Urteil am kommenden Mittwoch: Bauer und Grosso-Verband lehnen Vergleich ab

23.04.2010
 

Im Rechtsstreit zwischen Bauer Vertriebs KG und Bundesverband Presse-Grosso haben die Parteien am Freitagnachmittag vor dem Landgericht Hamburg einen Vergleich abgelehnt - er scheiterte an der Kostenregelung. Das Gericht will das Urteil am Mittwochmittag verkünden. Es geht bei der Auseinandersetzung darum, ob der Grosso-Verband weiter behaupten darf, dass Bauer-Vertriebschef Heribert Bertram in einem Gespräch mit Grossisten den Rückzug der Bauer-Tochter Pressevertrieb Nord (PVN) aus einem bestimmten Gebiet gegen Geld angeboten hat. Zeugenaussagen zufolge soll Bertram sogar gesagt haben, er werde dem Geschäftsführer des PVN "die Eier auf den Rücken binden",

Im Rechtsstreit zwischen Bauer Vertriebs KG und Bundesverband Presse-Grosso haben die Parteien am Freitagnachmittag vor dem Landgericht Hamburg einen Vergleich abgelehnt - er scheiterte an der Kostenregelung. Das Gericht will das Urteil am Mittwochmittag verkünden.

Es geht bei der Auseinandersetzung darum, ob der Grosso-Verband weiter behaupten darf, dass Bauer-Vertriebschef Heribert Bertram in einem Gespräch mit den Grossisten Jan Carlsen (Carlsen) und Uwe Zeyn (VPV-Lamich) den Rückzug der Bauer-Tochter Pressevertrieb Nord (PVN) aus dem Gebiet des Grossisten Grade gegen Geld angeboten hat. Zeugenaussagen der Grossisten zufolge soll Bertram sogar gesagt haben, er werde dem Geschäftsführer des PVN "die Eier auf den Rücken binden", solle er die Lieferrechte umsonst hergeben.

Laut Carlsen und Zeyn hat Bertram bei diesem Gespräch eine konkrete Summe genannt, die der Rückzug des PVN aus dem Grade-Gebiet wert sei, nämlich 670.000 Euro. Er soll ferner gesagt haben, der Betrag könne auch in Raten gezahlt werden (in 10 Jahren) oder in Form einer Beteiligung an dem (geplanten) fusionierten Unternehmen von Carlsen mit VPV Lamich.

Bauern kontert mit zwei eidesstattlichen Versicherungen

Im Wesentlichen ging es bei der Verhandlung um ein Gespräch zwischen Carlsen, Zeyn, Bertram und Kerstin Gajewi, Vertriebschefin Handel bei Bauer, das am 11. Februar 2010 stattgefunden haben soll. In diesem Gespräch soll Bertram den Rückzug des PVN gegen Geld angeboten haben. Den eidesstattlichen Versicherungen von Carlsen und Zeyn über den Inhalt dieses Gesprächs hat der Bauer-Anwalt am Freitag eine eidesstattliche Erklärung von Bertram sowie eine von Gajewi entgegengesetzt - es steht also Aussage gegen Aussage.

Aufgrund dieses Pattsituation regte das Gericht einen Vergleich an: Die Parteien sollten sich damit einverstanden erklären, den Inhalt des Gesprächs nicht mehr in die Öffentlichkeit zu tragen. Das hatte der Grosso-Verband mit einer Presseerklärung Anfang März getan (kress.de vom 9. März 2010). Dieser Vergleich scheiterte an der Kostenfrage: Während der Grosso-Verband auf eine gleichgewichtige Verteilung pochte, war Bauer dazu nicht bereit. Dabei ging es weniger um die tatsächliche Zahlung als um die Symbolik: Wer mehr zahlt, geht als Verlierer vom Platz. Der Anwalt des Bauer-Verlags warf dem Grosso eine "choreografierte Kampagne" vor - was der Anwalt des Grosso-Verbands entschieden zurückwies.

Daraufhin wurden die Zeugen Carlsen, Zeyn, Rüdiger Stettinski und Bertram gehört. Der Journalist Stettinski hatte im Mediendienst "textintern" von dem Gespräch und Bertrams Angebot berichtet, woraufhin der Verlag juristisch gegen den Text Verlag vorging (kress.de vom 16. Apirl 2010). Stettinski sagte aus, dass Bertram in einem Telefonat bestätigt habe, dass er Carlsen und Zeyn gegenüber geäußert habe, das PVN sich gegen Geld aus dem Grade-Gebiet zurückziehen könnte.

Carlsen und Zeyn sagten außerdem aus, Bertram habe ihnen bereits in vorherigen Gesprächen den Rückzug des PVN in Aussicht gestellt. In dem Gespräch im Februar habe es nicht um das "ob", sondern das "wie" und "wann" gehen sollen. Auf die Geldforderung reagierten sie dementsprechend überrascht. Woraufhin Bertram sie gefragt haben soll, ob sie tatsächlich so naiv gewesen seien, zu glauben, dass sich PVN ohne eine Geldzahlung zurückziehen werde.

Bertram bestritt in seiner Aussage diese Behauptungen. Er stritt auch ab, vor dem Gespräch gewusst zu haben, worum es gehen sollte. Er stellte den Sachverhalt so dar, dass die Grossisten mit Grade über einer Übernahme verhandelten - der aber nur verkaufen wolle, wenn PVN die Lieferrechte abgebe. Carlsen und Zeyn hatten zuvor behauptet, Bauer sei an einer Fusion der drei Grossisten gelegen gewesen und habe daher den Rückzug angeboten. Bertram sagte, er habe die Lieferrechte der PVN in diesem Gebiet niemals abgeben wollen und er habe auch künftig nicht die Absicht, das zu tun. PVN arbeite profitabel, es bestehe keine Notwendigkeit zum Rückzug. Bertram hielt seine Aussagen im Gegensatz zu den anderen Befragten äußerst knapp. Details aus dem Gespräch nannte er kaum.

Damit steht erneut - bzw. immer noch - Aussage gegen Aussage. Das Gericht will sein Urteil am Mittwoch, 28. April, gegen Mittag verkünden.

Hintergrund: Die Grossisten Carlsen und VPV-Lamich (Zeyn) planen eine Fusion und dann die Übernahme des Grossisten Grade. Bauer hatte Grade Anfang 2009, ebenso wie dem Grossisten Mügge, gekündigt und die Lieferung seiner Magazine an den PVN übertragen. Grade und Mügge klagten dagegen, bekamen in erster Instanz Recht und verloren in der zweiten Instanz. Nun ist das Verfahren beim Bundesgerichtshof (BGH) anhängig.

In der Branche herrscht auch bei anderen Verlagen Verwunderung darüber, dass Bauer in dieser Härte gegen die Aussagen des Grosso-Verbands vorgeht. Möglicher Hintergrund ist das bevorstehende BGH-Verfahren. Sollte der Verlag tatsächlich den PVN-Rückzug gegen Geld angeboten haben, könnte er vor dem BGH schlecht behaupten, mit der Kündigung von Grade und Mügge und dem Markteintritt von PVN den Wettbewerb stärken zu wollen.

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