Bauer-Stellungnahme zum Grosso-Zoff: "Von wenigen Personen aufgeheizte Debatte"

 

Die Bauer Media Group lässt im Streit um das und mit dem Grosso jetzt nicht mehr nur die Juristen sprechen: Das Verlagshaus hat sich in einer Stellungnahme "klar zum deutschen Grosso-System" bekannt. Ziel von Bauer sei "einzig eine Optimierung des Systems, um dieses und damit die Pressefreiheit langfristig zu erhalten". Die aktuelle Diskussion sei eine "von wenigen Personen und verschiedenen Interessenlagen aufgeheizte Debatte, die nicht auf Tatsachen basiert", behauptet das Unternehmen weiter.

Die Bauer Media Group lässt im Streit um das und mit dem Grosso jetzt nicht mehr nur die Juristen sprechen: Das Verlagshaus hat sich in einer Stellungnahme "klar zum deutschen Grosso-System" bekannt. Ziel von Bauer sei "einzig eine Optimierung des Systems, um dieses und damit die Pressefreiheit langfristig zu erhalten". Die aktuelle Diskussion sei eine "von wenigen Personen und verschiedenen Interessenlagen aufgeheizte Debatte, die nicht auf Tatsachen basiert", behauptet das Unternehmen weiter.

Bauer spielt in der auf den 19. März datierten Mitteilung auf mehrere Vorgänge an: Ende Februar hatte der Branchendienst "textintern" geschrieben, dass es Gespräche zwischen Bauer-Vertretern und Grossisten gegeben habe, in denen es um einen Rückzug des Bauer-eigenen Grossisten Pressevertrieb Nord (PVN) aus zwei Vertriebsgebieten in Norddeutschland gegen Geldzahlung gegangen sei. Bauer bestreitet das, "textintern" gab auf Betreiben des Verlags einige Unterlassungserklärungen ab und musste eine Gegendarstellung abdrucken, weigert sich aber zu widerrufen.

Schützenhilfe hat der Branchendienst in der vergangenen Woche vom Bundesverband Presse-Grosso erhalten. Ihm lägen Informationen vor, wonach die Bauer Vertriebs KG in mindestens einem Fall den PVN-Rückzug aus einem Grosso-Gebiet von einer Geldzahlung abhängig gemacht habe, so der Verband in einer Pressemitteilung (kress.de vom 9. März 2010).

Bauer verlangt vom Grosso-Verband einen Widerruf, doch der weigert sich. Am 17. März hat das Verlagshaus zunächst eine einstweilige Verfügung des Landgerichtes Hamburg erwirkt, die den Grossisten einige Behauptungen ihrer Mitteilung untersagt. In der aktuellen Stellungnahme rühmt sich Bauer nun, "gegen einzelne und schlecht recherchierte Veröffentlichungen der Branchenpresse" bereits "rechtlich erfolgreich" vorgegangen zu sein. Bauer unterlässt den Hinweis, dass diese rechtlichen Auseinandersetzungen noch ganz am Anfang stehen.

Die Meldungen über ein angebliches Geschäft PVN-Rückzug gegen Geld haben auch andere Verlage alarmiert und waren Thema bei einer VDZ-Vorstandssitzung Anfang März. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Bauer-Geschäftsleiter Andreas Schoo zudem in einer Weise über die "Gemeinsame Erklärung" von Verlegerverbänden und Grosso-Verband aus dem Jahr 2004, die von einigen Teilnehmern als Distanzierung verstanden wurde (kress.de vom 9. März 2010). Er sagte dort, sein Haus könne der Erklärung derzeit wegen offener Rechtsstreitigkeiten nicht in vollem Umfang zustimmen. In ihr sind Leitlinien für das Zusammenwirken von Verlagen und Grosso festgelegt.

Schoos Verweis auf offene Rechtsstreitigkeiten bezieht sich auf zwei Fälle: Die Bauer Vertriebs KG hatte Anfang 2009 der Hans-Ulrich Grade KG, Elmshorn, und der Hinrich Mügge KG, Stade, den Lieferauftrag für ihre Titel gekündigt und PVN damit beauftragt. Beide Grossisten klagten, waren in erster Instanz erfolgreich, scheiterten aber in zweiter Instanz vor den Oberlandesgerichten Schleswig bzw. Celle. Sowohl Grade als auch Mügge haben gegen diese Urteile Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt. Bauer fürchtet nun, durch ein erneutes Bekenntnis zur "Gemeinsamen Erklärung" schlechtere Karten vor dem BGH zu haben. Bisher haben die Gerichte allerdings immer festgestellt, dass sich aus der "Gemeinsamen Erklärung" gar keine einklagbaren Verpflichtungen ergeben.

In der aktuellen Mitteilung geht Bauer auch auf dieses Thema ein: Da sich das Grosso entschieden habe, die "Gemeinsame Erklärung" dem BGH zur rechtlichen Überprüfung vorzulegen und sich die Bauer Media Group damit in laufenden Verfahren befinde, könne die Erklärung bis zum Abschluss der BGH-Verfahren "nicht weiter kommentiert werden".

Bauer rechtfertigt zudem noch einmal die Kündigung der beiden Grossisten. Sie stelle das System "keinesfalls grundsätzlich in Frage", weil ein Wechsel von einem Grossisten zu einem Wettbewerber systemkonform und in Gebieten mit Doppel-Grosso wie Hamburg und Berlin seit jeher "gelebte und anerkannte Praxis" sei.

Ihre Kommentare
Kopf

Christian G. Christiansen, Berlin

18.03.2010
!

Die Pressemitteilung der Bauer-group ist vordatiert auf den 19. März; besser wäre der 1. April gewesen. Die rüde, gewissermassen "blusenärmelige" Kündigung der beiden Grossisten war ein erster Auftakt. Ihn nachträglich als eine "seit jeher geltende und anerkannte Praxis" zu verkaufen, ist eine Unverschämtheit! Berlin und Hamburg sind bekanntlich verlagsbehaftete Grossisten. BMK +BMWi sind schon aktiv. Die SPD will (auch) "sicherstellen, dass es kein Grosso mit Verlagsbeteiligung gibt". Na, bitte


Wolfgang Rafflenbeul

19.03.2010
!

Nun, da sich die Politik mit der Thematik immer intensiver beschäftigt - die Luft also dünner wird - setzt das Haus Bauer zur Endpirouette im grossopolitischen
Eiertanz an und versucht sich in die Rolle des Systemreformers hinein zu argumentieren. Merkt in dem Verlag eigentlich niemand, wie unglaubwürdig und peinlich die Aktion ist? Offensichtlich will man sich von dem Ballast eines guten Rufes als verlässlichen, seriösen Partners befreien... .


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Weitere Beiträge zu diesem Thema
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.