Strunz präsentiert sein neues "Abendblatt": "In der Zeitung steht, was es bedeutet"

22.04.2010
 

Nächste Etappe im Projekt "Abendblatt 3.0": Chefredakteur Claus Strunz stellt sein neues "Hamburger Abendblatt" vor, das ab Montag, 26. April, erscheint. Aufgeräumter, seriöser und meinungsfreudiger will es künftig daher kommen. "Online steht, was passiert - in der Zeitung steht, was es bedeutet", lautet die Devise. Das heißt: mehr Hintergrund, Analyse und Meinung im Blatt. Die Ausnahme bilden allerdings Exklusivnachrichten, die weiterhin der Zeitung vorbehalten sein sollen. Mit dem Relaunch will Strunz vor allem jüngere, gebildete und gut verdienende Zugezogene erreichen -

Nächste Etappe im Projekt "Abendblatt 3.0": Chefredakteur Claus Strunz stellt sein neues "Hamburger Abendblatt" vor, das ab Montag, 26. April, erscheint. Aufgeräumter, seriöser und meinungsfreudiger will es künftig daher kommen. "Online steht, was passiert - in der Zeitung steht, was es bedeutet", lautet die Devise. Das heißt: mehr Hintergrund, Analyse und Meinung im Blatt.

"Was gestern in der 'Tagesschau' lief, bedarf einer neuen Sichtweise, um am nächsten Tag in der Zeitung noch eine Daseinsberechtigung zu haben", so Strunz. Die Ausnahme bilden Exklusivnachrichten, die weiterhin der gedruckten Zeitung vorbehalten sein sollen.

Mit dem Relaunch will Strunz vor allem jüngere, gebildete und gut verdienende Zugezogene erreichen. Er glaubt allerdings nicht mehr daran, dass junge, urbane Menschen gleich ein Abo abschließen. Er sei zufrieden, wenn es das "Hamburger Abendblatt" zumindest zwei bis drei Mal die Woche in ihren Lesekanon schafft.

Sechsspaltiges Layout, Kultur mit eigenem Buch

Zu den Änderungen: Das "Hamburger Abendblatt" hat ab Montag ein sechsspaltiges Layout, bislang sind es sieben Spalten. Die Fraktur im Titelkopf bleibt, die Anzeige dort fällt weg. Kleinteilige Text-Schnipsel verschwinden, die Fotos werden verkleinert - "Der Text ist der König der Zeitung", sagt Strunz. Das Marken-Grün bleibt, wird aber dunkler, ebenso das Rot in manchen Überschriften - das lässt die Zeitung gediegener erscheinen.

Auf Seite zwei gibt es künftig eine Meinungsseite - gleich zu Beginn soll also das Versprechen von mehr Analyse eingelöst werden. Danach folgen die Ressorts Politik, Hamburg, Kultur, Wirtschaft und Sport. Neu: Kultur bekommt ein eigenes Buch, der Platz geht zu Lasten von Sport. Bei 60% Frauenanteil unter den Lesern eine naheliegende Entscheidung. Die Anbindung an den Online-Auftritt ist künftig etwas versteckt: Am oberen Rand der Seite stehen blaue Hinweise auf Bildergalerien oder Videos. Direkt hinter dem Artikel gibt es keine "Verlinkungen" mehr.

Image aufpolieren zur "Metropolen- und Weltstadtzeitung"

Strunz will mit dem Relaunch das Image der Regionalzeitung aufpolieren, sie zur "Metropolen- und Weltstadtzeitung" machen und den Charakter einer verstaubten Regionalzeitung abstreifen. Die Zeitung biete bereits qualitativ hochwertige Inhalte - nur sei das bisher nicht bei den Lesern angekommen. An den Relaunch will Strunz keine konkreten Auflagenziele knüpfen, denkt aber, dass sich die Auflage damit zumindest stabilisieren lässt. Im ersten Quartal 2010 verkaufte Springer 235.044 Exemplare der Zeitung, davon 180.875 im Abo und (IVW 1/2010).

Um den Image-Wechsel bekannt zu machen, verteilt Axel Springer am Montag 1 Mio Exemplare in Hamburger Briefkästen. Dazu gibt es eine Kampagne, in der es u.a. heißt "Hamburg wird wichtiger, unsere Zeitung auch" - dazu ein Bild der Elbphilharmonie. Die Motive stammen aus der Feder von kempertrautmann.

Pendlerzeitung im Tabloid-Format angedacht

Derzeit werkelt Springer auch an einer iPad-App für das "Hamburger Abendblatt". Eine iPhone-App der Zeitung gibt es derzeit nicht, das Gerät wird wohl "übersprungen". Für die Zukunft könnte eine Pendlerzeitung im Tabloid-Format anstehen. So will Strunz die Leser auch auf dem Heimweg in der S-Bahn erreichen - und es in die Morgennachrichten schaffen. Er könne sich das "Hamburger Abendblatt" auch in zwei Versionen vorstellen: ein Tabloid für den Kiosk und das nordische Format für Abonnenten Zuhause. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

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