder Atemluft verschaffen. Zuletzt war der Verlag zunehmend in finanziellen Schwierigkeiten, seit längerem machen Verkaufsgerüchte der gesamten "Abendzeitung" die Runde - offenbar scheiterten die Abschlüsse aber allzu oft am Veto des Kartellamts. Als potenzielle Interessenten waren dem Vernehmen nach die Ippen-Gruppe ("Münchner Merkur", "tz") und auch Axel Springer ("Bild") im Gespräch. Für Oschmann dürfte die Prüfung des Kartellamts nur Formsache sein, da er bisher in anderen Medienfeldern seine Schwerpunkte hat.

Als Ausweg hatte die "AZ" jüngst eine Kooperation mit der benachbarten "Süddeutschen Zeitung" eingetütet - bis heute ist allerdings unklar, wie sie genau aussehen soll. Laut Schmitt werde man sowohl im Verlagsapparat als auch redaktionell zusammenarbeiten - allerdings sind Stil und Form von "SZ" und "AZ" ganz offensichtlich nur bedingt vereinbar. Schmitt erwartet Ergebnisse der Gespräche mit der "SZ" noch im ersten Quartal 2010.

Die Auflage der "Abendzeitung Nürnberg" verhält sich nach IVW im Vergleich zur Münchner Mutter relativ stabil - sie verringerte sich über die vergangenen Jahre von gut 19.000 verkauften Exemplaren auf mittlerweile rund 17.000 Exemplare. Im selben Zeitraum fiel die Münchner "AZ" von rund 148.000 auf jüngst 140.538 verkaufte Exemplare. Lokaler Platzhirsch sind allerdings die "Nürnberger Nachrichten": Sie verkaufen laut IVW gut 290.000 Exemplare, vor rund zwei Jahren lagen sie noch bei 300.000.

Eigentümer der "Abendzeitung" ist die Verlegerfamilie Friedmann, die auch mit 18,75% am Süddeutschen Verlag beteiligt ist.

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