Döpfner im US-TV über das iPad und Israel: "Jeder Verleger sollte Steve Jobs täglich danken"

 

Springer-Chef Mathias Döpfner hat in einem Interview im US-Fernsehen eine Hymne auf das iPad gesungen. Im Gespräch mit dem Talkshow-Urgestein Charlie Rose sagte Döpfner: "Jeder Verleger auf der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen und Steve Jobs danken, dass er die Verlagsindustrie rettet." 

Springer-Chef Mathias Döpfner hat in einem Interview im US-Fernsehen eine Hymne auf das iPad gesungen. Im Gespräch mit dem Talkshow-Urgestein Charlie Rose sagte Döpfner: "Jeder Verleger auf der Welt sollte sich einmal am Tag hinsetzen und Steve Jobs danken, dass er die Verlagsindustrie rettet."

Döpfner war über das vergangene Wochenende mit seiner Familie in Miami, erzählte er Rose. Dessen Show wird seit 1991 vom PBS (Public Broadcasting Service) ausgestrahlt, einer Art öffentlich-rechtliches und nicht-kommerzielles Fernsehen in den USA, das hohes Ansehen im amerikanischen Bildungsbürgertum genießt.

"Einfach cool"

Am Samstag habe er gemeinsam mit seinem Sohn ein iPad im Apple Store gekauft und damit ein wenig herumgespielt, erzählte der Springer-Boss. "Ich denke, wir stehen damit am Beginn einer neuen Ära", so Döpfner zu Rose. Das iPad sei das Gerät, auf das alle in der Branche gewartet hätten. Es sei "einfach cool", darauf journalistische Inhalte zu lesen. Er sehe keinen Grund, warum ein traditioneller Zeitungsleser nicht auf ein iPad wechseln sollte.

Etwas später relativierte Döpfner zumindest seine Apple-Anbetung ein wenig. Natürlich müssten Verleger mit dem kalifornischen Unternehmen in neue Verhandlungen um die Verteilung der Umsätze treten. "30 Prozent sind einfach zu viel", sagte Döpfner über den Anteil, den Apple gewöhnlich einstreicht. Döpfner hielt dann auch gleich ein iPad mit der "Welt"-App in die Kamera und betonte, man habe den Preis nur auf 10% unter dem Preis für die gedruckten Produkte angesetzt.

"Ich liebe es!"

Der Springer-Chef nutzte die Gelegenheit in dem knapp halbstündigen Gespräch auch, um sein Unternehmen im besten Licht darzustellen. Trotz des Einwandes von Rose, Springer habe ja im vergangenen Jahr die Hälfte seines Nettogewinnes eingebüßt, ratterte Döpfner in exzellentem Englisch die Leistungswerte der Axel Springer AG herunter und wiederholte seine Aussage von der Bilanzpressekonferenz im März, 2009 sei in seiner professionellen Karriere "das glücklichste" gewesen.

Der Mediensektor sei lange Zeit überbewertet gewesen und sei nun unterbewertet, glaubt der Manager. Die Digitalisierung sei eine große Chance und es sei kein Problem, wenn Leser von gedruckten Medien auf digitale Medien umstiegen: "Ich liebe es!", versicherte er Rose. Wenn Medien das iPad und weitere neue Geräte als Wettbewerber behandelten, sei die Branche bald tot.

Überzeugender Auftritt


Döpfners Gastspiel im US-Fernsehen war aus zwei Gründen durchaus eindrucksvoll. Zum einen gibt es in Deutschland wohl nur wenige Medienmanager, die einen solchen Auftritt ähnlich überzeugend hätten hinlegen können. Springer hat zwar keine Beteiligungen in den USA, aber Döpfner positioniert sich in den Staaten als führender europäischer Verleger.

Zum zweiten inszenierte sich der gelernte Journalist als lupenreiner Staatsmann. Döpfner interessiert sich sehr für Außenpolitik, verbrachte früh in seiner Karriere einige Monate als Journalist bei amerikanischen Medien und kommentiert in den Springer-Zeitungen immer mal wieder außenpolitische Themen.

Kritik an Israels Siedlungspolitik


So befragte Rose Döpfner dann auch etwa zehn Minuten zu außenpolitischen Themen vom Nahen Osten bis zur Rolle des US-Präsidenten in Europa. Der Israel-Kenner und -Freund Döpfner kritisierte in dem Gespräch auch die Siedlungspolitik der israelischen Regierung. Auf der Seite Israels habe es "diplomatische Fehler und Dummheiten" gegeben.

Wer sich also fragt, welche Rolle der Mittvierziger Döpfner in der Zeit nach Springer vor Augen hat, bekommt hier bereits eine Vorstellung. Die Rolle des Publizisten und Staatsmannes, die zum Beispiel der große Lord George Weidenfeld, ein Freund Döpfners, verkörpert, dürfte ihm gut gefallen.

Ihre Kommentare
Kopf

Bernd Bitzer

08.04.2010
!

Und ich hatte schon befürchtet, daß Deutschlands Medienlandschaft auch diesmal wieder zu spät aufwacht – also vorwärts, liebet besonders eure vermeintlichen Feinde und nutzt die Chancen, die sich bieten! Die Zukunft wartet nicht…


Jürgen Beck

08.04.2010
!

Der "Staatsmann" Döpfner hat sich vor allen Dingen diesen Titel verdient, weil er nicht zur Verantwortung gezogen wurde als er für Springer eine halbe Milliarde Euro in den Sand setzte um der Post Konkurrenz zu machen und damit baden ging.
Döpfner ist ein neoliberaler Beau, der Hartz IV für Aufstocker als Geschäftsmodell mit seinem Postdienst einführen wollte.
Gut das er gescheitert ist. Aber wie üblich bei "Staatsmännern" tragen andere die Verantwortung!


Christian Meier

Christian Meier

WeltN24 GmbH
Redakteur für Medienthemen

08.04.2010
!

Hallo Herr Beck, Inszenierung und Realität (also z.B. die von Ihnen genannte Pin-Pleite) sind immer zwei Paar Schuhe, klar. Das ist in der Medienbranche ja nicht anders als in der Politik.


Rudolph Zeinhofer

08.04.2010
!

Regarding Apple the only words I can say is "Ohhh myyyy Goooood!"
Looks like as Mr. Doepfner had mixed up phrases originally belonging to McDonalds but not to Apple. Mac does sounds similar.


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