kress-Check "Zoón": Tierisches Gesellschaftsmagazin mit ironischem Duktus

30.04.2010
 

Am Freitag entlassen die jungen Berliner Magazinmacher Insa Voss und Viktor Sammain ihr angekündigtes Tiermagazin "Zoón" in die freie Wildbahn und geben ihrem Küken einiges mit: Das Heft kommt griffig daher, Optik und Layout stimmen - als "Coverboy" wurde ein imposanter Silberrücken verpflichtet. Überraschend ist, welche Geschichten sich - mit teils ironischen, teils ernsten Untertönen - vom Oberthema "Beziehung Mensch/Tier" ableiten lassen.

Am Freitag entlassen die jungen Berliner Magazinmacher Insa Voss und Viktor Sammain ihr angekündigtes Tiermagazin "Zoón" in die freie Wildbahn und geben ihrem Küken einiges mit: Das Heft kommt griffig daher, Optik und Layout stimmen - als "Coverboy" wurde ein imposanter Silberrücken verpflichtet. Überraschend ist, welche Geschichten sich - mit teils ironischen, teils ernsten Untertönen - vom Oberthema "Beziehung Mensch/Tier" ableiten lassen. Kurz: Der "Zoón"-Erstling darf sich am Büdchen durchaus selbstbewusst auf die Brust trommeln.

Griffiges Papier und Klebebindung sollen "Zoón" offenbar als potenzielles Sammelobjekt ausweisen, Optik und Layout geben sich mit großen Bildern, Nahaufnahmen, Infografiken, Zeichnungen und Illustrationen so abwechslungsreich wie die Themenauswahl, die offenbar fundierte zoologische Infos mit Unterhaltung paart.

"Die liebe Verwandtschaft" titelt das erste Heft - und meint das durchaus programmatisch: "In jeder Ausgabe wird es um unsere Verwandten gehen, die Tiere, und die Frage, was wir mit all diesen felligen, schuppigen, fedrigen oder schlicht schleimigen Geschöpfen gemein haben - und was eben nicht", schreibt die Redaktion im Editorial.

Gleich in mehreren Geschichten wollen die Macher dem etwas traurig drein blickenden Titel-Affen gerecht werden: Die meist freien Schreiber gehen der Kultur der Tiere auf den Grund, klären die verzweigten Verwandtschaftsverhältnisse - und berichten aus den bedrohten Rückzugsräumen des Berggorillas im Westen Afrikas.

Im Interview wehrt sich u.a. der Boxer Vladimir Klitschko - dieses Mal mit Worten - gegen die Treibjagd auf Delfine, zu Wort kommen auch Christian Grzimek, Enkel des legendären Bernhard Grzimek und im wissenschaftlichen Beirat von "Zoón", oder Inge Sielmann anlässlich ihres 80. Wiegenfestes - sie führt bis heute das Lebenswerk ihres verstorbenen Gatten Heinz fort.

Auf humorvolle Weise erörtern Autoren die wahre Identität des jüngst viel zitierten "Axolotl", offenbaren was Kühe mit Kapitalisten gemein haben und experimentieren gedanklich mit einer Neuauflage von Noahs Arche. Für eine Reportage über das zwielichtige Geschäft mit essbaren Volgelnestern spürte Autor Andrew Marshall dem omniösen Mr. Little in den thailändischen Wäldern hinterher, Italien-Korrespondent Tommaso Basevi hat vor Ort mit dem TV-Koch Beppe Bigazzi gesprochen - der im vergangenen Jahr vor laufender Kamera eine Katze schmackhaft zubereitete.

Zudem: Storys über Schaben in der Weltraumforschung, die historischen "Kabeljau-Kriegen" - und dazwischen mogelt sich ein 10-seitiger Comic-Bilderstrip über "Wilde Tiere in der Stadt" (von dem Belgrader Maler und Blogger Aleksander Jestrovic Jamesdin).

Aber für wen ist "Zoón" gemacht? "Ohne Altersbeschränkung", sagen die Macher - nur ein wenig Grips müsse man schon mitbringen. Werbeplaner tun sich ob des schwammigen Zielgruppen-Zuschnitts vielleicht schwer. Dennoch überzeugt das Heft als positives Beispiel für ambitionierten Magazin-Journalismus, der nicht bereits während der Ideenfindung auf die Anzeigenmärkte geschielt hat.

Für den Erstling hat der kleine Natur- und Tierverlag, Münster, unter Verleger Matthias Schmidt, einige Anzeigenkunden in den nahe gelegenen Biotopen gefischt. Auf den Umschlagseiten werben die Deutsche Wildtier Stiftung und die Vogelmesse "Bird Munich 2010", im Heft kommen ein paar kleinere Anzeigen und Eigenwerbung des Verlags dazu.

Allerdings käme den Machern eine etwas breiter aufgestellte Werbekundschaft sicher zupass. "Zoón" wendet sich mitnichten nur an Tier-Experten, sondern will offenbar auch deutliche Fußabdrücke in den Ressorts Kultur und Gesellschaft hinterlassen. In "Zoón" steckt daher mehr als das Tier-Motto zunächst vermuten lässt: Ein bißchen Bio-Fibel, eine gute Portion "Geo", eine Prise "brand eins", "Neon" und "11 Freunde" - vor allem aber viel Herzblut.

Der Titel kommt zweimonatlich mit 50.000 Exemplaren an den Kiosk (über IPS) und kostet 5,90 Euro, eine 1/1 Anzeigenseite 4c ist für 3.800 Euro zu haben. Unter "zoon.de" ging jüngst die Internetplattform online - auf Facebook hat sich bereits eine kleine, aber leidenschaftliche Community versammelt.

Ihre Kommentare
Kopf

Albert Warnecke

05.05.2010
!

Ich habe mir die Zoon gekauft und finde sie wirklich gut.
Klar, noch einige rauhe Ecken und manche Autoren könnten etwas weniger akademisch formulieren. Aber ansonsten: Ein wahrer Leuchtturm im Meer der Belanglosigkeiten.
Endlich mal ein Verleger, der nicht rumwimmert, sondern ambitioniert eine Sache angeht.

Albert Warnecke


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