Grosso-Verband traut sich aus der Deckung: Bauer "stellt medienpolitischen Konsens in Frage"

 

Der Bundesverband Presse-Grosso hat sich jetzt erstmals zu Vorwürfen geäußert, wonach Vertreter der Bauer Media Group Geld für den Rückzug des verlagseigenen Grossisten Presse Vertrieb Nord (PVN) aus zwei Grosso-Gebieten in Norddeutschland gefordert haben sollen. Dem Verband lägen Informationen vor, wonach die Bauer Vertriebs KG "mindestens in einem Fall die Rückgabe des seit März 2009 laufenden Eigenvertriebs in Elmshorn und Stade an selbstständige Presse-Grossisten von der Zahlung einer sechsstelligen Summe an die Konzerntochter PVN abhängig gemacht habe", heißt es in einer Stellungnahme. Das stelle den "medienpolitischen Konsens in Frage", so der Verband.

Der Bundesverband Presse-Grosso hat sich jetzt erstmals zu Vorwürfen geäußert, wonach Vertreter der Bauer Media Group Geld für den Rückzug des verlagseigenen Grossisten Presse Vertrieb Nord (PVN) aus zwei Grosso-Gebieten in Norddeutschland gefordert haben sollen. Dem Verband lägen Informationen vor, wonach die Bauer Vertriebs KG "mindestens in einem Fall die Rückgabe des seit März 2009 laufenden Eigenvertriebs in Elmshorn und Stade an selbstständige Presse-Grossisten von der Zahlung einer sechsstelligen Summe an die Konzerntochter PVN abhängig gemacht habe", heißt es in einer Stellungnahme. Dieses Verhalten stelle "den medienpolitischen Konsens in Frage" und sei nicht akzeptabel, so der Verband.

Der Verband bekundet seine Bereitschaft zum Gespräch auch mit Vertretern der Bauer Media Group. Die Diskussionen am "politischen runden Tisch" zwischen Grosso, den Verlegerverbänden sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Bundeswirtschaftsministerium würden aber durch die Aktivitäten der Bauer Vertriebs KG "nachhaltig belastet".

"Die betreffende Thematik gibt es schlichtweg nicht"

Bauer hat auf Anfrage von kress mittlerweile auf die Vorwürfe der Grossisten reagiert, und zwar so: "Eine Stellungnahme erübrigt sich schon deshalb, weil es die betreffende Thematik schlichtweg nicht gibt. Insbesondere gab es keine Forderungen oder sonstige Verhandlungen."

Die Erklärung des Grosso-Verbands hat es in jedem Fall in sich: Bereits in der vorvergangenen Woche hatte der Branchendienst "textintern" behauptet, Bauer fordere Geld für einen Rückzug von PVN aus Grosso-Gebieten. Bauer dementiert das und leitete rechtliche Schritte gegen "textintern" ein. Dennoch sind andere Verlage hoch alarmiert über Bauers angebliches Vorgehen, es war auch Thema einer VDZ-Vorstandssitzung am vergangenen Donnerstag (kressreport 5/2010). Der Bundesverband Presse-Grosso hat sich in dieser Frage allerdings bisher zurückgehalten. Mit der nun veröffentlichten Pressemitteilung ist die Zurückhaltung beendet.

Hintergrund: Die Bauer Media Group hat Anfang 2009 der Hans-Ulrich Grade KG, Elmshorn, und der Hinrich Mügge KG, Stade, den Lieferauftrag für ihre Titel gekündigt und damit die Bauer-Tochter Pressevertrieb Nord (PVN), Hamburg, beauftragt. Die beiden Grossisten klagten, waren jeweils in erster Instanz erfolgreich, verloren aber in zweiter Instanz vor den Oberlandesgerichten Schleswig und Celle. Sie haben gegen die Urteile Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt.

Mügge hat seinen Betrieb mittlerweile an die H.H. Nolte GmbH & Co. KG, Bremerhaven, verkauft. Auch im Fall von Grade ist ein Verkauf wahrscheinlich: Der Kieler Grossist Johann Carlsen und der Großhändler VPV-Lamich KG, Rendsburg, planen eine Fusion und wollen dann den Betrieb von Alexander Grade in Elmshorn übernehmen. Die Käufer bzw. Käufer in spe haben naturgemäß ein großes Interesse daran, auch die Titel der großen Bauer Media Group auszuliefern und strebten daher die Einigung mit dem Verlag an. Bei Gesprächen darüber soll es auch um ein Geschäft Geldzahlung gegen PVN-Rückzug gegangen sein, so seinerzeit "textintern" und jetzt auch im Hinblick auf mindestens einen Fall der Grosso-Verband. Inzwischen dürfte ein solcher Deal allerdings vom Tisch sein: Bauer hat mittlerweile mitgeteilt, dass PVN sich nicht aus Elmshorn und Stade zurückziehen werde.

Kritik an "Top 100 Titel"-Siegel

In einer weiteren Pressemitteilung hat sich der Bundesverband Presse-Grosso auch von der Einführung eines "Top 100 Titel"-Siegels durch Bauer (kress.de vom 4. März 2010) distanziert. Bauer will mit der Initiative auf eine prominente Platzierung der 100 umsatzstärksten Zeitschriften im Handel hinwirken. Entgegen bisheriger Angaben handele es sich aber bei der Aktion nicht um Gattungsmarketing, so nun der Grosso-Verband. Vor Klärung des Dissenses zwischen Verlagen und Nationalvertrieben sei daher die aktive Unterstützung der Initiative, z.B. durch Weiterleitung von Infomaterial an die Händler, "kritisch". Außerdem bestehe die Gefahr, dass ein "Zwei-Klassen-Sortiment" entstehe. Der Grosso-Verband fordert "branchenweite Regularien zur Pressepräsenation" und warnt vor "Alleingängen" einzelner Verlage.

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