Die neue "Emotion" im kress-Check: Der Befreiungsschlag

08.02.2010
 

Ab 10. Februar liegt sie am Kiosk: Die erste "Emotion"-Ausgabe, die komplett unter der alleinigen Regie der neuen Besitzerin Katarzyna Mol entstanden ist. Ohne Großverlag Gruner + Jahr im Nacken und fernab der bisherigen Heimat München, entstand Ausgabe 3/2010 in Hamburg als Relaunch-Heft. Ein "Befreiungsschlag" in mehrfacher Hinsicht. Andere Ressorts, neue Rubriken, leichtere Optik und ein leicht verändertes Konzept prägen den Neuanfang.

Ab 10. Februar liegt sie am Kiosk: Die erste "Emotion"-Ausgabe, die komplett unter der alleinigen Regie der neuen Besitzerin Katarzyna Mol entstanden ist. Ohne Großverlag Gruner + Jahr im Nacken und fernab der bisherigen Heimat München, entstand Ausgabe 3/2010 in Hamburg als Relaunch-Heft. Ein "Befreiungsschlag" in mehrfacher Hinsicht. Andere Ressorts, neue Rubriken, leichtere Optik und ein leicht verändertes Konzept prägen den Neuanfang.

Die Veränderungen fangen schon beim Titel an: Das Cover ist matt statt glänzend und unter "Emotion" steht ab sofort nur noch "Frauenmagazin". Zuletzt hieß es "Das andere Frauenmagazin", davor sogar "Psychologie-Magazin für Frauen". Aus dieser Ecke will Mol raus: Das Heft soll sowohl inhaltlich näher am Leben und den Gefühlen der Leserinnen sein - als auch im Kiosk bei den Frauenzeitschriften platziert werden.

Die Ressorts wurden aufgebrochen: Künftig ist das Heft aufgeteilt in "Neuland" zum Einstieg, "Dossier", "Emotion Themen", "Women at work", und "Wohlfühlen". Die neue "Emotion" ist in der Tat leichter - zum einen durch ein luftigeres und verspieltes Layout und zum anderen durch leichtere Themen. Zwar gibt es in dem Heft noch "schwere Kost" wie den Bericht einer Mutter, die ihre Tochter in Winnenden verloren hat. Das Heft hält zwar das journalistische Niveau, kommt aber weniger verkopft daher.

Eingeständnis: Modeseiten im Heft


Dazu gehören auch mehr Produkt-Vorstellungen. So hat "Emotion" künftig ein paar Modeseiten - keine Modestrecke und jeweils mit einem besonderen thematischen Ansatz. Dennoch ist das ein Eingeständnis - als "Emotion" startete, waren Beauty- und Modethemen tabu. Leserinnen erwarteten solche Inhalte allerdings von einem Frauenmagazin, so Mol. Auch den Anzeigenkunden dürfte der Ansatz gefallen.

Das Heft wirkt nun moderner, die lockeren Geschichten tun der Qualität keinen Abbruch. Nach wie vor bietet "Emotion" mehr Text als die meisten anderen Frauenzeitschriften. Die Geschichten nähern sich teilweise dem "Lebensgefühljournalismus" einer "Neon", besonders die Gesellschaftsthemen treffen den Zeitgeist recht gut (Beispiel: "Können Mütter und Töchter beste Freundinnen sein?").

Insgesamt verspricht das relaunchte Heft einen guten Neuanfang. Zwar nähert sich "Emotion" in der Aufmachung anderen Frauenmagazinen an, hebt sich aber weiterhin durch einen besonderen Blickwinkel und emotionale sowie psychologische Ansätze ab.

Von Luck kommt als stellvertretender Chefredakteur

Den Heft-Umbau plant Mol seit November 2009 - seit sich abzeichnete, dass der Management-Buy-Out klappen würde. Ihr zur Seite standen Andreas Möller (Ex-Chefredakteur "Allegra", "Park Avenue") und Olaf Köhnke (Redaktionsagentur ring drei) als Berater, die Chefredakteurin Dorothee Röhrig sowie ein Marken-Coach. Möller und Köhnke sind auch weiterhin fest im Team. Ein stellvertretender Chefredakteur steht auch schon in den Startlöchern: Clemens von Luck, derzeit stellvertretender Chefredakteur von Bauers "Maxi", heuert zum 1. April bei "Emotion" an.

Von den 22 Personen des ursprünglichen "Emotion"-Teams machte Mol 19 ein Übernahmeangebot, fünf sagten zu. Ein kleines Team ist in München geblieben, Röhrig pendelt zwischen München und Hamburg, der Rest sitzt in einem Loft in einer alten Tabakfabrik in Hamburg.

Das Ziel: 10.000 bis 15.000 Exemplare mehr verkaufen

Mit dem Relaunch will Mol längerfristig eine Auflagensteigerung von 10.000 bis 15.000 Exemplaren erreichen - in harter Auflage: "Das ist ein Ziel, das wir erreichen müssen". Derzeit verkauft das Heft gerade mal rund 73.000 Exemplare (IVW IV/2009). Zum Start peilte G+J eine verkaufte Auflage von 150.000 Exemplaren an.

Beim Heftpreis ist laut Mol Luft nach oben, allerdings frühestens 2011. Neben dem Heft laufen auch der Sonderteil "Women at work" sowie das Coaching- und Seminarangebot weiter. "emotion.de" wird dagegen klein gehalten. Man müsste zu viel Geld in die relativ kleine Seite stecken, um sie vermarkten zu können - außerdem könne man neben Flaggschiffen wie "brigitte.de" immer nur Me-too sein, so Mol.

Derzeit befindet sich Mol auf Road-Tour zu Anzeigenkunden bundesweit. Aktuell speisen sich die Umsätze von "Emotion" zu zwei Drittel aus dem Vertrieb, rund ein Drittel kommt mit Anzeigen rein. Das Heft-Image als Werbeträger hat in den vergangenen unsicheren Jahren bei G+J einigen Schaden genommen. Jetzt gilt es für Mol, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Die "Emotion"-Chefin ist sich des Risikos ihres Unternehmens zwar bewusst, geht aber mit viel Tatendrang und fester Überzeugung ans Werk. "Die neue Unabhängigkeit ist großartig! Freiheit fühlt sich gut an, das neue Heft fühlt sich gut an und es macht richtig Spaß." So viel Herzblut und Begeisterung tut der verschüchterten Branche sehr gut. 

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