Henri Nannen Preis 2010: Büsten für "Geo", "Spiegel", "stern"

07.05.2010
 

Die Jury des Henri Nannen Preises hat in diesem Jahr die Preise gut verteilt: Fast alle der nominierten Publikationen bekamen einen Henri ab. In der Königskategorie "Beste Reportage" gewann Hania Luczak ("Geo") für ihre Geschichte "Ein neuer Bauch für Lenie". Die beste investigative Leistung erbrachten laut Jury Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt vom "Spiegel" für ihre "Middelhoff-Esch-Connection". Gruner+Jahr-Boss Bernd Buchholz mahnte zum Auftakt, bei aller Faszination mit technischen Innovationen à la iPad die journalistischen Inhalte nicht zu vergessen.

Die Jury des Henri Nannen Preises hat in diesem Jahr die Preise gut verteilt: Fast alle der nominierten Publikationen bekamen einen Henri ab. Gruner+Jahr-Boss Bernd Buchholz mahnte zum Auftakt, bei aller Faszination mit technischen Innovationen à la iPad die journalistischen Inhalte nicht zu vergessen.

Beste Reportage, investigative Leistung

In der Königskategorie "Beste Reportage" gewann Hania Luczak ("Geo") für ihre Geschichte "Ein neuer Bauch für Lenie". Darin beschreibt sie das Schicksal von Menschen, die nicht ohne künstliche Ernährung leben können, da ihr Darm keine Nahrung verarbeiten kann. Schließlich durfte sie die erste Einpflanzung eines gesunden Darms an einem dreijährigen Kind verfolgen. Die Jury pries die Reportage dafür, dass sie "bewegend ist und genau, präzise, empathisch und frei von Kitsch".

Die beste investigative Leistung erbrachten laut Jury Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt vom "Spiegel" für ihren Artikel über die "Middelhoff-Esch-Connection". Darin ging es um den Manager Thomas Middelhoff und seinen Vermögensverwalter Josef Esch und fragwürdige Immobiliengeschäfte mit Karstadt. Die Juroren lobten die Rechercheleistung unter anderem dafür, dass im Vorhinein kein Verdacht bestand.

Dokumentation, Fotoreportage, Humor

Den Henri für die beste Dokumentation durften die "stern"-Redakteure Jan Christoph Wiechmann, Giuseppe Di Grazia und Katja Gloger entgegen nehmen für "Amerikas dunkles Geheimnis", eine Aufarbeitung der systematischen Folterei auf Seiten der USA. Gloger erzählte auf der Bühne auch vom "anderen" Amerika, den Menschen jenseits des Bush-Systems, die über ihre Erfahrungen im Zentrum der Macht sprachen.

Die eindrucksvollsten Fotos lieferte in diesem Jahr laut HNP-Jury Tomàs Munita: Er lichtete Männer ab, die auf der Felseninsel Guanape Norte Guano vom Gestein kratzen. Die eindrucksvollen Fotos wurden in "Geo" veröffentlicht. Als schwierigsten Teil seiner Arbeit auf der Insel beschrieb Munita den höllischen Gestank der getrockneten Vogel-Exkremente.

Für ihren Humor wurden Andreas Bock, Dirk Gieselmann, Fabian Jonas und Lucas Vogelsang ausgezeichnet für "Das Beste aus dem 11Freunde-Liveticker 2009" rund um Blut, Schweiß und Tränen - und den Biervorrat im Kühlschrank. Ihre radikal subjektive, ungeplante Art des Berichtens bezeichnete die Jury gar als "Fußball-Reportage 2.0".

Sonderpreis

Den erstmalig verliehenen Sonderpreis heimsten Marc Baumann, Martin Langeder, Mauritius Much und Bastian Obermayer vom "SZ Magazin", die in "Feldpost aus Afghanistan" gegen den Willen der Bundeswehr Briefe und E-Mails deutscher Soldaten aus Afghanistan veröffentlichten.

Redakteure der weniger renommierten Blätter als die journalistischen Dickschiffe "Spiegel", "Geo", "stern", gingen in diesem Jahr leer aus - darunter Journalisten der "Aachener Zeitung" oder der "Berliner Morgenpost".

Durch den Abend führte der Musikkabarettist Lars Reichow, der mit musikalischen Einlagen und spitzen Bemerkungen mal mehr, mal weniger amüsant durch den Abend führte.

Sehr emotional verlief die Verleihung des Henris für besonderen Einsatz für die Pressefreiheit - mit Bildern und verwackelten Videos aus dem Iran. Zu verdanken sind diese Bilder den iranischen Journalisten, die für ihre Arbeit schwersten Repressalien ausgesetzt sind. Eine nicht enden wollende Liste der inhaftierten Journalisten verdeutlichte das Ausmaß der Ungerechtigkeit. Die Büste bekam stellvertretend Maziar Bahari.

Helmut Schmidt war Highlight des Abends

Highlight des Abends war der Auftritt des Ehrenpreisträgers Helmut Schmidt, der den Henri für sein publizistisches Lebenswerk als Herausgeber der "Zeit" entgegen nahm. Zur Einstimmung zündete sich Reichow erst mal eine Zigarette an - und sang ein Ständchen für den Bundeskanzler, a.D. Selbstverständlich durfte Schmidt auch im altehrwürdigen Schauspielhaus qualmen. Trotz seines Rollstuhls wirkte der 90-Jährige rüstig und glänzte mit launigen Antworten - u.a. einem Seitenhieb auf das Fernsehen, das stets Schmidts Vorurteile bestätige. Sein mitunter schroffes Verhalten gegenüber Journalisten bereute er - trotz des Anlasses - nicht. Mit seinen spröden Antworten brachte Schmidt seinen Gesprächspartner Giovanni di Lorenzo mehrere Male in Bedrängnis. Der Altkanzler bekam am ganzen Abend eindeutig die meisten Lacher.

Hintergrund: Der Henri Nannen Preis, benannt nach dem 1996 verstorbenen "stern"-Gründer Henri Nannen, wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Zur Jury gehörten u.a.die Chefredakteure Andreas Petzold ("stern"), Peter-Matthias Gaede ("Geo"), Frank Schirrmacher ("FAZ") und Giovanni di Lorenzo ("Die Zeit") sowie die konzernunabhängigen Journalistinnen Gabriele Fischer ("brand eins") und Elke Heidenreich.

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