Sascha Lobo beim ADC Gipfel 2010: "Massenmedien sind eine künstliche Welt"

15.05.2010
 

Es gehört schon einiges dazu, auf dem Vorzeige-Event der deutschen Kreativbranche den Tod der Werbung verkünden: Sascha Lobo, kompromissloser Internet-Jünger, hat seinen Vortrag auf dem ADC Gipfel 2010 gleich mit einer ordentlichen Provokation begonnen. "Massenmedien sind eine künstliche Welt, das Internet ist die echte Welt", rief er dem Werbenachwuchs entgegen - und entrüstete sich darüber, dass zum Twitter-Hashtag #adc bislang gerade mal 46 Tweets abgesetzt wurden. 

Es gehört schon einiges dazu, auf dem Vorzeige-Event der deutschen Kreativbranche den Tod der Werbung verkünden: Sascha Lobo, kompromissloser Internet-Jünger, hat seinen Vortrag auf dem ADC Gipfel 2010 gleich mit einer ordentlichen Provokation begonnen. "Massenmedien sind eine künstliche Welt, das Internet ist die echt Welt", rief er dem Werbenachwuchs entgegen - und entrüstete sich darüber, dass zum Twitter-Hashtag #adc bislang gerade mal 46 Tweets abgesetzt wurden.

Werbung habe nichts mit Anzeigen und Spots zu tun - den Königsdisziplinen beim ADC Award -, sie verwandle schlicht Aufmerksamkeit in Verkauf. Und das lässt sich laut Lobo am besten im Internet bewerkstelligen. Nach dem Anschiss an den Kreativnachwuchs, er solle sich gefälligst mit dem Internet und Social Media beschäftigen, packte Lobo die Krawallbürste erst mal ein, holte ein paar Online-Storys aus dem Gepäck und unterhielt die Werber in gewohnt provokant-amüsanter Manier. Seine essentiellen Tipps für erfolgreiche Werbung im Netz: Interessantheit, Einfachheit, "Erzählability" - und schlicht und einfach viel Glück. Zum Abschluss verkündete er pathetisch: "Euer Gott sei die Idee!" Er sei ja durchaus ein Typ für Pathos, merkte er selbstironisch an - "damit scheitert man viel geiler".

Jakob Augstein: "Wir betreiben ein Identitätsgeschaft"

Für kernige Aussagen sorgten auch "Freitag"-Herausgeber Jakob Augstein und "Spreeblick"-Macher Johnny Haeusler. "Wir betreiben ein Identitätsgeschäft, kein Verlagsgeschäft", so Augstein. Die Wahl für ein Medium stelle immer auch eine Haltung dar - genauso sollten die Publikationen eine eigene Haltung haben. Die Opposition zwischen Print und Online bezeichnete er als hinfällig - beides habe seine Berechtigung und das werde sich nicht ändern.

Das Aus von Stefan Austs Projekt "Die Woche" ist für Augstein ein Meilenstein der jüngsten Mediengeschichte. Es sei vielleicht das letzte Mal gewesen, dass Verlage überhaupt darüber nachdenken, ein neues großes Objekt zu launchen. Derzeit gehe es vornehmlich darum, alte Tanker wie die "Zeit" oder die "FAZ" in die neue Zeit zu retten. Kleinere Publikationen - so gut sie auch sind - könnten es sich nicht leisten, als vierte Gewalt im Staat zu fungieren. Der "Focus" dagegen - mit eigener Lounge in der Frankfurter Messe vertreten - "stirbt gerade".

Einig waren sich die Diskutanten, die eigentlich nichts zu diskutieren hatten, mal wieder darin, dass Journalismus nicht ausstirbt. Die Frage, wie er in Zukunft bezahlt werden soll, wurde allerdings auch hier nicht geklärt.

Ihre Kommentare
Kopf

Stefan Horst

15.05.2010
!

Bezogen auf die Diskussion »Wie sich die Zeitung neu erfindet« mit Jakob Augstein und "Spreeblick"-Macher Johnny Haeusler fand ich nur das Intro von Herrn Zilligen über junge Mediennutzer ermüdend. Tenor: da schalten sie morgens Fernseher, Radio, Handy und PC an, aber wenn man sie fragt, ob sie was lesen, kommt ein Nö. Warum dieses immer gern genommene, aber doch schräge Bild? Und ist es dem Content selbst nicht ziemlich gleichgültig, über welchen Kanal er publiziert und aufgenommen wird?


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