Die ADC-Nägel sind vergeben: Heimat und Jung von Matt räumen ab

16.05.2010
 

Rauminstallationen mit poetischer Note, QR-Codes aus Legosteinen oder ein 54-minütiger Werbefilm – beim diesjährigen ADC Award wurden vor allem Arbeiten ausgezeichnet, die Grenzen überschritten. „Klassische Werbung ist auf dem Rückzug und gewinnt gleichzeitig dort, wo Formen gesprengt und neue Wege genutzt werden“, so ADC-Vorstandssprecher Jochen Rädeker. Sechs der acht vergebenen Goldnägel gingen dementsprechend an Kampagnen aus der Kategorie klassische Medien, u.a. an die Agenturen Heimat, Jung von Matt und Scholz & Friends.

Rauminstallationen mit poetischer Note, QR-Codes aus Legosteinen oder ein 54-minütiger Werbefilm – beim diesjährigen ADC Award wurden vor allem Arbeiten ausgezeichnet, die Grenzen überschritten. „Klassische Werbung ist auf dem Rückzug und gewinnt gleichzeitig dort, wo Formen gesprengt und neue Wege genutzt werden“, so ADC-Vorstandssprecher Jochen Rädeker. Sechs der acht vergebenen Goldnägel gingen dementsprechend an Kampagnen aus der Kategorie klassische Medien, u.a. an die Agenturen Heimat, Jung von Matt und Scholz & Friends.

Besonders stark waren Out-of-Home-Arbeiten vertreten. Hier gingen Goldnägel an Scholz & Friends für die Kampagne „128 Stars – 1 Orchester“ (Auftraggeber: Berliner Philharmonie), Jung von Matt für „Flyvertising – Der erste Fliegenbanner der Welt“ (Eichborn Verlag), Serviceplan für „Pro/Contra“ (Lead Academy) und Lukas Lindemann Rosinski für „Lego Codes“ (MyToys.de). JvM punktete ebenfalls mit der Radiospot-Reihe „Superfeminize me“ (Dmax) und dem „Supersize Pop-up“ (Sara Lee). Heimat, Berlin, feste Bank für goldwertige Kreation, heimste für „Mach es zu deinem Projekt“ (Hornbach) und den Werbespielfilm „Drang – Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“ (Volks- und Raiffeisenbanken) Goldnägel ein.

"Die ADC-Nägel sind eine harte Währung"

Insgesamt wurde acht Mal Gold, 56 Mal Silber, 123 Mal Bronze und 242 Auszeichnungen vergeben. Das sind fast ebenso viele wie 2009 - der befürchtete Nägelregen wegen des erweiterten Kategoriensystems blieb also aus. Die ADC-Nägel seien nach wie vor eine „harte Währung“, sagt Rädeker. Einen Grand Prix vergab die Jury – offenbar nach hitziger Debatte – in diesem Jahr nicht. Das sei auch als Signal für die werbetreibende Wirtschaft zu verstehen: „Gute Werbung braucht mutige Auftraggeber“, appellierte Rädeker.

"Klassische und digitale Medien sind keine Antipoden mehr"

In der Kategorie digitale Medien wurde überraschend wenig Edelmetall vergeben – trotz umfangreicher Einreichungen. Hier ist in Sachen Kreativität noch Luft nach oben. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zusehens: Bei den Lego-Codes führte der QR-Code vom Plakat ins Internet, der „Flyvertising“-Film war ein Hit auf YouTube. „Klassische und digitale Medien sind keine Antipoden mehr“, sagt Alexander Schill, Kreativchef bei Serviceplan Hamburg und Mitglied der Klassik-Jury. Bei den digitalen Arbeiten sah die Jury einen Trend zur Sinnlichkeit im Netz. Ein Beispiel: Eine Website von Amnesty International, auf der der Nutzer mittels Webcam selbst Licht ins Dunkel eines Folterkellers bringen kann.

Olympischer Nagelspiegel

Bei der Verleihung ging der ADC diesmal selbst neue Wege: Nicht nur der neue Standort Frankfurt, auch die Nägel-Vergabe war neu organisiert. Statt jede Kategorie einzeln abzufeiern, wurde nach dem Vorbild der olympischen Spiele ein „Medaillen-Spiegel“ errechnet. So ging jede Auszeichnung und jeder Nagel ging in die Bewertung einer Kampagne mit ein. Das machte zum einen die Award Show kürzer – die dennoch knappe drei Stunden dauerte – und zum anderen die Verleihung wesentlich übersichtlicher. Durch dieses System ergaben sich drei Spitzenplätze, von denen sich Heimat zwei sicherte – für die Raiffeisenbank- und Hornbach-Kampagne (Platz eins und drei). Punktgleich mit der Raiffeisenbank-Kampagne war aber auch die „spitze Feder“-Arbeit von JvM für den „Spiegel“. Sie holte zwar keinen Goldnagel, aber dafür unzählige andere Nägel und Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien. Im Agenturenranking liegt Jung von Matt vorn, gefolgt von Scholz & Friends und Heimat. Die komplette Gewinnerliste finden Sie im Anhang.

Frankfurt konnte glänzen

Frankfurt konnte als neuer Austragungsort des ADC Gipfels glänzen. Die Award Show im Kongresszentrum war beeindruckend glamourös, die anschließende Feier fand in der Halle mit der ADC-Ausstellung selbst statt. Moderator Michel Abdollahi (u.a. Moderator im Hamburger Schauspielhaus) brachte mit seinem trockenen Humor ein wenig hanseatischen Flair mit ein – und schloss die Veranstaltung mit einem iranischen Gedicht. Viele Überraschungen, überzeugende und großartige Ideen, knapp 10.000 Ausstellungsbesucher – der ADC Gipfel 2010 machte selbst die beste Werbung für die Kreativbranche.

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Kopf

Dr. Hubertus N. Stiehl

16.05.2010
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ADC-Syndrom - Bezeichnung für eine akzentuierte Verhaltensauffälligkeit, die besonders im Umfeld von Kreativagenturen verbreitet ist. Das ADC-Syndrom zeichnet sich durch eine starke mentale Fixierung auf Marketing-Kommunikation und eine zunehmende Fixierung auf Nägel und nagelartige Objekte aus. Die Deutsche ADC Hilfe möchte informieren, Toleranz gegenüber Betroffenen fördern und Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

www.adc-hilfe.de

Mit freundlichen Güßen
Dr. Hubertus N. Stiehl


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