Gabor Steingart über Gerhard Cromme: Informantenschutz à la "Handelsblatt"

 

In seiner Mittwoch-Ausgabe (5. Mai) macht das "Handelsblatt" mit einer Geschichte über den Manager Gerhard Cromme auf. Der ist sowohl Aufsichtsratschef bei Thysssen-Krupp wie bei Siemens. Und hat offenbar den Wechsel von Siemens-Manager Heinrich Hiesinger an die Spitze von Thyssen eingefädelt. Ein klarer Interessenkonflikt, urteilt das "Handelsblatt".

In seiner Mittwoch-Ausgabe (5. Mai) macht das "Handelsblatt" mit einer Geschichte über den Manager Gerhard Cromme auf. Der ist sowohl Aufsichtsratschef bei Thysssen-Krupp wie bei Siemens. Und hat offenbar den Wechsel von Siemens-Manager Heinrich Hiesinger an die Spitze von Thyssen eingefädelt. Ein klarer Interessenkonflikt, urteilt das "Handelsblatt".

Befremdlich ist, wie Chefredakteur Gabor Steingart den Deal kommentiert. Seinen Kommentar auf der Titelseite beginnt er mit dem Satz: "Vorneweg das: Ich bin befangen." Er habe Cromme vor 20 Jahren kennen gelernt. Steingart: "Der Kontakt riss nie ab." Auch in der "Übernahmeschlacht" Thyssen/Krupp sei auf Cromme "Verlass" gewesen.

Weiter: "Einmal meldete er sich im Flüsterton aus der Vorstandstoilette, weil er keine andere Chance sah, sein Versprechen auf Rückruf zu halten....Er informierte, aber er diffamierte nicht." Cromme sei ein "Ehrenmann".

Fragt sich der Leser: Wenn Steingart denn befangen ist, warum kommentiert er dann auf diese Art und Weise? Wer befangen ist, sollte eigentlich schweigen. Und: Wenn er denn schon über den Ehrenmann Cromme schreiben muss, warum gibt er ihn gleichzeitig so offen als seinen langjährigen Informanten preis?

Sicher - vom Chefredakteur einer führenden Wirtschaftszeitung erwartet man geradezu, dass dieser mit den Mächtigen im Lande im Gespräch ist. Doch mit seiner befangenen Ehrenrettung erweist Steingart Cromme einen Bärendienst. Dax-Chefs, die gelegentlich vertraulich mit Steingart telefonieren, dürften gewarnt sein.

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