Thomas Huber über die Echokammern des Internet: "Unübersehbare Dominanz des Partikularen"

 

In einem Essay für den Deutschen Trendtag hat sich der Berater Thomas Huber  die "Jungtürken-Rebellion gegen das Print-Imperium" vorgenommen. Auf der einen Seite die "Abwehrkette des Printjournalismus", auf der anderen Seite eine "selberernannte Bohème", die sich neue Kommunikationsräume im Netz geschaffen habe. Nur, so Huber: "Bei Blogs, Webzeitungen und anderen neuen Formaten - nicht zuletzt bei Social Media - gibt es eine unübersehbare Dominanz des Partikularen."

In einem Essay für den Deutschen Trendtag hat sich der Berater Thomas Huber  die "Jungtürken-Rebellion gegen das Print-Imperium" vorgenommen. Auf der einen Seite die "Abwehrkette des Printjournalismus", auf der anderen Seite eine "selberernannte Bohème", die sich neue Kommunikationsräume im Netz geschaffen habe. Nur, so Huber: "Bei Blogs, Webzeitungen und anderen neuen Formaten - nicht zuletzt bei Social Media - gibt es eine unübersehbare Dominanz des Partikularen."

Ein Auszug aus Hubers Text:

"Denn bei Blogs, Webzeitungen und anderen neuen Formaten – nicht zuletzt bei Social Media – gibt es eine unübersehbare Dominanz des Partikularen. In diesen neuen Räumen geht es meistens nicht (mehr) um allgemeine öffentliche Angelegenheiten und Informationen. Hier wird sehr nachdrücklich zu den bereits Überzeugten gesprochen und damit ist stets ein Gestus der agitatorischen Mobilisierung verbunden: Das Sprechen in diesen Räumen zielt auf die Stärkung des eigenen Anliegens gegenüber der "Außenwelt", die tendenziell nicht als Partner, sondern als Hindernis bei der Durchsetzung der "eigenen Sache" empfunden wird.

Diese agitatorische Mobilisierung zielt offen auf die Herstellung eines ideologisch, kulturell oder politisch homogenen Publikums. Eine Konfrontation mit anderen bzw. abweichenden Meinungen findet nicht oder oft nur abwertend statt. Der explizit erklärte Zweck solcher Plattformen ist es, unter sich zu bleiben, die eigene Gruppe und ihre Überzeugung zu stärken und die eigene Sicht der Dinge nicht mehr zur Disposition zu stellen. Sie fungieren daher vor allem als Resonanzböden der jeweiligen Orientierung – der "Weltinnenraum des Kapitals" zerfällt in unendlich viele kleine Echokammern. Man hört in dieser Abgeschiedenheit nur noch sich selbst, wie einst der bayerische Märchenkönig Ludwig II., der auf einem Floß im Königsee ganz versunken seinem eigenen Echo lauschte."

Thomas Huber ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung semanticom für Public Affairs, Markenführung und strategische Kommunikation. Er berät u.a. Axel Springer und das auf semantische Analysen spezialisierte IT-Unternehmen Empolis. Er ist ausgebildeter Journalist und war Leiter der Öffentlichkeitsarbeit  von Gruner+Jahr.

Den kompletten Text gibt es hier. Der Trendtag findet am 15. September in Hamburg statt.

Ihre Kommentare
Kopf

Tilo Timmermann

06.05.2010
!

Agitatorische Abgrenzung sehe ich derzeit eher auf der Gegenseite, die Twitter, Blogs und Co. notorisch als "Geschwätz" abtut - etwa Herr Grupp von Trigema oder unser aller Sprachpapst, Herr Schneider. Vgl. mein Post unter http://is.gd/bWC54...


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