Insolvenz einer Legende: Schaffhausen lässt Springer & Jacoby untergehen

07.04.2010
 

Die Werberei Springer & Jacoby steht offenbar vor dem endgültigen Aus: Die Agenturführung um Lutz Schaffhausen hat beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz für die Werbeagentur und die Digital-Tochter angemeldet, die beiden letzten verbliebenen Teile der einstigen Grand Dame der deutschen Werbeszene. "Ich sehe keine Chance mehr auf eine Rettung der Agentur", so Schaffhausen zu "w&v".

Die Werberei Springer & Jacoby steht offenbar vor dem endgültigen Aus: Die Agenturführung um Lutz Schaffhausen hat beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz für die Werbeagentur und die Digital-Tochter angemeldet , die beiden letzten verbliebenen Teile der einstigen Grand Dame der deutschen Werbeszene.

"Ich sehe keine Chance mehr auf eine Rettung der Agentur", so Schaffhausen zu "w&v". Das Hamburger Büro der Agentur ist bereits verwaist, den zuletzt 30 Mitarbeitern ist bereits zum Märzende gekündigt worden.

Zusammen mit Rechtsanwalt Wolfram Dabow hatte Agenturchef Lutz Schaffhausen über Monate versucht, einen Investor für S&J zu finden: Zuletzt scheiterte eine Übernahme durch die Scholz & Friends-Mutter Commarco offenbar an unterschiedlichen Preisvorstellungen (kress.de vom 8. Dezember 2009). Die österreichische S&J-Tochter kam bereits im vergangenen Jahr über einen Management-Buy-Out davon (kress.de vom 7. September 2009).

Schaffhausen hat S&J  im Jahr 2006 übernommen (kress.de vom 17. Oktober 2006), stutzte den Personalstamm - rund 300 Mitarbeiter - zurecht und baute um. Viele Kreative gingen, einige kamen später zurück. Damals überdachte noch Schaffhausens Holding Avantaxx den Deal - das Unternehmen geriet allerdings kürzlich selbst in die Insolvenz und wurde aufgelöst (kress.de vom 11. September 2009). Unberührt von der S&J-Pleite bleibt offenbar Schaffhausen Communication, Schaffhausens eigene Werbe- und Kommunikationsagentur.

S&J feierte noch im vergangenen Jahr 30-jähriges Bestehen: Die Hamburger Agentur ging 1979 unter dem Namen Eiler & Riemel Hamburg an den Start und avancierte schnell zur führenden Kreativschmiede Deutschlands - über 16 Jahre hing S&J am Tropf des Prestigekunden Mercedes-Benz, der Ende 2006 zu Jung von Matt wechselte (kress.de vom 21. August 2006).

Vor allem seit dem Absprung von Mercedes tat sich S&J schwer, Kunden und Kreative zu halten, allerdings schien schon die Chefetage zuvor mangelhaft gewirtschaftet und notwendige Reformen versäumt zu haben. Bis heute allerdings ist die deutsche Werbeszene mit ehemaligen S&J'lern durchsetzt, die mittlerweile an der Spitze einer eigenen Agentur, bei der Konkurrenz oder auf Unternehmensseite sitzen.

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