kress-Startcheck "Castle"/"Dark Blue" (kabel eins): Quasseln statt Ermitteln

 

"Er ist wie ein Neunjähriger auf Zuckerschock - total unfähig, irgendetwas ernst zu nehmen": Detective Kate Beckett (Stana Katic) muss man einfach recht geben. Ihr neuer Serienpartner, der aufgeblasene Schriftsteller Richard Castle (Nathan Fillion), ist kriminalistisch gesehen eine ziemliche Fehlbesetzung – wenn auch eine zuweilen liebenswerte. Am neu umgestalteten Crime-Samstag soll seine US-Serie "Castle" einen ganzen Abend tragen. Ob das funktionieren kann? Eher nicht.

"Er ist wie ein Neunjähriger auf Zuckerschock - total unfähig, irgendetwas ernst zu nehmen": Detective Kate Beckett (Stana Katic) muss man einfach recht geben. Ihr neuer Serienpartner, der aufgeblasene Schriftsteller Richard Castle (Nathan Fillion), ist kriminalistisch gesehen eine ziemliche Fehlbesetzung – wenn auch eine zuweilen liebenswerte. Am neu umgestalteten Crime-Samstag soll seine US-Serie "Castle" einen ganzen Abend tragen. Ob das funktionieren kann? Eher nicht.

In den USA ging "Castle" – die auf dem Nachnahmen des Hauptdarstellers basierende Serie wird penetrant un-englisch "Käsel" ausgesprochen – im März 2009 bei ABC auf Sendung und lockte in der ersten Staffel regelmäßig bis zu neun Millionen Zuschauer an. Seit Samstag bildet sie das Herzstück des aufgefrischten Krimiserien-Samstag auf kabel eins – und muss somit eine Menge schultern. Während der Protagonist zwar marktschreierisch als "Meister des Makabren" eingeführt wird, wird die neue Serie diesem Anspruch nicht so leicht gerecht.

Anstatt taffe Fälle zu präsentieren, neigt der Neustart doch sehr zum zwischenmenschlichen Kammerspiel. Und das mit augenzwinkerndem Humor und einem Schuss Romantik, was zwar sympathisch wirkt, der Krimispannung jedoch abträglich ist. Wie sich bereits in der Auftaktfolge abzeichnet, dürfte künftig das Liebes-Hickhack zwischen der Ermittlerin (Katic) und dem Bestsellerautor, der sich fast magisch zu Tatorten hingezogen fühlt (Fillion), im Vordergrund stehen – und weniger die blutrünstigen Fälle.

"Lesen Sie keine Bücher", blafft die Ermittlerin genervt ihre Kollegen an, als sie merkt, dass sich die Spurensuche immer mehr den Lektürerlebnissen angleichen und dass der Autor vielleicht doch besser helfen könnte, als zunächst gedacht. Eine Konstellation, die arg konsturiert wirkt – und zu extra viel Redegefechten und wenig Action führt.

Die Slots rund um den Neustart waren mit Markenartiklern wie Knorr, Fiat, Dell oder Senseo gut gebucht, wobei ein gewisser Schwerpunkt bei noch nicht allzu breit bekannten Online-Dienstleistern wie Trivago.de oder Zalando.de auffiel. Bei den Fans fiel "Castle" dagegen erst einmal durch: Lediglich 560.000 14- bis 49-Jährige wagten einen prüfenden Blick (Marktanteil: 4,6%). Sieben Tage zuvor waren bei der "Without a Trace – Spurlos verschwunden"-Wiederholung auf diesem Slot aber auch nur 470.000 Jüngere mit von der Partie (3,8%).

Auf "Castle" folgte um 21:10 Uhr die Krimiserie "Numb3ers – Die Logik des Verbrechens", für die sich auch nur 440.000 Werberelevante interessierten (3,4%). Der zweite kabel eins-Neustart "Dark Blue" mit seinen deutlich düsteren Fällen, in deren Zentrum der schlafwandlerisch wirkende Spezialagent Carter Shaw (Dylan McDermott, "Practice – Die Anwälte") steht, lockte sogar nur 430.000 14- bis 49-Jährige an (3,5%). Solange samstags "DSDS" weiter herrscht, müssen diese Krimis ernsthaft über Leichen gehen.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.