Noch-ZDF-Chef über die Lage bei ARD und ZDF: Brender kritisiert "Spitzelsystem" der Parteien

 

Der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender (Foto), 61, hat im "Spiegel" das Gebaren der Parteien und ihre Dominanz über ZDF und ARD gegeißelt. Er spricht von einem "Spitzelsystem" bei den Sendern, "das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen". Es gebe auch "inoffizielle Mitarbeiter" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". ZDF-Intendant Markus Schächter hat Brenders Kritik als "in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel" zurückgewiesen.

Der scheidende ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, 61, hat im "Spiegel" das Gebaren der Parteien und ihre Dominanz über ZDF und ARD gegeißelt. Er spricht von einem "Spitzelsystem" bei den Sendern, "das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen". Es gebe auch "inoffizielle Mitarbeiter" der Parteien, "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR".

Der Noch-Chefredakteur kann vom Leder ziehen, weil seine Tage beim ZDF ohnehin gezählt sind: Der Verwaltungsrat des Senders hatte sich auf Betreiben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im November 2009 gegen die Verlängerung von Brenders Vertrag entschieden (kress.de vom 27. November 2009).

"Dunkles Schattenreich"

Er selbst habe "versucht, solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten", so Brender weiter. In der Union existiere "ein dunkles Schattenreich, das sich im Verwaltungsrat eingenistet hat und ihn mittlerweile zu dominieren versucht". Das Bundesverfassungsgericht sei nun "die einzige Institution, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsferne, Form und damit Zukunft sichern kann".

"Ich wollte Kämpfer, keine Schlappschwänze"

Auch auf die Kritik an seiner eigenen Amtsausübung beim ZDF geht Brender ein: "Einigen bin ich auf die Füße getreten. Das bringt der Job mit sich. Ich wollte hier Kämpfer, keine Schlappschwänze." Brender gab sich im "Spiegel"erleichtert darüber, dass es für ihn persönlich beim ZDF "jetzt zu Ende geht." Er prüfe nun Angebote, könne aber wohl "vom Journalismus nicht lassen". Bei öffentlich-rechtlichen Sendern werde er aber nicht mehr aufschlagen: "Das System hat mit mir abgeschlossen. Das werde ich respektieren."

"Ohrfeige für die eigenen Redaktionskollegen"

ZDF-Intendant Markus Schächter dürfte mit seinem leitenden Mitarbeiter unterdessen auch abgeschlossen haben: In einer Pressemitteilung hat er Brenders Kritik als "in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel" zurückgewiesen.  Aus der Enttäuschung über die Ablehnung seiner Vertragsverlängerung dürfe er nicht "die eigenen Redaktionskolleginnen und -kollegen in dieser Weise ohrfeigen und ihre Arbeit mit solchen Verdächtigungen belasten", schreibt Schächter. Die ZDF-Redaktionen seien "unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüsterungen". Wer etwas anderes behaupte, müsse dies belegen und, wenn er wie Brender in den vergangenen zehn Jahren in der Verantwortung stehe, abstellen. Schächter: "Man kann nicht gegen Diffamierungen zu Felde ziehen, indem man seine eigenen Mitstreiter diffamiert".

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