Kann Neofonie mit dem WePad gegen Apple punkten? Die "Wir"-Strategie

 

Nicht nur Apple kann Präsentationen von neuen Geräten inszenieren. Auch die bis dato kaum bekannte Firma Neofonie hat bei der Vorstellung ihres WePads am Montag in Berlin bewiesen, dass sie eine Menge Wirbel entfachen kann. Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen betonte zwar ohne Unterlass, dass das WePad kein "iPad-Killer" sei. Trotzdem war das iPad ständiger Vergleichsgegenstand.

Nicht nur Apple kann Präsentationen von neuen Geräten inszenieren. Auch die bis dato kaum bekannte Firma Neofonie hat bei der Vorstellung ihres WePads am Montag in Berlin bewiesen, dass sie eine Menge Wirbel entfachen kann. Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen, 36, betonte zwar ohne Unterlass, dass das WePad kein "iPad-Killer" sei. Trotzdem war das iPad ständiger Vergleichsgegenstand.

Der Andrang in dem allerdings nicht gerade ausladenden Konferenzraum war groß, als Hoffer von Ankershoffen die zahlreich erschienenen Journalisten, darunter ein halbes Dutzend Kamerateams, begrüßte. Ganz in schwarz gekleidet,  einen roten Schal locker umgebunden, sprach der ehemalige Informatik-Student und Fireball-Entwickler von 2010 als dem "Jahr der Tablets".

Was das WePad - zunächst im Sommer in Deutschland, dann vermutlich gegen Jahresende weltweit - bei den Nutzern populär machen soll, ist die "Wir"-Strategie. Offen soll das ca. 800 Gramm schwere WePad sein - für die Nutzer und für Entwickler. "Keine Barrieren" solle das Gerät aufbauen, so Hoffer von Ankershoffen. Viele Schnittstellen und größtmögliche Kompatibilität sollen dafür sorgen, dass die Hürden niedrig sind, sich mit dem WePad anzufreunden. Mt den technischen Details hat sich kress hier schon beschäftigt.

Warum es klappen könnte:

1. Neofonie arbeitet mit professionellen Partnern zusammen. Dazu gehören Adobe, Intel, Siemens und eine "renommierte" Herstellerfirma in Asien sowie ein versierter Servicepartner, der ungenannt blieb. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist die 2007 gegründete Firma 4tiitoo, mit der Neofonie nun die WePad GmbH gegründet hat. Aber: Das WePad fliegt nur, wenn alle Rädchen ineinandergreifen, da können die Partner noch so gut sein. Fast alle Partner haben selbstverständlich auch Geschäftsbeziehungen mit WePad-Konkurrenten. Ein Selbstgänger ist das Roll-Out des Gerätes darum nicht, sondern vor allem eine gewaltige logistische Herausforderung.

2. Das WePad und seine Infrastruktur soll attraktiv für Medienpartner sein. Das Geschäftsmodell setzt hier vor allem an. Das eigentliche Gerät tritt darum sogar bei dem Geschäftsmodell ein wenig in den Hintergrund. Eine E-Publishing Plattform namens "WeMagazine" soll die Kunden anlocken. Mittels der Software soll es möglich sein, Print-Titel in elektronische Magazine umzustricken - egal auf welchem Tablet, also auch auf Apples iPad.

Wer die Plattform nutzt, bekommt auf Wunsch ein Gesamtpaket, das Produktion, Verkauf, Auslieferung und Benutzung der Inhalte ermöglicht. Daran verdient Neofonie dann mit - übrigens wohl auch an der Werbung, die bei Nutzung der "WeMagazine"-Plattform geschaltet wird. Von Neofonie entwickelte SmartAds sollen ebenso wie Affiliate-Inhalte integrierbar sein. Der Umsatzanteil, der an das Berliner Unternehmen fließt, sei aber geringer als die 30%, die Apple von seinen Partnern kassiert. Man biete "faire Bedingungen", warb der WePad-Chef.

Dazu gehöre auch, dass man "keine Zensur" ausübe und die Kundeninformationen in der Hand der Verlage blieben. Gruner+Jahr und Ringier in der Schweiz sind von Beginn an dabei. Als Verlagsvertreter war Tobias Seikel von G+J bei der Pressekonferenz anwesend. Er stellte das E-Magazin vom "stern" kurz vor und soll potenziellen Neukunden natürlich zu verstehen geben, dass die We-Plattform etwas taugt. Aber: Medienunternehmen wollen auf allen Plattformen vertreten sein, um ihre Umsatzchancen zu erhöhen. Es setzt sich letztlich durch, was bei den Nutzern ankommt. Die Geschäftsdetails interessieren diese wohl wenig.

3. Das WePad ist offener als das iPad. Von der Entwicklerplattform bis zu den Schnittstellen (USB, HDMI, etc.) und der Integration von Flash, der Unterstützung von Android und Linux - man ist dem Gedanken von OpenSource verpflichtet. Bei der Integration von technischen Features habe man auch auf die Community gehört, sagte Hoffer von Ankershoffen. Und während Apple-Chef Steve Jobs mit Flash-Störmanövern eigene Standards durchsetzen will, die seines Erachtens besser sind, akzeptiert Neofonie das, was sich bereits durchgesetzt hat. Aber: Offenheit ist ein Schlagwort, das oft von Experten benutzt wird. Möglicherweise wollen manche Nutzer gar nicht immer die totale Offenheit und genießen das digitale Leben in einer geschlossenen und letztlich auch unkomplizierter und durchgestylter erscheinenden Oberfläche.

4. Das WePad-System soll vielseitig genutzt werden können. Nicht nur Gadget-Freaks und Netz-Nerds, auch Außendienstleister und Ärzte sollen das WePad im Alltag einsetzen können. Das ist gut gedacht, denn allein von einer Minderheit der Web-Society kann kaum eine Firma leben. Schon gar keine, die es mit Apple aufnehmen will, die auf diese Klientel bereits gebucht ist. Das WePad als die demokratischere Alternative braucht also Zielgruppen und darf nicht darauf hoffen, dass diese von alleine zu dem Gerät finden.

5. Apple. Am Ende der Pressekonferenz wurden Äpfel mit eingestanztem WePad-Logo verteilt. Das war eine kleine Stichelei und eine Hommage an den kalifornischen Weltkonzern zugleich. Denn so lässt sich auch das Verhältnis zwischen David Neofonie und Goliath Apple beschreiben. Man beackert denselben Markt und macht sich dabei fraglos auch Konkurrenz. Die Kaufentscheidung der Nutzer hängt von deren Präferenzen und dem jeweiligen Marketing ab. Aber ohne den Hype um das iPad wäre auch der Trubel um seinen deutschen Herausforderer nicht halb so groß. Es gibt also gute Gründe, wenn der Neofonie-Chef Steve Jobs seine Vereherung versichert.

Hoffer von Ankershoffen gründete Neofonie 1998. Bisher trat das Unternehmen als Suchtechnologie-Experte (u.a. für "stern.de") und App-Schmiede (für einige Unternehmen, darunter dem Vernehmen nach die Axel Springer AG) in Erscheinung. Der Gründer sagt, kein Fremdkapital sei für das Projekt WePad in Neofonie geflossen. Wie er die vermutlich nicht geringen Investitionen in den drei Jahren Entwicklungszeit gestemmt hat, wollte er auf der Pressekonferenz nicht verraten.

Der Erfolg des WePad wird aber in nicht geringem Maße davon abhängen, dass die Finanzierung der Unternehmung auf festem Boden steht. Die Vorstellung, dass ein deutsches Unternehmen mit 170 Mitarbeitern ein Produkt entwickelt, das Apple und künftigen weiteren milliardenschweren Mitbewerbern - Microsoft, Google - Paroli bieten kann, ist gleichwohl abenteuerlich. Eine Journalistin wähnte sich bei der Vorstellung dann auch bei der "Versteckten Kamera".

Davon ließ sich die journalistische Gadget-Meute freilich nicht beirren. Als Hoffer von Ankershoffen das WePad hervorzog - es sei gestern "per Post" gekommen - stürzten sich gleich zwei Dutzend Fotografen und Kamerateams auf das Gerät und seinen Schöpfer. Ein bemerkenswerter Moment. So oder so.

Nachtrag: Bei der Präsentation des WePad lief offenbar nur eine Endlosschleife im Gerät. Die eigentliche Software war demnach noch nicht lauffähig. Mehr hier.

Ihre Kommentare
Kopf

Stephan Magnus

13.04.2010
!

Leute, irgendwie verhagelt mir sowas die Laune . . .
Ob ein deutsches Unternehmen mit 170 Mitarbeitern milliardenschweren Unternehmen Konkurrenz machen kann? Versteckte Kamera?
Wieso eigentlich nicht? Hat irgendwer vergessen, wie z.B. Google angefangen hat? In Konkurrenz zur riesigen Yahoo und zu Altavista?
Und wieso sind Google, Microsoft u.a. keine deutschen Unternehmen? Klar, Amerikaner kommen nicht auf so schräge Zweifel. Die glauben daran, dass sie gewinnen können.


Christian Meier

Christian Meier

WeltN24 GmbH
Redakteur für Medienthemen

13.04.2010
!

Lieber Stephan Magnus, alle haben klein angefangen, klar. Ich schreibe ja auch, dass das WePad Chancen hat. Aber ich muss auch sagen: Journalisten sind nicht dafür da, Ihnen eine gute Laune zu bereiten. Eine gesunde Portion Skepsis ist immer angebracht und wohl auch so etwas wie eine Grundvoraussetzung für den Job. Grundsätzlich wäre es aber gut, wenn es Alternativen zum iPad gibt, gar keine Frage.


Christian Schims

13.04.2010
!

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast lachen: Manche Manager in deutschen Zeitungsverlagen träumen immer noch davon, eigene digitale Standards zu setzen – und jetzt hat ein Cleverle entdeckt, dass man ihnen für ein "eigenes" Gadget auch noch Geld aus der Tasche ziehen kann.

Eine Newsapp ist EINE App unter vielen. Hat "meine" Zeitung keine, lese ich eine andere. Die Entscheidung für ein iPad, WePad – oder was auch immer – wird doch davon nicht beeinflusst. Das Gesamtpaket entscheidet.


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