kress-Check "Der letzte Bulle"/"Danni Lowinski": Sat.1 verschafft sich mit Maloche wieder Luft

 

Zurück zu den teutonischen Tugenden, zurück zu Machosprüchen und Mädelsgekreische: Mit den gut abgehangenen Eigenproduktionen "Der letzte Bulle" und "Danni Lowinski" könnte Sat.1 am Montag wieder dauerhaft einen Fuß auf den Boden bekommen. Das lange Warten auf erste RTL-Schwächen hat sich gelohnt.

Zurück zu den teutonischen Tugenden, zurück zu Machosprüchen und Mädelsgekreische: Mit den gut abgehangenen Eigenproduktionen "Der letzte Bulle" und "Danni Lowinski" könnte Sat.1 am Montag wieder dauerhaft einen Fuß auf den Boden bekommen. Das lange Warten auf erste RTL-Schwächen hat sich gelohnt. 

Feingeister müssen jetzt natürlich weiterzappen: Was man gemeinhin so unter deutschem Fernsehhumor versteht, ist nicht immer Grimme-verdächtig. Und so hagelt es in der Krimiserie "Der letzte Bulle" genauso dumpfe Machosprüche wie in "Danni Lowinski" im Sozialkitsch gesuhlt wird – mit Dosenbier und Friseusenwitzen. Natürlich musste sich Annette Frier für ihre Rolle in viel zu enge Minis und noch bedrohlichere Tops zwängen. Genauso muss immer, wenn der aus dem 80er-Koma wiedererwachte Bulle Mick (Henning Baum) als "Schimanski"-Verschnitt durch die Bürogänge gockelt, aus den Boxen weichgespülter Power-Rock dröhnen. Und natürlich wissen alle Fernsehfüchse, dass "Danni Lowinski" eben eine dreiste Melange aus "Liebling Kreuzberg" und "Erin Brockovich" ist – und die Macher von "Der letzte Bulle" auch schon die GB-Serie "Life on Mars" gesehen haben. 

Doch was wäre mit Mäkeln erreicht? Trotz einiger Abstriche – der eine Nichtraucherwitz zuviel im "Letzten Bullen", das sich androhende Schmacht-Geplänkel mit dem geschleckten Staranwalt (Jan Sosniok) in "Danni Lowinski – bieten beide Sat.1-Neustarts gute Unterhaltung. Geschenkt, dass in der Auftaktfolge des Krimis, in der erst einmal die komplizierte Zurück-aus-der-Vergangenheit-Konstellation erklärt werden musste, die Verbrechensermittlung eigentlich niemanden interessiert haben dürfte. Dafür gab's in "Danni Lowinski" einen hübschen Catfight im Altpapier zu sehen – und viel selbstironische Offenheit: "Ich bin billig", lautet das Motto des Neustarts.

Dass sich das lange Warten, bis die mehrfach verschobenen Serien – man erinnert sich dunkel an den alten "Kerner"-Sendeplatz am Montag – gelohnt hat, war wohl mehr Zufall als Kalkül. Jetzt füllen beide Serien auf dem teutonischen Handarbeitsplatz, auf dem RTL mit "Doctor's Diary" schon überraschende Erfolge gefeiert hat, eine Lücke, die der Marktführer lässt. Dokusoaps vom Schlage "Vermisst" haben dieser Tage nicht gerade Sonderkonjuktur.

So erklärt sich auch knallige Erstauftritt: "Der letzte Bulle" startete mit 2,99 Mio Gesamtzuschauern, darunter 1,68 Mio Jüngeren, und lag mit einem Zielgruppen-Marktanteil von 13,2% weit über dem aktuellen Sat.1-Schnitt. Noch besser erging's "Danni Lowinski": Die Anwaltsserie lockte vom Start weg 3,38 Mio Zuschauer ab drei Jahren, darunter 2,18 Mio 14- bis 49-Jährige, an und sicherte sich so den Zielgruppen-Tagessieg (Marktanteil: 15,8%). Zum Vergleich: Vor zwei Wochen, vor dem Ostermontag-Feiertag, kam der US-Spielfilm "Freaky Friday" auf dem 20:15-Uhr-Sendplatz auf einen Schnitt von 12,2%.

Die Werbeflächen rund um beide Serien waren gut bestückt, darunter beim hart malochenden "Bullen" eine Ruhrgebiets-Sprachvariante des Müller Milch-Spots. Speziell platziert war Verona Pooths Schwartau-Schleckerei. "Danni Lowinski" hat bereits zum Serienstart einen Sponsor gefunden: Bei der Phoenix-Film-Produktion schwingt prominent Roland Rechtsschutz das Schwert. Alles allem doch "rattengeil", wie Danni sagen würde.

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