Der kress-Check "Raus aus den Schulden": Lasst den Mann wieder reden!

 

Schlecht beraten: RTL und die Produktionsfirma probono tv haben ihrem rührigen Schuldenseelsorger Peter Zwegat diesmal keinen Gefallen getan. Die Idee, die mittlerweile siebte Staffel der lange erfolgsverwöhnten "Raus aus den Schulden"-Soap mit einer Spezialausgabe zu starten, war wirklich kein gute Idee. Im Durcheinander der Effekte und Infografiken ging der Charme der Reihe verloren

Schlecht beraten: RTL und die Produktionsfirma probono tv haben ihrem rührigen Schuldenseelsorger Peter Zwegat diesmal keinen Gefallen getan. Die Idee, die mittlerweile siebte Staffel der lange erfolgsverwöhnten "Raus aus den Schulden"-Soap mit einer Spezialausgabe zu starten, war wirklich kein gute Idee. Im Durcheinander der Effekte und Infografiken ging der Charme der Reihe verloren – und Zwegat unter.

Gut, dass es Peter Zwegat gibt. Das denken sich nicht nur die hoffnungslos überschuldeten Handy-Kids oder die übervorteilten Rentner, die er an die ruhige Hand nimmt. Auch RTL steht der seriöse Schuldenberater gut zu Gesicht. Umso ärgerlicher, dass ausgerechnet der Protagonist in der aufwendig produzierten Sonderausgabe "Wie verschuldet sind die Deutschen?" hilflos und verloren wirkte.

probono setzte Hubschrauber-Kameras über dem verschneiten Berlin ein, ließ Geldscheine wirbeln und inszenierte sogar packend gemachte Investigativ-Recherchen mit der versteckten Kamera. Außerdem gelang es der Redaktion, Ministerin Ilse Aigner für ein Interview zu gewinnen. Alles schön und gut: Nur die Redeanteile von Peter Zwegat und die eigentlichen Beratungsgespräche mit den Betroffenen gerieten damit arg kurz.

Merke: Zwegat ist nur dann am besten, wenn er auf dem Sofa sitzt. Schauspielern muss er nicht können. Und wichtiger als mit den Augen die Kamera zu suchen, ist es doch, wenn er den Leutchen tröstlich ins Gesicht blickt.

Vermutlich interessieren sich auch die Zwegat-Fans eher für Purismus: Die Auftaktfolge, der ab nächsten Mittwoch zehn reguläre Beichtstunden folgen werden, lockte gerade mal 3,35 Mio Zuschauer, darunter nur 1,92 Mio 14- bis 49-Jährige an. Der Zielgruppen-Marktanteil von 14,2% lag natürlich meilenweit vom RTL-Schnitt - und vom eignen Zwegat-Standard - entfernt. Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt erzielte "Raus in den Schulden" 2009 einen starken Marktanteil von 20,3% und das bei rund 2,5 Mio jüngeren Fans pro Folge.

Werblich war das Vorzeigeformat gut gebucht, unter anderem mit Spots für Haushaltswaren wie Oral-B, Saturn, Tchibo, aber auch für ein Bruno Banani-Parfüm. Platz für RTL-Eigenwerbung, etwa für Clipfish.de, war dennoch. Und ein Meisterstück für den TV-"Hohlspiegel", falls es ihn denn gäbe, lieferte die Trailer-Planung: Hart hinter die müden Gesichter zweier überschuldeter Rentner wurde der Hinweis auf "Exclusiv" geschnitten – mit dem so zynisch wirkenden Hinweis "Exclusiv ist da, wo die Reichen und Prominenten zu Hause sind". Gratulation!

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