Werberat beanstandet 69 Kampagnen: Karstadt-Busen am Pranger

16.03.2010
 

Der Deutsche Werberat hatte 2009 trotz verschärften Leistungsdrucks durch die Krise weniger Beschwerden abzuarbeiten als im Vorjahr. 255 Fälle wurden dem Gremium von der Bevölkerung eingereicht, davon wurden 186 nicht beanstandet. In sieben Fällen war eine öffentliche Rüge nötig. Über ein Drittel der Beschwerde-Gründe bezogen sich auf die Diskriminierung von Frauen, wie etwa bei dem Karstadt-Flyer (Foto).

Der Deutsche Werberat hatte 2009 trotz verschärften Leistungsdrucks durch die Krise weniger Beschwerden abzuarbeiten als im Vorjahr. 255 Fälle wurden dem Gremium von der Bevölkerung eingereicht, davon wurden 186 nicht beanstandet. In sieben Fällen war eine öffentliche Rüge nötig. Über ein Drittel der Beschwerde-Gründe bezogen sich auf die Diskriminierung von Frauen, wie etwa bei dem Karstadt-Flyer (Foto).

90% der Werbungtreibenden reagierten auf die Kritik des Werberats und stoppten ihre Kampagnen. Unter anderem warb eine Reinigungskette auf Plakaten mit einem Kleinkind, das in einer geöffneten Waschmaschinentrommel spielte. "Ein gefährliches Muster für Kinder", urteilte die Werbe-Aufsicht. Auch eine augenscheinliche Todesanzeige, die sich als Nachricht über den "Tod eines Kaffeefilters" entpuppte, fanden die Werbe-Wächter nicht lustig.

Sieben öffentliche Rügen

In sieben Fällen reagierten die betroffenen Unternehmen nicht auf die Beanstandung, der Werberat ließ öffentliche Rügen folgen. Die aktuellste Rüge ging an Mester Kunstbau: In einer Anzeige für einen künstlichen Fuchsbau bildete das Unternehmen eine nackte rothaarige Frau ab, die auf einer Betonröhre herum kriecht. Der Text dazu: "Jäger stehen drauf, Füchse sowieso".

Die weiteren Rügen kassierten die Hotelkette A&O (Beiersdorf-Freudenberg), die Baufirma Wofa (weil in Schönbuch), MSI Technologie (Frankfurt a.M.), der Autoverleih MTS (Leipzig), der Finanzvermittler AVF (Sindelfingen), die Arte Gastronomie- und Betriebs AG (Nürnberg) und der Bodenverleger Dieter Holschbach (Morsbach).

Überzogene Beschwerden

Ebenso absurd wie manche an den Haaren herbei gezogenen sexuellen Anspielungen ist aber auch so manche überzogene Beschwerde, die beim Werberat eintrudelt. So klagte jemand, die Bezeichnung einer Comic-Kuh als "Paula" in einem TV-Spot sei diskriminierend. In der Familie des Beschwerdeführers gab es offenbar eine Paula.

Auch der Slogan "Knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter" erntete Kritik: "Wien liege nicht in Deutschland, deshalb schaffe die gleichrangige Aufzählung der Städte eine inakzeptable Nähe zur nationalsozialistischen Einverleibung Österreichs". Der Werberat beruhigte, es sei die Wurstsorte und nicht die Stadt gemeint.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.